Schrille Nacht

Komödie mit Ingolf Lück in Bonn

Britischer Humor garantiert: Martin Bross (links), Ingolf Lück und Nicole Johannhanwahr.

Britischer Humor garantiert: Martin Bross (links), Ingolf Lück und Nicole Johannhanwahr.

Bonn. „Der Messias“ garantiert im Contra-Kreis-Theater eine etwas andere Weihnachtsgeschichte für Freunde des schwarzen Humors.

Für die Premierenfeier im Bonner Contra-Kreis-Theater stand reichlich Spekulatius bereit. Aus gutem Grund, denn auf der Bühne des Hauses weihnachtet es ziemlich heftig. Patrick Barlows untertreibend als Komödie bezeichnetes Stück „Der Messias“ garantiert eine Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art. Hier heißt es durchgehend schrille Nacht, schräge Nacht – die nicht unbedingt frohe, aber dafür sehr bizarre Botschaft des Krippenspiels aus dem Contra-Kreis dürfte wohl die einzige sein, in der Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Thomas Gottschalk sowie Muffendorf und Auerberg vorkommen.

Barlows Satire aus dem Jahr 1983 hat sich wahrscheinlich eine Menge bei der britischen Komikergruppe Monty Python abgeschaut, einige Albernheiten eingeschlossen. Das Stück gehört auf jeden Fall in die Kategorie sehr, sehr britischer Humor, was hier bedeutet: Die Späße sind tiefschwarz gefärbt. Die Bonner Aufführung unter der Regie von Lajos Wenzel schleift und mildert da nichts ab, sie marschiert zielsicher durch den verwegenen Satire-Slalom.

Zwei Schauspieler haben sich in diesem „Messias“ die Geschichte aller Geschichten, die Geburt Jesu von Nazareth, vorgenommen, sie spielen mit Hilfe der Requisiten aus dem Putzwagen alles und jeden, der da vorkommt. Als da beispielsweise wären: eine etwas frustrierte und mitunter keifende Maria, gerade mal 14 Jahre alt, ein nicht sonderlich intelligenter Josef, ein flügelrauschender Erzengel, römische Tribunen, etwas dusselige Hirten, umtriebige Weise aus dem Morgenland, eine erschreckend robuste, zupackende Hebamme und auch noch Gottvater persönlich, der sich aparterweise ein bisschen aufs Rheinische versteht.

Das Ganze ist eine schöne Herausforderung für zwei Akteure, die sich ganz ohne Glühwein in einen Weihnachtsrausch spielen wollen. In Bonn lässt Regisseur Wenzel beide an sehr langer Leine spielen, was gewiss nicht die schlechteste Lösung ist. Ingolf Lück, mit einer vom Promi-Fußball herrührenden Muskelverletzung antretend, findet ein riesiges Betätigungsfeld für seine Entertainer-Qualitäten, und Martin Bross kann seine Wandlungsfähigkeit in Stimme und Mimik aufs Schönste unterstreichen. Wenn die beiden aus ihren vielen Rollen treten und übers Schauspielern oder das Leben an sich ausufernd sinnieren, bekommt das Stück einen ganz besonderen Reiz. Zu Lück und Bross tritt noch Nicole Johannhanwahr als Opernsängerin, die sich ungeniert und ungefragt ins Geschehen mischt: Mit ihrer Mordsstimme ist sie eine wahre Entdeckung. Geradezu unwiderstehlich für die Ohren, wie sie Händels „Tröste dich“ poppig und samtig aufbereitet.

Das Publikum darf auch ein bisschen mitspielen, als Volksmasse von Nazareth. Nach der Pause blieben einige Sitze leer. Gleichwohl: Barlows „Messias“ ist weit von der Blasphemie entfernt, dafür ist der Satire-Stempel viel zu eindeutig. Man kann es so sehen: Wer den Film „Das Leben des Brian“ mag, wird diesen „Messias“ höchst vergnüglich finden, die anderen wollen erobert werden. Das kann durchaus gelingen: Es gibt Theater in Deutschland, die Barlows „Messias“ alle Jahre wieder als kultige Weihnachts-Show im Repertoire haben.

Bis zum 7. Januar auf dem Spielplan des Contra-Kreis-Theaters. Karten unter anderem in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers