Kommentar: Hier und da und dort

Das Beethoven-Festspielhaus ist eine einmalige Chance. Die Möglichkeit, dass drei Bonner Unternehmen den Bau finanzieren, und die Bereitschaft von Bund, Land NRW, Rhein-Sieg-Kreis und anderen Förderern, Stiftungskapital zu zahlen, sind einmalig."

Die Botschaft des Bonner Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch war klar: Er wollte die historische Chance eines Festspielhauses ergreifen. Das war Ende Dezember 2009. Darauf folgte ein kurioser, kontraproduktiver Eiertanz um die Standortfrage. Der Tanz endete im April 2010 mit dem Beschluss, das Projekt vorerst auf Eis zu legen.

Mit seiner, mit Spannung erwarteten Rede zum Auftakt des Beethovenfests am Freitag droht Nimptsch das Muster von 2009 zu wiederholen. Man empfindet die Grandezza seiner Rhetorik, doch man glaubt nicht an ihre Substanz. Nimptsch hat seinen Hut in den Ring geworfen - und gleich eine Nebelkerze hinterher.

Jenseits des Bekenntnisses zur Beethovenstadt Bonn und zu einer neuen Konzerthalle warf der Oberbürgermeister mehr Fragen auf, als er zu beantworten willens oder fähig war. Beachtenswert ist die Rede vor allem durch ihre Leerstellen. Die Verantwortung für das Zukunftsprojekt delegierte Nimptsch an die "Bürgerschaft".

Seinen wichtigsten Partner aus der Wirtschaft, die Post, erwähnte er nicht einmal mit Namen. Als Anonymus wird sie sich nicht willkommen fühlen. Den möglichen Standort des neuen Hauses beschrieb der OB in einem Stück unfreiwillig komischer Prosa ("vielleicht gar nicht hier, sondern da oder dort"), über Zahlen, Fakten und Daten schwieg er sich aus.

Stattdessen der wiederholte Appell an Rat, Verwaltung und Bürgerschaft, einig zu sein im Bekenntnis zur Beethovenstadt. Wie soll die Einigkeit herbeigeführt,wie soll sie gemessen werden? Wer soll das leisten und wann? Plant Nimptsch eine Bürgerbefragung? Wen will, wen kann er auf diesem Weg, der kein leichter sein wird, aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft mitnehmen? Sind so viele Fragen.

Nimptsch, legt man seine Rede in der Beethovenhalle zugrunde, simuliert Gestaltungswille und Führungskraft. Was Polit-Power spiegeln soll, entpuppt sich nach genauer Lektüre als Pose. Nimptschs Ausführungen am Freitagabend spielten in der Welt der Wünsche ("Ja, wir sind die Beethovenstadt!"), die Wirklichkeit blieb weitgehend außen vor.

Kein Wort zum Abgang von Telekom und Postbank, kein Wort zur selbstverschuldeten Debatte über die Oper und deren mögliche Abschaffung. Niemand kann zufrieden sein. Weder Befürworter der Festspielhaus-Idee noch Beethovenhallen-Fans. Deren Halle der Herzen rezensierte der OB als nicht zukunftsfähig. Quo vadis, Bonn?

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