Junges Theater Bonn stellt neuen Besucherrekord auf

103 203 Zuschauer in 305 Vorstellungen - Nächste Saison bietet "Oliver Twist" und "Törless"

Bonn. Auch 2008 konnte das Junge Theater Bonn (JTB) wieder seine eigenen Rekorde brechen. 103 203 Zuschauer besuchten die insgesamt 305 Vorstellungen (inklusive der auswärtigen Gastspiele).

Die 252 Vorstellungen im eigenen Haus an der Beueler Hermannstraße erreichten 1 776 Zuschauer mehr als 2007, was einer durchschnittlichen Auslastung von 84,3 Prozent entspricht. Das erwachsene Profi-Ensemble wurde vergrößert und neben dem Theater ein schmuckes eigenes Vorverkaufsbüro eingerichtet.

Intendant Moritz Seibert kann seine organisatorischen Aufgaben sogar ein wenig reduzieren und nach fünf Jahren wieder selbst Regie führen. Als Seibert vor einigen Monaten gebeten wurde, Kindern aus seinem Lieblingsbuch vorzulesen, habe er sich für Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" entschieden, berichtet er beim Pressegespräch.

"Es ist eine wunderbare Geschichte, wie da zwei Kinder unbeirrbar an ihrer Freundschaft festhalten und damit schließlich Frieden stiften zwischen ihren verfeindeten Familien." Deshalb hat er kurzfristig das Stück, das 2003 zum letzten Mal am JTB produziert wurde, auf den Spielplan gesetzt.

Inzwischen ist die Zielgruppe der Zuschauer ab sechs Jahren nachgewachsen. In Seiberts neuer Inszenierung werden die Hauptrollen zum ersten Mal von Kindern gespielt. Premiere ist am 10. Mai; Previews gibt es bereits am 9. Mai bei der Bonner Theaternacht.

In die neue Saison startet das JTB am 11. September im T-Mobile-Forum mit einem Klassiker. Den Roman "Oliver Twist" des berühmten englischen Schriftstellers Charles Dickens bearbeiten Seibert und Timo Rüggeberg für die Bühne.

Geplant ist ein großes Musical, für das der Däne Kristian Vetter, selbst ein gefragter Musicaldarsteller, die Musik komponiert. Dickens gilt als Begründer des sozialen Romans und als scharfer, aber auch sehr humorvoller Beobachter gesellschaftlicher Missstände.

Der junge Oliver Twist kämpft gegen seine widrigen Verhältnisse und wehrt sich gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. In Zeiten von wachsender Kinderarmut und Gewalt gegen Kinder ein erschreckend aktuelles Thema. Regisseur Andreas Lachnit wird die 1837 erschienene Geschichte deshalb auch sehr heutig erzählen.

Gleich eine Woche später, am 19. September, kommt für Jugendliche ab 14 Jahren "Törless" nach dem Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törless" von Robert Musil heraus. Das 1906 erschienene Werk ist in Nordrhein-Westfalen Abiturstoff.

Inszeniert wird die psychologisch subtile Pubertätsstudie von Volker Maria Engel. Die Bühnenfassung konzentriert sich auf die vier Internatsschüler, die sich in ein gefährliches Spiel aus Erpressung, Demütigung und Gewalt verstricken.

Gespielt werden sie von Mitgliedern des Nachwuchs-Ensembles, die in etwa das Alter ihrer Figuren haben und schon in verschiedenen Produktionen des Jungen Theaters mitwirkten.

Zu Weihnachten steht die seit über fünfzig Jahren bei Kindern höchst beliebte "Kleine Hexe" von Otfried Preußler auf dem Programm.

Die witzige, spannende Geschichte für Zuschauer ab fünf inszeniert Hausregisseur Andreas Lachnit. Premiere ist am 1. November. Nach der erfolgreichen "Unendlichen Geschichte", die weiter auf dem Spielplan bleibt, kommt 2010 auch Michael Endes gleichermaßen bekannter Roman "Momo" auf die Bühne.

Möglicherweise wird es im Frühjahr 2010 noch ein weiteres neues Stück für Jugendliche geben. Die Verhandlungen über die Rechte an einer deutschsprachigen Erstaufführung laufen allerdings noch. Ganz sicher wiederaufgenommen werden in der nächsten Spielzeit "Der kleine Prinz", "Tintentod - Das Musical" und natürlich "Ronja Räubertochter".