Auf vielen Wegen zur Eroica

Klassische Musik in Bonner Schulen

Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan will Jugendliche auf die Musik Beethovens einschwören.

Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan will Jugendliche auf die Musik Beethovens einschwören.

Bonn. Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan leitet am Freitag das Jugendkonzert "b+“. Zum Auftakt des auf mehrere Jahre angelegten Projekts haben sich 115 Schüler mit der dritten Sinfonie künstlerisch auseinandergesetzt.

Es gibt sehr unterschiedliche Wege, die dritte Sinfonie Ludwig van Beethovens, die „Eroica“, ein bisschen näher kennenzulernen. Zum Beispiel ließe sich untersuchen, auf welche Weise Beethoven in diesem Werk die klassische Sonatenhauptsatzform zur Anwendung gebracht hat. Den Bonner Schülern, die am Projekt „b+“ des Beethoven Orchesters beteiligt sind, wollte man durch solche theorielastigen Methoden jedoch nicht die Lust auf die Musik verderben.

In den beteiligten Klassen geht es durchaus sinnenfroher zu. „Uns geht es darum, Kinder und Jugendliche mit der Musik zu konfrontieren und sie anzuregen, selbst etwas dazu zu entwickeln“, erläutert Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan das Projekt, das von der Education-Abteilung des Orchesters gemeinsam mit den Musikpädagogik-Kolleginnen und -Kollegen vom Theater und vom Beethovenfest begleitet wird.

Das Beethoven Orchester spielt die komplette Sinfonie

Die von den Schülern erarbeiteten Ergebnisse des Eroica-Projekts werden am Freitag, 19. Januar, 18 Uhr, im Opernhaus öffentlich vorgestellt. Darunter können musikalische Improvisationen auf einer E-Gitarre über den Trauermarsch, Texte über die Musik, Performances oder bildnerische Auseinandersetzungen mit dem Objekt „Eroica“ sein.

Am Abend der Projektvorstellung in der Oper spielt das Beethoven Orchester unter Kaftans Leitung natürlich auch noch einmal die komplette Sinfonie, die es bereits in der „Beethovennacht“ im Dezember und in der zweiten Ausgabe des neuen Konzertformats „Im Spiegel“ aufgeführt hatte. „Die Schüler werden das mit ihren Arbeiten umranken wie in einer lebendigen Konzerteinführung“, beschreibt Kaftan Präsentation und Konzertablauf.

So sollen die Bilder „choreografisch präsentiert“ werden. „Wir hoffen, dass so auch für die Zuschauer, die nicht im Projekt eingebunden sind, ein anderer Zugang zum Gehörten sich eröffnet.“

Die Vorbereitungen auf dieses Ereignis waren recht aufwendig. „Wir hatten schon vor den Sommerferien erste Gespräche mit interessierten Lehrern“, sagt die Musikvermittlerin und Konzertpädagogin Eva Eschweiler. Nach ersten Gesprächen mit den Schülern begann die heiße Phase in den Klassen nach den Herbstferien, mit der künstlerischen Spiegelung von Beethovens Sinfonie durch die Schüler in anderen Künsten. Dabei holen sich die Konzertpädagogen Hilfe von Musikern und Künstlern, die den Schülern helfen, die Ideen in die künstlerische Tat umzusetzen.

„Es entstehen da richtige künstlerische Prozesse, die aber auch Zeit brauchen, und auf die sich die Jugendlichen einlassen müssen“, weiß Eschweiler. Dabei soll sich jede Klasse mit einem der vier Sätze aus der „Eroica“ beschäftigen. Beteiligt sind insgesamt 115 Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 18 Jahren, die sich auf sechs Klassen aus unterschiedlichen Schulen und Schulformen aufteilen. „Jugendliche in diesem Alter sind natürlich nicht so leicht für die klassische Musik zu begeistern wie Kinder“, meint Kaftan. Aber gerade deshalb sei das Angebot so wichtig.

Bis zum Beethovenjahr 2020 werden die „Big Five“ (Kaftan) der Beethoven-Sinfonien Gegenstand weiterer Schulprojekte sein. Höhepunkt im Jubiläumsjahr selbst wird die Neunte sein. Aber die Idee soll auch in Zusammenarbeit mit Don Bosco exportiert werden, wie Kaftan verrät. „Wahrscheinlich zunächst nach Kolumbien. Da geht es um die Vision hinter der Musik.“

Freitag, 19. Januar, 18 Uhr, Oper Bonn. Eintritt zehn (ermäßigt fünf) Euro.