Kabarett zum Fastelovend

Karnevalsrevue "Pink Punk Pantheon" geht in die 35. Auflage

Bonn. Die kabarettistische Karnevalsrevue "Pink Punk Pantheon" startet in ihre 35. Session in (relativ) neuen Mauern und unter neuer Regie von Thomas Ulrich

Wer dieser Tage am Bonner Hauptbahnhof ankommt, braucht schon seinen ganzen Orientierungssinn, um den Weg dort heraus und in die Stadt zu finden. An die Südüberbauung erinnern allenfalls noch Fotos. Dasselbe gilt für das am 19. März gesprengte Bonn-Zentrum am Bundeskanzlerplatz. So gesehen also kein Wunder, dass die Akteure von Pink Punk Pantheon, die mit ihren Rollkoffern den restlos ausverkauften Saal der ehemaligen Halle Beuel durchqueren, ein wenig orientierungslos herumirren. Zumal die Ansagen vom Band nur noch weiter in die Irre führen. Aber keine Sorge: Schließlich und endlich werden auch sie ankommen, wo sie hinwollen. Was sich gleichermaßen von dieser Ausgabe der Karnevalsrevue Pink Punk sagen lässt – in (relativ) neuen Mauern und unter neuer Regie von Thomas Ulrich.

Was ebenfalls zu sagen wäre: Den Bienenvölkern hierzulande ging es schon mal besser. Weshalb die Band um Kapellmeister Sangit W. Plyn in ihrer Maisonette-Etage solidarisches Schwarz-Gelb trägt. Letzteres war politisch 2017 doch keine Option. Ob es mit der SPD besser laufen wird? Willy Brandt alias Hagen Range hat da so seine Zweifel. Die kehlige Stimme sitzt, und der Heiligenschein aus rotem Plüsch wackelt authentisch- bedenklich, wenn der Ehrenvorsitzende sich in Rage redet. Wozu er mit Blick auf Martin Schulz nicht lange braucht und kurzerhand einen Schlager umtextet: „Wärst Du doch in Brüsseldorf geblieben.“ Sind Politiker-Parodien an sich ja eher recht dünnes Eis, hat Range sich dort beeindruckend souverän gehalten. Das gibt eine klare 6,0 in der A- und der B-Note.

Wechseln wir flugs die Disziplin und schauen uns Maryam Yazdtschi und Tunc Denizer an, die als überzeugte Späterziehende vom Musical über Oper bis Rammstein so ziemlich alles singen können, um ihren kleinen Liebling Torben Justus in den Schlaf zu wiegen. Kreative Akzente setzt aber auch Sia Korthaus als Friseuse Biggi in ihrem Salon „Dictators Cut“. Von Donald Trump über Recep Tayyip Erdogan bis Kim Jong-un – sie hatte sie alle.

Gabi Busch als engagierte Klima-Anlage-Beraterin

Beate Bohr hingegen erleidet nach drei Jahren freiwilliger Karnevalsabstinenz in Bielefeld einen herben Rückfall und schwärmt in idealen Worten der 1980er von den „Blauen Funken“, bevor sie schließlich in und auf Denizers starken Armen landet. Als Bienenkönigin hingegen muss sie sich gegen ihre Jungs klar durchsetzen.

Wie man mit und in Zukunft gutes Geld verdient, erklärt derweil Gabi Busch als engagierte Klima-Anlage-Beraterin. Sie träumen von einem Wochenendhaus an der Bornheimer Seenplatte? Alles kommt zu dem, der warten kann. Sie planen mit der ganzen Familie Badeferien in Kaldenkirchen? Aber das liegt doch nicht am Meer. Hierzu lächelt Frau Busch nur: „Noch nicht ... “

Als Südstadt-Rentnerin Erika, die jetzt „in Flüchtlingen“ macht, gibt sie der satt-satirischen Nummer „Despacito“ den richtigen Biss. Und ebenso herzhaft boshaft geht es auch nach der Pause in der „Sendung nach der Rente“ weiter, wo Massimo Tuveri als unermüdlicher Fünffachjobber nicht wirklich auf den oft zitierten grünen Zweig kommt. Direkt im Anschluss steigen „Die Braunen Funken“ in die Bütt, und „Die Weidelsisters“ machen der berühmten US-amerikanischen Girlgroup der 1940er Konkurrenz. Ob sie jedoch jemals in der Humperdinckhalle auftreten werden, die eines Tages anstelle des Pantheon-Theaters an der Siegburger Straße stehen könnte?

Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) – der Alterspräsident und der Vorsitzende des „1. FKKVB Heimatverein Rhenania n.V. 1983“ – wollen davon nichts wissen. Gemäß der Devise „Humor muss verwaltet werden“ gilt es, strikt der Tagesordnung zu folgen. Das nur an alle, die es vergessen hatten: Handelt es sich bei Pink Punk Pantheon doch um eine Jahreshauptversammlung. Kurzum: Es steckt viel Potenzial in dieser Session. Alles, was es jetzt noch braucht, ist ein wenig Zeit, um – wie ein anständiger Kartoffelsalat – „gut durchzusuppen“. Dann allerdings steht dem vollständigen Genuss nichts mehr im Wege.

Weitere Vorstellungen bis 13. Februar 2018. Karten bei bonnticket sowie Restkarten an der Abendkasse.