Komiker Bernhard Hoëcker enttäuscht das Springmaus-Publikum

Gefangen in der Endlosschleife

Bonn. Die Erwartungen waren groß, sehr groß. Bernhard Hoëcker präsentiert sein brandneues Bühnenprogramm "WikiHoëcker".

Eine geradezu geniale Paarung: Hoëcker, schier allwissendes festes Rateteam-Mitglied aus der TV-Show "Genial daneben" und begnadeter Parodist in der Fernsehsatire "Switch Reloaded", trifft auf Wikipedia.

Das witzigste wandelnde Lexikon Deutschlands setzt sich mit der bekanntesten Online-Enzyklopädie der Welt auseinander. Umso schwerer fällt es dem geneigten Beobachter zu konstatieren, dass Hoëcker mit diesem Projekt grandios gescheitert ist.

Dabei beginnt alles vielversprechend. Der Bonner Komiker berichtet von seiner Mission, den Wikipedia-Artikel über Ayurveda zu bearbeiten. Mehrfach wird ihm sein Wiki-Zugang gesperrt, weil er "Mumpitz" schreibe. Auftakt für eine herrlich skurrile Episode um eine Art digitales Duell zwischen Hoëcker und seiner Nemesis Mister Mumpitz: Neuer Zugangsname, bearbeiten, Sperrung - als Ereigniskette in der Endlosschleife.

Eine gelungene groteske Adaption der zentralen Wikipedia-Philosophie - und gleichzeitig des zentralen Wikipedia-Problems. Daneben lässt Hoëcker seine treffsichere Joachim-Bublath-Parodie aus "Switch Reloaded" aufblitzen und muss sich mit einem äußerst redseligen und kommentarfreudigen Zuschauer aus der ersten Reihe herumschlagen, was allerdings sehr verdächtig nach Inszenierung riecht.

Eine halbe Stunde ist die erste Hälfte alt, und so richtig in Fahrt kommt das Programm nicht. Stattdessen wirkt es fahrig. Bernhard Hoëcker verlässt die titelgebende Wiki-Linie häufig und rutscht in durchschnittliche Beiträge über Schallplattenkreuze und das sagenumwobene "Niederlantis" ab; ein Land, "das so arm ist, dass die Menschen ihr eigenes Gras rauchen müssen". Google Earth fällt als Stichwort, aber eben nur als Stichwort. Verschenkt. Das kann nicht zurückführen zum Wiki-Pfad.

Vielmehr geht es nun um die tückische T 9-Eingabe im Mobiltelefon und um Lieblingsapplikationen auf dem iPhone. Episch breite Ausführungen zu Homöopathie ("Je weniger Wirkstoff drin ist, desto höher ist die Wirkung") und zu einem Besuch im Brühler Phantasialand inklusive Fahrgeschäften, die zum Erbrechen führen: langweilig.

Ganz gut geraten Hoëckers Gedanken zu absurden Verschwörungstheorien und das Duell mit einem Virus im Badezimmer. Mehrfach greift der Comedian zu Gesangseinlagen, und weil Wikipedia für ihn "ja total viel Freiheit" ausdrückt, dichtet er Reinhard Meys "Über den Wolken" in "Über dem Volke schwebt eine Wolke aus Wissen dahin" um.

Bernhard Hoëcker verkauft sich weit unter seinem Wert. Bedauerlich ist auch, dass er so wenig aus dem Wikipedia-Thema macht und oftmals auf Anekdoten-Flickschusterei zurückgreifen muss. Das kann er allemal besser.