Beethovenfest

Intendantin Nike Wagner stellte das Programm vor

BONN. Sie werde ihr Amt mit großem Vergnügen und Engagement antreten, versicherte die neue Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner am Freitag bei ihrer ersten Programm-Pressekonferenz, die sie unter großem Publikumsandrang im Forum der Bundeskunsthalle gab.

Flankiert wurde die Intendantin am Podium von Hausherr Rein Wolfs und Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Bei ihrem Debüt betonte Nike Wagner, dass der überwiegende Teil der Veranstaltungen des diesjährigen Festivals noch von ihrer Vorgängerin Ilona Schmiel vorbereitet worden sei.

Dennoch blitzte die Begeisterung für das Gesamtpaket vor allem am Ende der Programmvorstellung fühlbar auf, als sie ein paar Höhepunkte aus den 60 Veranstaltungen hinwies, die sie, wie sie sagte, "zur schieren Begeisterung" hinrissen. Als erstes nannte Nike Wagner den Beethoven-Sinfonien-Zyklus mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Leitung von Andris Nelsons: "Ich habe ihn auch in Bayreuth gehört. Er ist fantastisch. Es ist sensationell, dass wir ihn bekommen haben."

Tipp Nummer zwei: Das zweitägige Gastspiel des Rotterdams Philharmonisch Orkest, das unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin Werke von Beethoven, Strauss und Mahler spielt. "Ein Kanadier, der auch bei meinem Kunstfest Weimar große Erfolge feierte. Wann immer Sie dessen unaussprechlichen Namen gedruckt sehen, rate ich Ihnen: Gehen Sie hin!" Zum Motto des diesjährigen Beethovenfestes "Götterfunken" sagte die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner und Urur-Enkelin von dessen Schwiegervater Franz Liszt: "Eine Empfindung wird hier gleichsam in eine glitzernde Metapher verwandelt." Und sie erwähnte die "Duftmarken", die sie selbst im aktuellen Programm setzen werde. Das ist die Neueinrichtung einer Eröffnungsmatinee in der Uni-Aula, in der sich Wagner als Kulturwissenschaftlerin mit Festivals im Allgemeinen und dem Programm des Beethovenfestes im Besonderen auseinandersetzen will. Umrahmt wird ihre Rede von Werken der zeitgenössischen Komponisten Reiner Bredemeyer und Dieter Schnebel. Interpreten sind Musiker des Beethoven Orchesters unter Stefan Blunier. Am Ende des Festivals wird es noch eine mit Bonns Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp verabredete Kooperation auf dem Gelände der Halle Beuel geben. Es handelt sich um einen "theatralen Kongress", der ein sinnlich erfahrbares Ereignis aus Kunst, Musik und Wissenschaft werden soll.

Und noch eine Kooperation mit dem Theater gibt es: Am 28. September bringt man den "Fidelio" auf die Bühne. Seit Günter Krämers missglücktem Versuch von 2005 war Beethovens einzige Oper hier nicht mehr aufgeführt worden. Regisseur Jakob Peters-Messer soll's nun richten.

Diesen Programmpunkt wie auch die meisten übrigen kündigte gleichsam in Vertretung für Ilona Schmiel der künstlerische Betriebsleiter des Festivals, Tilman Schlömp, an. Das Paket kann sich hören lassen. So stellt das Mahler Chamber Orchestra gemeinsam mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes die fünf Klavierkonzerte Beethovens vor und kombiniert sie mit Musik von Igor Strawinski.

Es gibt noch weitere Beethoven-Zyklen: Der Geiger Leonidas Kavakos spielt gemeinsam mit Enrico Pace alle zehn Violinsonaten des Komponisten, und das Borodin Quartet vollendet seinen 2012 begonnenen Beethoven-Streichquartett-Zyklus. Jana Kuss, Geigerin und Gründerin des Kuss-Quartetts organisiert einen eigenen Quartett-Schwerpunkt, zu dem sie die noch jungen Kollegen vom Bennewitz Quartet, dem Heath Quartet und dem Quatuor Zaïde nach Bonn einlädt. Gemeinsam will man in unterschiedlichen Besetzungen sechs Programme aufführen. Im Forum gab Jana Kuss am Freitag eine Kostprobe ihres Könnens: Sie spielte ganz hinreißend Maurice Ravels "Kaddish", wobei sie von Burkhard Kehring begleitet wurde. Auch er stellte einen Programmschwerpunkt vor: In seinem dreiteiligen "Divan song project" will der Deutsch-Inder die eigenen kulturellen Wurzeln erforschen. Unterstützung findet er in Christiane Karg, Robert Holl und weiteren Sängern.

Das Eröffnungskonzert übernimmt am 6. September das London Symphony Orchestra unter Sir John Eliot Gardiner. Prominente Gäste sind auch Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker sowie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die mit Paavo Järvi das Abschlusskonzert am 3. Oktober gestaltet. Arcadi Volodos ist Solist in Beethovens im Klavierkonzert Nr. 3.

Insgesamt gehen nach Angaben von Helmut Pojunke, dem Kaufmännischen Direktor des Beethovenfestes, 40 000 Karten in den Verkauf. Der Erlös bildet ein Drittel des 4,7 Millionen Euro hohen Budgets. Die übrigen zwei Drittel teilen sich Sponsoren und die Stadt Bonn.

Info: Karten sind in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen ab dem 3. Mai erhältlich. Onlinebestellungen auf www.beethovenfest.de bereits ab dem 12. April. Von jeder Karte wird ein Euro an die Beethoventaler-Genossenschaft für das Festspielhaus abgeführt.