Nachruf

Konrad Repgen im Alter von 93 Jahren verstorben

Konservativer Mahner: Konrad Repgen. FOTO: KLOPP

Konservativer Mahner: Konrad Repgen. FOTO: KLOPP

Bonn. Der Bonner Historiker Konrad Repgen ist gestorben. Roter Faden in seinem Werk waren der innere und äußere Friede sowie die Frage der Toleranz in einer religiös zersplitterten Gesellschaft.

Die Universität Bonn war die große räumliche Konstante im Wirken Konrad Repgens. Der am Sonntag im Alter von 93 Jahren verstorbene Historiker, 1923 in Friedrich-Wilhelms-Hütte (Stadt Troisdorf) geboren, lehrte hier von 1967 bis zu seiner Emeritierung 1988 als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte und machte sich einen Namen: als bedeutender Kenner der Geschichte der frühen Neuzeit, insbesondere der des Dreißigjährigen Krieges, und als „Nestor der kirchlichen Zeitgeschichtsforschung“, als den ihn Historiker-Kollegen noch 2009 bezeichneten.

Bevor Repgen diesen Altmeister-Status erlangen konnte, legte er 1941 das Abitur am Bonner Beethoven-Gymnasium ab, kämpfte bis 1945 an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg, um nach kurzer Gefangenschaft von 1945 bis 1950 Geschichte, Germanistik sowie Latein an der Universität Bonn zu studieren und dort auch zu promovieren. Nach einem Forschungsaufenthalt in Rom habilitierte Repgen 1958 mit der Arbeit „Die römische Kurie und der Westfälische Friede. Papst, Kaiser und Reich“ – natürlich in Bonn. Bevor er allerdings in seiner Heimat den Konkordatslehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte von seinem Vorgänger Max Braubach übernahm, lehrte er ab 1962 als Professor an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Ebenso wie die akademische Lehre verstand Repgen die wissenschaftliche Forschung nie fragmentarisch, sondern umfassend: von der Reformation bis in die Gegenwart. Roter Faden in seinem Werk waren der innere und äußere Friede sowie die Frage der Toleranz in einer religiös zersplitterten Gesellschaft. Für die Herausgabe der Akten des Westfälischen Friedens und seinen Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg wurde er 1998 mit dem Historikerpreis der Stadt Münster ausgezeichnet. Die „Akten deutscher Bischöfe über Lage der Kirche 1933-1945“ bilden bis heute eine Basis für Kontroversen über das Verhalten der katholischen Kirche im „Dritten Reich“.

Zweites großes Forschungsfeld des Professors war die politische Geschichte des Katholizismus im modernen Deutschland. Mit der 1962 mit Unterstützung der katholischen Kirche aus der Taufe gehobenen Kommission für Zeitgeschichte hat er als Gründungsdirektor von 1962 bis 1977 und von 1980 bis 1993 das Flaggschiff der Erforschung des Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert geleitet.

Repgen fühlte sich dem Quellenstudium, der Didaktik und der Rhetorik verpflichtet; historische Sinnstiftung war ihm fremd. Er legte vor allem detailreiche Untersuchungen vor. Grundtugend jedes Historikers sei es, den Vorangegangenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so beschrieb Repgen seine Haltung. Dabei scheute er sich nicht, seine Positionen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen – kämpferisch, gegen den linken Zeitgeist und aus betont kirchlich-konservativer Perspektive. ⋌/