Pink Punk Pantheon im neuen Haus

Konfetti im Kopf und ein Hit für Trump

Bonn. Auch die traditionelle Karnevalsrevue Pink Punk Pantheon wechselt die Rheinseite und spielt ihre 34. Session im neuen Haus in Beuel. Der Umzug ist, neben Trump und Brexit, ein Thema im kabarettistischen Programm. Der General-Anzeiger besuchte die Proben.

In Graurheindorf, direkt am Bonner Hafen, steht ein schmucker Gebäudekomplex, ein Firmenschild weist ihn als „Solar World Campus“ aus. Das sieht alles sehr schick aus, nur die Akustik will nicht passen. Aus der dritten Etage dringt am Mittwoch dieser Woche eine lebhafte Popnummer: „Uptown Funk“ von Mark Ronson und Bruno Mars. Nicht von der Konserve, sondern live. Auch der Refrain verwundert: „Alaaf“ singt ein Chor.

„Der Text ist noch in Bearbeitung“, sagt Gerhard Vielhuf, „es geht um Insekten“. Vielhuf spielt den Bass im Ensemble der Bonner Karnevalsrevue Pink Punk Pantheon (PPP). Die Musiker und Kabarettisten nutzen in diesen Tagen gleich zwei freie Etagen für die Proben zur neuen Show. Mit Blick auf den Rhein – und auf die rechte Rheinseite, die in früheren Programmen stets als „falsche“ desavouiert wurde. Nach dem Umzug des Pantheon im Herbst ist Beuel plötzlich hip, der neue Standort in der Siegburger Straße blüht auf, das Publikum kommt, selbst die Bushaltestelle heißt jetzt „Pantheon“. Und am kommenden Montag zieht auch das PPP-Ensemble ans andere Ufer, um ganz vorsichtig die neue Theaterwelt zu vermessen.

 

„Das alte Bühnenbild funktioniert auf der größeren Bühne nicht mehr“, sagt Regisseurin Molly Spitta. Ein neues muss erst noch gefunden werden. In einem der Proberäume stapeln sich rote Bierkästen, damit können die Improvisationstalente gut Kulisse spielen. „Das erinnert mich an die Anfänge in den achtziger Jahren, als die freie Theaterszene noch ganz arm dran war“, sagt Spitta. Deshalb kokettieren die Künstler mit der Option, die anstehende Session als „Baustelle“ zu inszenieren.

Ein Luxusproblem. Denn: In der Beueler Halle finden 420 Zuschauer bequem Platz, ein gutes Drittel mehr als in den Katakomben am Bundeskanzlerplatz. Bei 41 anstehenden Shows kommen da bis zu 20.000 Besucher zusammen. Trotz aller Anspannung: Die Vorfreude ist groß bei den Musikern und Schauspielern, die aus dem Köln/Bonner Raum stammen und in karnevalsfreien Zeiten eigenen Projekten nachgehen. „Ich freue mich auf drei Monate in diesem Team“, sagt Sia Korthaus, die hauptberuflich als Solokabarettistin durch die Lande zieht und zum zehnten Mal bei PPP mitwirkt. Maryam Yazdtschi macht seit 16 Jahren mit, sie liebt die Abwechslung und gilt gleichsam als Garant für die überraschende Momente – ob als gelenkiges Funkenmariechen oder beim sauberen Solo mit „Ave Maria“.

Ein alter Hund läuft schwanzwedelnd durch den Proberaum. Er hört auf den Namen Sportsfreund. Mit Frauchen Beate Bohr hat er jahrelang Kabarett gemacht, am liebsten für Hundeschulen und Hundevereine. Jetzt genießt Sportsfreund den Ruhestand, während Frauchen im weißen Kittel „Alaaf“ singt.

 

Ein tierisches Kostüm im Wortsinn trägt Massimo Tuveri. „Ich bin ein Werwolf“, sagt der Schauspieler. Die Kollegen indes halten ihn für ein Schaf. Für welche neue Nummer der Zwirn gut sein wird? Sicher ist nur: Massimo lässt gern die Sau raus. „Wir sind nicht verrückt“, sagt er und nestelt an seinem Fell, „wir haben nur mehr Konfetti im Kopf“.

Auf dem Teppichboden liegen zwei Seiten einer Partitur. Titel: „Meckenheim“. Doch der Schein trügt. Kapellmeister Sangit W. Plyn, der bei PPP seit 1988 den musikalischen Unterbau sichert, will damit nur Druckkosten sparen. Bei den Noten handelt es sich um den Evergreen „New York, New York“, der in den vergangenen 20 Jahren im Pantheon als Hymne auf „Meckenheim“ dargeboten wurde – und künftig den Titel „Beuel“ tragen wird.

Auch Plyn trägt einen weißen Kittel mit weißer Haube. Denn die Musiker gehen in diesem Jahr als Wäscheprinzessinnen – eine Verbeugung vor dem kulturellen Erbe der neuen Heimat. Doch man will die Sache mit dem Umzug nicht übertreiben, andere Themen sind nicht minder wichtig in einem überaus ereignisreichen Jahr. Später wird noch ein Sketch einstudiert. Titel: „Bankautomaten“. Regisseurin Molly Spitta will dazu nicht mehr verraten als nötig: „Es geht um Altersarmut bei Frauen, die sich ihren Lebensunterhalt aufbessern.“

Pink Punk Pantheon: Bei den Proben am Bonner Hafen

Pink Punk Pantheon: Bei den Proben am Bonner Hafen

 

Ohne „Trump“ und „Brexit“ funktioniert in diesen Zeiten selbst kabarettistischer Karneval nicht. Doch das „Wie“ ist entscheidend. Der Brexit wird zum „Karnexit“, es droht der Ausstieg aus dem rheinischen Karneval. „Denn“, so die Regisseurin, „auch hier gibt es Vereine, die weniger für das Brauchtum ausgeben wollen“.

Bei Donald Trump drängen sich kabarettistische Ansatzpunkte geradezu auf. „Wenn das Trumpelche jeht“ wäre sicher ein schönes Lied. In diesem Fall nicht. Die Pantheoniken hatten „Jump“ von Van Halen in der engeren Wahl, dann kam das Neumitglied Tom Jacobs mit einer konkurrenzlosen Idee um die Ecke: Er generiert aus dem Klassiker „Eimol Prinz zo sin“ die Nummer „Eimol Trump zo sin“.

 

Die bizarre Wunschvorstellung wird zwar kein Pantheon-Besucher teilen mögen, doch genau solche verspielten Brechungen machen den Stil dieser Karnevalsrevue aus. Man hört jetzt schon das schallende Gelächter. Und hat die Kopfbedeckung vor Augen: nicht Prinzenkappe, sondern Trump-Tolle, frisch verfönt. Der einfallsreiche Interpret Jacobs kann heute leider keine Kostprobe geben: Er ist beruflich verhindert – und spricht gerade in einem Tonstudio den Part des SF-Helden Perry Rhodan für ein neues Hörspiel ein.

Auch Rainer Pause und Norbert Alich halten sich heute etwas zurück. Bei den Fotoaufnahmen für den General-Anzeiger deuten sie ihre Paraderollen Fritz und Hermann vornehm an – im Wissen um die dicken Bretter, die es noch zu bohren gilt. Als Vereinspräsidenten führen Pause und Alich ab dem 29. Dezember textreich durch 41 Abende, wobei sie ihre Pointen gewöhnlich tagesfrisch setzen. Und auch das hat Tradition: Die Vorstellungen sind angesetzt auf drei Stunden, doch Premieren dauern bei PPP grundsätzlich länger. Vier Stunden und mehr.