Im Arkadenhof der Uni

Internationale Stummfilmtage in Bonn starten im August

Blick in den Arkadenhof der Universität Bonn: Vom 15. bis 25. August sind dort wieder Stummfilme zu sehen.

Blick in den Arkadenhof der Universität Bonn: Vom 15. bis 25. August sind dort wieder Stummfilme zu sehen.

Bonn. Die 35. Internationalen Stummfilmtage im Arkadenhof der Universität richten den Fokus auf Filme von und über Frauen. Start ist am 15. August. Eine Übersicht über die diesjährigen Highlights.

Arden Stuart ist eine mondäne junge Frau und lebt – was die Männer betrifft – à la carte. Sie hat eben ganz eigene Ideen zu Liebe und Moral, ihren „Single Standard“. Doch als sie eine Affäre mit dem Chauffeur ihrer Familie beginnt, wird sie in einen Skandal verwickelt, dessen Konsequenzen sie letztlich für immer verändern werden. Eine interessante Rolle, keine Frage. Aber dass ausgerechnet die auf geheimnisvoll tragische Frauenfiguren in historischen Stoffen abonnierte Garbo sie spielen würde, war die eigentliche Sensation des US-amerikanischen Stummfilms „Unsichtbare Fesseln“ (The Single Standard) unter der Regie von John S. Robertson, der 1929 in die Kinos kam. Und der am Donnerstag, 15. August, die 35. Internationalen Stummfilmtage – Bonner Sommerkino des Fördervereins Filmkultur im Arkadenhof der Universität eröffnen wird.

Einige der Filme, die bis zum 25. August zu sehen sind,  hat Stefan Drößler, Gründungsmitglied des Festivals und langjähriger Leiter des Münchner Filmmuseums, jetzt vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei Alice Guy, eine Pionierin des Films und die erste Filmregisseurin der Welt, die von 1897 bis 1906 die Produktion bei Gaumont leitete, bevor sie 1910 in Hollywood mit der Solax eine eigene Produktionsfirma gründete. Ihre Filme „Madame hat Gelüste“ und „Die Konsequenzen des Feminismus“ im Vorprogramm von „Unsichtbare Fesseln“ spielen auf amüsante Art und Weise mit den tradierten Geschlechterrollen. Der Tag der Alice Guy ist aber vor allem Sonntag, 18. August, wenn die Filmemacherin Katja Ragenelli in der Brotfabrik ihre Hommage an die französische Kollegin präsentiert und direkt im Anschluss dort weitere Filme dieser außergewöhnlichen Frau gezeigt werden. Wegen Umbauarbeiten im LVR-Landesmuseum ist das Rahmenprogramm 2019 mit Vorträgen und Filmvorführungen ins Kulturzentrum Brotfabrik verlegt worden.

Die am 18. August abends zu erlebende „Weiße Hölle vom Piz Palü“ von Arnold Fanck und Georg Wilhelm Pabst aus dem Jahr 1929 war seinerzeit nicht nur einer der erfolgreichsten Bergfilme, sondern gilt heute auch als deutscher Stummfilmklassiker. Tatsächlich übt die Bergwelt über 133 Minuten eine ganz eigene Faszination aus. Und Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl hatte, von Fancks „Berg des Schicksals“ inspiriert, anno 1924 beschlossen, Schauspielerin zu werden. Ein weiterer Themenschwerpunkt des Summfilmsommers 2019 sind die Anfänge von Technicolor, die am 25. August näher beleuchtet werden. Den gezielten Einsatz von Farbelementen zeigt zum Beispiel „Der rote Kimono“ von und mit Dorothy Davenport alias Mrs. Wallace Reid (16. August, 22.30 Uhr, Arkadenhof). Das titelgebende Kleidungsstück symbolisiert den sozialen Abstieg einer Frau, die in der Prostitution zu enden droht, bevor die Dinge eine unvorhergesehene Wendung nehmen. Für die Regisseurin hatte das Ganze ein unerfreuliches Nachspiel. Das reale Vorbild ihrer Filmfigur verklagte sie, weil sie ihre Geschichte ohne Erlaubnis auf der Leinwand wiedergefunden hatte.

Ähnlich erging es auch dem Film „Anders als die andern“, der 1919, während der – dem allgemeinen politischen Chaos zu verdankenden – vorübergehenden Zensurfreiheit gedreht wurde und Conradt Veidt als erfolgreichen Violinisten zeigt, der wegen seiner Homosexualität erpresst wird. Die empörte Debatte, die dem Film folgte, führte zur Wiedereinführung der Zensur.

Das Programm ab Ende Juni im Internet unter internationale-Stummfilmtage.de zu finden.