Kommt das Festspielhaus neben die Telekom-Zentrale?

Würde dieser Plan B des Stadtdirektors realisiert, könnte die Beethovenhalle erhalten bleiben

Bonn. Neues Wendemanöver in Sachen Beethoven Festspielhaus: Stadtdirektor Volker Kregel denkt seit einiger Zeit leise und seit Freitag - nach Absprache mit Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch - sogar laut darüber nach, die Entscheidung für den Standort auf dem Gelände der Beethovenhalle aufzugeben.

Er bringt als Alternative das Gelände des Landesbehördenhauses neben der Telekom-Zentrale ins Spiel. Es diente früher als Polizeipräsidium. Kregel bezeichnet diesen Vorschlag zwar ausdrücklich noch als "Plan B", doch ihm scheint die Variante sehr sympathisch, woraus er gar keinen Hehl macht: ",B? steht ja auch für Beethoven", sagt Kregel.

Mehrere Gründe sprechen, folgt man den Gedanken Volker Kregels, für einen Standortwechsel des Festspielhauses, das mit Sponsorgeldern der drei Bonner Unternehmen Post, Telekom und Postbank errichtet werden soll. "Die öffentliche Diskussion um den Erhalt der denkmalgeschützten Beethovenhalle hat massiv zugenommen", argumentiert er, was ein großer Unsicherheitsfaktor sei.

Beim vorgeschlagenen Plan B gebe es deshalb eine sehr viel größere Planungssicherheit. Denn beim Landesbehördenhaus könnte ohne Verzögerung mit dem Abriss begonnen werden. "Und das Grundstück ist groß genug, den Hadid-Bau aufzunehmen", sagt Kregel. Dass die irakische Architektin ihren als "Diamant" bezeichneten Entwurf auf die Rheinlage hin entwickelt hat, stellt für Kregel eher kein Hindernis dar.

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Freilich müsste vorher geklärt werden, ob das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer das Grundstück zur Verfügung stellt. Doch in dem Punkt zeigt sich Kregel zuversichtlich. Bislang hatte Düsseldorf vergeblich versucht, Immobilie und Grundstück zu veräußern.

Da die Stadt dann kein Grundstück zur Verfügung stellen würde, stünde sie laut Kregel auch nicht mehr in der Verantwortung für die Gründung der Betreiberstiftung, deren Satzung derzeit unter Kregels Leitung erarbeitet wird. Wer dann aber einspringen würde, ist noch völlig offen.

Dennoch glaubt Kregel, dass die Stiftung ein Jahr früher mit der Arbeit beginnen könnte, wenn sich die Stadt aus der Verantwortung weitgehend zurückzieht. Nach dem bisherigen Modell soll der laufende künstlerische und technische Betrieb des Festspielhauses über die Zinseinnahmen der Stiftung finanziert werden, die mit über 40 Millionen Euro Kapital ausgestattet sein wird, davon allein 39 Millionen vom Bund.

Das zu erwartende Defizit soll dann die Stadt Bonn mit einem jährlichen Zuschuss ausgleichen. Kregel spricht hier von 4,6 Millionen Euro. Ob man dies im Hinblick auf den 2011 drohenden Nothaushalt der Stadt leisten kann, stellt Kregel jetzt in Frage. Statt dieses Betrags, der beispielweise bei geringerem Kartenverkauf erhöht werden müsste, schlägt der Stadtdirektor nun eine andere Form der Beteiligung vor:

Die Stadt Bonn leistet ihren Beitrag zur Finanzierung des Betriebs über langfristige Mietverträge - Kregel spricht von 20 Jahren -, die sie für das Beethoven Orchester und das Beethovenfest sozusagen als Untermieter mit der Betreiberstiftung abschließt.

Damit läge die Verantwortung, etwaige Mindereinnahmen ausgleichen zu müssen, allein bei der Betreiberstiftung. Als zusätzliche Option zur Finanzierung des Betriebs sieht Kregels Plan vor, jene 20 Millionen Euro als Zustiftung einzubringen, die man durch den Festpielhaus-Neubau bei einer heutigen Konzerthaus-Standards entsprechenden Sanierung der Beethovenhalle einsparen würde. Hier fällt jedoch das einschränkende Wort "gegebenenfalls".

Dass die Stadt jedes finanzielle Risiko ausschalten möchte, ist natürlich auch eine Lehre, die man aus dem WCCB-Desaster gezogen hat. Kregel: "Ich werde keine Verantwortung für ein Projekt übernehmen, das für uns finanzielle Unwägbarkeiten enthält."

Die Sponsoren wollen Kregels "Plan B" noch nicht kommentieren. "Wir kennen die Details und Hintergründe eines Plans B nicht", sagte der Festspielhaus-Projektbeauftragte für die Post, Manfred Harnischfeger. "Viele Fragen sind noch offen. Es gibt noch keine Meinungsbildung bei der Post."