Unter der Farbdusche

Karim Noureldins Wandmalerei in Endenich und eine Ausstellung der kunstgaleriebonn

Ton in Ton mit der Kunst: Galeristin Gisela Clement vor Karim Noureldins Malerei.

BONN. Die Nachbarn hätten mit dem Anwalt gedroht, sollte das Farbkonzept des Künstlers Karim Noureldin auch in ihrem Treppenhaus an die Wand kommen, erzählt Gisela Clement. Aber in der Nummer eins seien alle Bewohner des Mehrparteienhauses begeistert gewesen, als die Pläne zur Ausmalung herumgereicht wurden.

Der 1967 in Zürich geborene Zeichner hat für das Treppenhaus ein System von diagonalen, sehr bunten Farbbahnen entwickelt, die sich buchstäblich von Etage zu Etage schrauben, dabei raffinierte Farbwechsel vollführen. Türblätter und Geländer blieben im Original-Braun, auch der hellgraue Granitboden stahlt gediegene Langeweile aus. Umso heftiger wirkt die Farbattacke des Schweizers, der sein Bonner Projekt "Tupelo" genannt hat.

 Wer vom Eingang bis zum Dachgeschoss emporsteigt, durchlebt ein Wechselbad der Gefühle und Temperamente: Mal sorgt kräftiges Rot für Überhitzung und Ende, mal schafft leichtes Rosa geradezu eine Entmaterialisierung der Wand. Kompliment an die Menschen, die tagtäglich diese vitalisierende Farbdusche über sich ergehen lassen.

Die Bewohner des Wohnquartiers an der Lutfridstraße in Endenich sind Kunst gewohnt. Im vergangenen Jahr hatte Martin Pfeilfe dort sein Modulsystem "Rado" auf der Rasenfläche zur Benutzung freigegeben: 64 schwarz-weiß geschichtete Kuben aus Neopolenschaum luden ein, wie Legosteine aufeinandergestapelt, als Liegemöbel oder Sitzgelegenheit genutzt zu werden.

Das Areal zwischen den grauen Häuserblöcken verwandelte sich so buchstäblich in eine Spielwiese, einen Ort der Kommunikation. Für die Dauer eines Sommers boten Pfeifles Quader Anregungen ohne Ende.

Auch in diesem Sommer standen die "Rado"-Würfel wieder bereit. Inzwischen sind sie etwas ramponiert - fraglich, ob sie noch eine Saison durchhalten. Noureldin und und Pfeifle bekamen im Rahmen des Projekts "kunst und wohnen" ihren Ruf an die Lutfridstraße.

"Tupelo" ist bereits die siebte Runde dieser von der Bonner Galeristin Gisela Clement (kunstgaleriebonn) für die MIWO Gesellschaft für Mietwohnungsbau und -verwaltung Köln/Bonn organisierten Reihe von Kunst-Interventionen. Gisela Clement, deren Ziel es ist, Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen, ist Mitglied der Geschäftsführung der MIWO.

"kunst und wohnen" hat schon hochkarätige Gäste gehabt, darunter die Maler und Zeichner Detlef Beer (2007), Friedhelm Falke (2008), Martin Noël (2008/09), Claudia Desgranges (2010) und Tim Trantenroth (2011). Einen Einblick in die Arbeit des aktuellen "kunst und wohnen"-Künstlers Karim Noureldin und sein Projekt in der Lutfridstraße 1 bietet die Ausstellung "Oleput (the making of" in der kunstgaleriebonn.

Karim Noureldins Ausstellung in Bonn
Begleitend zu seinem "kunst-und-wohnen"-Projekt "Tupelo" (Lutfriedstraße 1) zeigt Karim Noureldin in der kunstgaleriebonn, Lothar-straße 106, vom 25. bis 31. Oktober vorbereitende Zeichnungen, Farbstudien und Modelle sowie andere Projekte. Die Ausstellung wird morgen, 19 Uhr, eröffnet.

Philipp Lines Lange vom Leopold-Hoesch-Museum Düren führt in das Werk ein. Die Ausstellung ist Di-Fr 14-18 Uhr, Do 14- 22 Uhr und Sa 11-15 Uhr geöffnet.

Am 25. und 31. Oktober kann, jeweils um 18 Uhr, Noureldins Wandmalerei vor Ort in der Lutfridstraße 1 besichtigt werden.