Weihnachtsspezial 2016 im Pantheon

Kennedy und der Kartoffelkäfer

Erstes Weihnachtsspezial über Tage mit Norbert Alich (l.) und Rainer Pause.

Erstes Weihnachtsspezial über Tage mit Norbert Alich (l.) und Rainer Pause.

Bonn. Das Weihnachtsspezial 2016 mit Rainer Pause und Norbert Alich im Pantheon: Der Abend lebt von der Eloquenz der Herren und ihrer Art, die Dinge so auszudrücken, dass sie sich womöglich auch ganz anders deuten lassen.

Nur für den Fall, dass irgendjemand irrtümlicherweise angenommen haben sollte, jetzt – raus aus dem Keller – würden Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich), der Alterspräsident und der Vorsitzende des „1. FKKVB Heimatverein Rhenania n.V. 1983“, mit der Zankerei aufhören: kein Gedanke daran! Die ersten Silben des „Wanderns durch den weißen Winterwald (Walking In A Winter Wonderland) sind noch nicht verklungen, da fährt Litzmann dem Vereinskameraden schon wieder in die Parade.

Der Geist der Weihnacht hat die beiden da unten am Bundeskanzlerplatz alle Jahre lang nicht finden können – und nach Beuel wollte er erst recht nicht umziehen. Fritz und Hermann wiederum: Tja, die hatten auf der Suche nach einer Herberge wohl keine Wahl. Dafür sind sie – wie Litzmann räsoniert – den Heiligen Drei Königen auf der Spur und dem Orient jenseits der Kennedybrücke ein Stück näher. Ob man sich in seiner neuen Heimat mit sowas Freunde macht? Offenbar schon, denn ein restlos ausverkauftes Haus spricht da durchaus für sich.

Der Baum dort leuchtet mal grün, mal rot bis hinten in den Saal hinein, die Geschenke werden ausgepackt: Zum Beispiel eine mehr oder weniger besinnliche Geschichte zum Thema „Smartpone-Weihnacht 2016“, zwei Stunden Kabbelei und lauter neue Lieder, die diese beiden liebenswerten Bekloppten eigens zur Premiere an neuer Heimstatt einstudiert haben. „Wo geht's denn hier zu Stall und Krippe?“ (Is This the Way to Amarillo?) ist eins davon; nebst der Weihnachtsgeschichte als Musicalmedley von der West Side Story über Anatevka bis zur Rocky Horror Show und einem Ave Maria Hip Hop, der in der Tat Appetit auf die Adventszeit, auf Dominosteine, Tannengrün und Kerzenschein macht. Nicht zu vergessen die Boxerhymne „Time to Say Goody“ und das „Girl from Ipanema“ – von den beiden ehemaligen Kellerkindern flugs zum eigenen Gebrauch umgedichtet. Die dürfen das – sie sind so frei. So wie sie sich mit Lust und Laune ihre Verbalinjurien um die Ohren hauen. Wenn Litzmann zum Publikum gewandt die Schultern zuckt: „Ich kann auch nichts dafür, was er sagt. Aber er wollte unbedingt mitkommen.“ Die Retourkutsche folgt prompt: „Bei dir gilt wohl auch das Prinzip 'Hauptsache, weiterreden'.“

Das ist erstens richtig und zweitens auch ganz in Ordnung so. Der Abend lebt von der Eloquenz der Herren und ihrer Art, die Dinge so auszudrücken, dass sie sich womöglich auch ganz anders deuten lassen: Das mit den Papageien auf den Bäumen, die dem Spatz den Platz streitig machen, ist ein feines Stück Satire. So wie die Episode vom Kartoffelkäfer, ohne den die irischen Kennedys im 19. Jahrhundert nie nach Amerika ausgewandert wären. Bleibt noch Satchmo Litzmanns Ständchen an J.F.K.'s Bruder im Geiste – Barack Obama: „Es ist so still am Capitol Hill“. Muss man noch mehr sagen?

Fritz und Hermann packen aus: Auch am 25. sowie 28. bis 30. November. Weitere Termine im Dezember. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.