Bonner Pianist Marcus Schinkel im Interview

Jazz trifft Rock und Klassik

BONN. Der Bonner Pianist Marcus Schinkel begibt sich mit seinem neuen Projekt "Bilder einer Ausstellung" auf die Spuren von Emerson, Lake & Palmer und Modest Mussorgski.

Der Bonner Jazzpianist Marcus Schinkel (48) tourt seit fünf Jahren mit dem Programm „Crossover Beethoven“ im Trio durch die Republik. In den Stücken verarbeitet er berühmte Kompositionen des Klassikers. Jetzt nimmt sich Schinkel den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski vor. Der russische Komponist hatte 1874 mit zehn vertonten Bildern einen Prototyp der Programmmusik geschaffen. Ähnliche Berühmtheit erlangte 1971 die Adaption „Pictures At An Exhibition“ der britischen Band Emerson, Lake & Palmer, auf die sich Schinkel bezieht. Am 26. April führt er die Neuinterpretation mit dem Trio in der Harmonie auf. Mit Marcus Schinkel sprach Heinz Dietl.

GA: Sie kommen gerade von einer Tour aus Norddeutschland zurück. Wie ist Ihr Beethoven-Programm aufgenommen worden?

Marcus Schinkel: Sehr gut, das Publikum war begeistert. In Hamburg haben wir ein Familienkonzert gegeben. Ein Kind kam auf die Bühne und spielte „Für Elise“. Und ein Zwölfjähriger hat eine eigene Komposition vorgetragen – kleine Improvisationen im Stil von Beethoven. Ich habe mich dabei selber ein bisschen wiedererkannt.

GA: Wie kommen Sie nun auf „Bilder einer Ausstellung“?

Schinkel: Beim Beethoven-Programm bringe ich Klassik und Jazz zusammen, jetzt sind es Klassik, Jazz und Rock. Und da einige Freunde meinen, mein Synthesizerspiel würde sie an Keith Emerson erinnern, will ich diesen Ansatz gern aufgreifen.

GA: Keith Emerson ist im März 2016 gestorben, Bassist Greg Lake im Dezember. Fehlt da was?

Schinkel: Emerson, aber auch andere große Keyboarder wie Joe Zawinul und George Duke haben eine Lücke hinterlassen. Mir ist aufgefallen, dass die Konkurrenz bei den Jazzpianos groß ist, doch bei den Keyboards tut sich wenig, was die kreative Weiterentwicklung angeht. Viele Pianisten sind vielleicht schneller als ich, aber oft fehlt ihnen die eigene Note – und das Showelement.

GA: Wie sieht das Showelement bei Ihnen aus?

Schinkel: Ich habe mir eine Laser-Harfe zugelegt. Statt Saiten hat sie Laserstrahlen, die Töne auslösen, wen man sie berührt. Normale Jazzpianisten tun so was eher nicht, weil sie befürchten, als kommerziell zu gelten. Ich habe damit kein Problem.

GA: Was reizt Sie nun an „Bilder einer Ausstellung“?

Schinkel: Ich habe das Original gespielt, es ist echt nicht einfach. Und die Version von Emerson, Lake & Palmer war eine meiner ersten Platten überhaupt.

GA: Wie kommt es, dass dieses Album 1971 so eingeschlagen hat?

Schinkel: Ich bin Jahrgang 1968, aber ich habe damals den Nachhall mitbekommen. Es waren Klänge, die man zuvor nie gehört hatte. Emerson war ein Pionier am Synthesizer.

GA: Was haben die Besucher in der Harmonie zu erwarten?

Schinkel: Ein Drittel Mussorgski, ein Drittel Emerson, Lake & Palmer, ein Drittel Marcus Schinkel Trio. Wir spielen auch andere Stücke von Emerson, Lake & Palmer. Etwa „Take A Pebble“ und den Hit „Lucky Man“. Und wir haben mit Johannes Kuchta einen fantastischen Sänger dabei.

Info: Marcus Schinkel Trio, „Bilder aus der Ausstellung“, Bonn, Harmonie, 26. April, 20 Uhr; www.bonnticket.de