Euro Theater Central

Kölner Schauspielschüler mit Friedrich Schillers "Kabale und Liebe"

Szene aus "Kabale und Liebe" in der Bonner Inszenierung der Kölner Arturo-Schauspielschule.

BONN. So voll war die Bühne des Euro-Theaters wahrscheinlich noch nie: Sieben Jungschauspieler haben sich bei der Premiere von Schillers "Kabale und Liebe" auf engstem Raum zusammengetan, um Leidenschaften unter Ränkespielen zu begraben.

Ein Experiment für alle Beteiligten, denn die klassische Inszenierung von Heike Bänsch dient als Abschlussstück von Schülern der Arturo-Schauspielschule Köln und bringt die Räumlichkeiten des kleinen Bonner Theaters an seine Grenzen. Letzteres ist in dem Haus am Mauspfad allerdings nicht unüblich (man denke nur an die Tanz-Performance "Konsequenzen" Anfang des Jahres) - und sorgt immer wieder für Überraschungen. So auch bei dem Schiller-Drama: Geschickt nutzt das Ensemble den Raum aus, in dem sich die zum Scheitern verurteilte Beziehung zwischen einem Adligen und einer Bürgerlichen bis zu ihrem tragischen Ende entwickelt.

Das Ensemble präsentiert sich in exzellenter Form, allen voran Marvin Thiede, der als Miller, seines Zeichens Stadtmusikant und liebender Vater seiner Tochter Luise (Negar Nasseri), alle Register zückt und genüsslich tobt, buckelt, schimpft und lobt, das gesamte Potenzial seiner Rolle auslotend.

Ihm gegenüber steht, der Frauenquote sei Dank, Svenja Hermuth als machtliebende Präsidentin, die ihren Sohn Ferdinand (In der Aussprache schwächelnd, ansonsten aber mit starken Momenten: Jochen Horch) zur Stärkung ihrer Position bei Hofe mit Lady Milford, der Mätresse des Fürsten (bezaubernd und vielschichtig: Jana Piechota), verheiraten will.

Zusammen mit ihrem Sekretär Wurm (Malte Müller, der ruhig noch etwas verschlagener und schleimiger sein könnte) und dem eher zufällig ins Geschehen geratenen Hofmarschall (dank Barbara Keusch herrlich komisch) spinnt sie eine Intrige, um Luise und Ferdinand auseinanderzubringen, Misstrauen und Eifersucht in das Herz ihres Sohnes säend.

Regisseurin Bänsch hat den Stoff erfreulicherweise entschlackt und so auf knapp zwei Stunden gekürzt, dafür aber in den zentralen Szenen ihren Schauspielern einige Entfaltungsmöglichkeiten gegeben. So knistert etwa der Besuch von Ferdinand bei der ihn begehrenden Lady Milford zum Teil mit einer Spannung, die irgendwie an "Les Liaisons Dangereuses" erinnert, und auch das Verhältnis von Präsidentin zu Wurm hat eine gewisse verführerische Komponente, nur mit Macht statt Liebe als magnetischer Kraft. Ein Spiel, dem sich das Ensemble leidenschaftlich ergibt und für das es zu Recht kräftigen Applaus erhält. Das Schillerdrama ist 2014 übrigens Abiturthema in Nordrhein-Westfalen.

Weitere Vorstellungen: 26. und 27. November. Karten telefonisch über: (0228) 65 29 51.