Pantheon-Casino

Jazzmusiker Thomas Klimmerle liefert Schläge und Streicheleinheiten

Jazz im Casino mit (von links) Martin Sasse, Peter Protschka, Martin Gjakonovski, Rick Margitza und Tobias Backhaus.

29.10.2013 Bonn. Von einem Geheimtipp kann man bei der neuen Jazz-Reihe im Pantheon-Casino nicht mehr sprechen: Wie selbstverständlich füllte sich am zweiten Abend der von dem Jazzmusiker Thomas Klimmerle initiierten Reihe der Casino-Club, eine perfekte Location für derlei Konzerte.

War man vor einem Monat noch auf Nummer sicher gegangen und hatte das gesamte und lokal bestens eingeführte Bonn Jazz Orchester auf die kleine Bühne geholt, ging man jetzt am Montag neue Wege: Mit dem Quintett des Kölner Trompeters Peter Protschka und dem Saxofonisten Rick Margitza aus Detroit.

Man habe sich jeweils eigene Kompositionen über den großen Teich zugeschickt und dabei entdeckt, "dass unsere Songbooks toll zusammenpassen", schwärmte Protschka. Und genauso klang dieser herausragende Abend, bei dem anwechselnd Kompositionen von Protschka und Margitza fein chorisch intoniert und dann mit ausladenden Soli beackert wurden. Den treibenden, atemlosen und dabei sehr coolen Hard Bob lieben sie beide, der durch die Miles-Davis-Schule gegangene Detroiter wie der an Art Blakey und Joe Henderson geschulte Kölner. Wobei Margitza bei aller Schnelligkeit den tenoralen Schönklang nicht vergisst, während Protschka gerne ruppiger, aggressiver, herrlich ungeschliffen daherkommt.

Es war ein Abend hochkarätiger, berückender und vom Publikum dankbar beklatschter Soli. Margitza lag selten unter fünf Minuten, wobei jede Sekunde ein vielschichtiges, spannendes Erlebnis war. Protschka steuerte Farben, Dissonanzen bei, sein Flügelhorn ließ er wie bei Chet Baker schnurren, die Trompete wüst attackieren. Ein Meister der Vielfalt auch der wunderbare Martin Sasse am Piano: größte, schwelgerische Opulenz bei den weit ausgedehnten Läufen, scharfe rhythmische Akzente in den Akkorden. Sasse, den man im Dezember nochmals im Casino erleben darf, bildete mit dem ebenfalls hervorragenden Martin Gjakonovski am Bass und dem Schlagzeuger Tobias Backhaus das verlässliche Gerüst des Quintetts.

Der 29-jährige begnadete, viel beschäftigte Drummer und Benjamin in Protschkas Formation ist die Entdeckung des Abends. Ungeheuere Fantasie paart sich hier mit Perfektion und schier grenzenloser Energie. Ein Mann für harte Schläge und Streicheleinheiten: Beides gab es reichlich bei diesem heißen Jazz-Abend im Casino.

Information

Die Reihe wird am 18. November mit dem Pablo Held Trio im Pantheon-Casino, Bundeskanzlerplatz 2-10, fortgesetzt. Beginn 10 Uhr. Information: www.jazzinconcert.com (Thomas Kliemann)