Junges Theater Bonn feiert 40. Geburtstag

Zum Ehrentag präsentieren Darsteller des von Horst Köhler ausgezeichneten Ideenstandorts das Musical "Verwirrungen des Zöglings Törleß"

Bonn. Am 16. September 1969 feierte das "Theater der Jugend" in der Aula des Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums seine erste Premiere.

Mit einem politisch brandaktuellen Stück: "Die phantastische Reise des Kim van Dong" von Joachim Jomeier. "Vietnam-Diskurs nun auch für Kinder aufbereitet", schrieb damals der General-Anzeiger.

Es war die Zeit, als sich das Kindertheater vom braven Weihnachtsmärchen verabschiedete und anfing, Kinder als kritische Zuschauer ernst zu nehmen. 1966 war in Berlin aus einer Gruppe von Kabarettisten um Volker Ludwig das "Kindertheater im Reichskabarett" entstanden, das sich ab 1972 "Grips-Theater" nannte und mit frechen, aufmüpfigen Stücken für Furore sorgte.

Unkonventionelles, sozialkritisches Theater für aufgeweckte junge Menschen wollte der Schauspieler und Regisseur Helmut Tromm (1922-2007) auch in Bonn machen, als er zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Heidi Scholz-Tromm (1941-2005) das "Theater der Jugend" (TdJ) gründete.

Schon bei der ersten Produktion probierte man das aus, was als "Bonner Modell" bekannt wurde und bei einigen Theaterkollegen lange umstritten blieb: An der Seite von erwachsenen Profidarstellern wurden die Figuren der Kinder und Jugendlichen von Gleichaltrigen gespielt, die die Tromms an Schulen rekrutierten.

Die erste Vorstellung blieb halbleer, doch das neue Theaterkonzept sprach sich in Windeseile herum. Das TdJ wurde von der Stadt für den neu gegründeten "Bonner Sommer" engagiert und spielte 1971 "Stokkerlok und Millipilli" von Rainer Hachfeld und Volker Ludwig auf dem Marktplatz vor dem Rathaus.

Als feste Bleibe stellte Hugo Borger, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, dessen Vortragssaal kostenlos zur Verfügung. Die gelungene Mischung aus keckem Grips (fast alle Berliner Grips-Stücke wurden auch in Bonn inszeniert), Märchen und jung interpretierten Klassikern war so erfolgreich, dass die vielen Vorstellungstermine neben dem Museumsbetrieb bald nicht mehr zu verkraften waren.

Mit Hilfe des damaligen Kulturdezernenten Fritz Brüse fand das TdJ seine bis heute bestehende Bleibe an der Beueler Hermannstraße. Die Stadt mietete das ehemalige "Rheingold-Kino" und baute es zu einer Spielstätte mit Guckkastenbühne und rund 400 Zuschauerplätzen um.

Im Herbst 1979 wurde das neue Domizil mit Stevensons "Schatzinsel" eröffnet. Die Sparkasse Bonn stiftete einen LKW, mit dem das TdJ auf Gastspielreisen durch ganz Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus fahren konnte.

Die auswärtigen Gastspiele sind bis heute ein ökonomisches Standbein, denn mit den kommunalen Zuschüssen und der geringen finanziellen Unterstützung vom Land NRW sind die vielen regelmäßig ausverkauften Vorstellungen im Bonner Stammhaus (2008 waren es 252) nicht zu stemmen.

Zu seinem 25. Geburtstag 1994 taufte sich das TdJ um und heißt seitdem "Junges Theater Bonn" (JTB). Vom NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau erhielt Helmut Tromm den Landesverdienstorden. 2003, kurz nachdem das Ehepaar Tromm die Theaterleitung aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hatte, geriet das Theater in eine ökonomische Schieflage und musste Insolvenz anmelden.

Moritz Seibert, Jahrgang 1967, übernahm die Intendanz. Ihm gelang es schnell, das JTB in die Spitzenliga aller deutschen Kinder- und Jugendtheater zu führen. 2007 wurde es im bundesweiten Wettbewerb "Deutschland - Land der Ideen" von Bundespräsident Horst Köhler als einer der 365 kreativsten Ideenstandorte des Jahres ausgezeichnet. Seinen 40. Geburtstag feiert das JTB am Samstag mit der Premiere von Robert Musils "Verwirrungen des Zöglings Törleß".