In sicherem Fahrwasser

Die letzte Hürde zur Rettung und Neuorganisation des in Bonn ansässigen Deutschen Musikrates ist genommen

Bonn. (nfz) Mit der Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Insolvenzplan des Insolvenzverwalters Ludger Westrick kann der Deutsche Musikrat (DMR) seine Arbeit, allerdings mit stark veränderten Organisationsstrukturen, wieder aufnehmen. Die Zahlungsfähigkeit sei wiederhergestellt, so Westrick in einer Stellungnahme, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz verlesen wurde. Westrick konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Auch der neugewählte Präsident Martin Maria Krüger freute sich, dass das "leck geschlagene Schiff" Deutscher Musikrat nun wieder in "sicherem Fahrwasser" fahre. Allerdings bleibt der Insolvenzverwalter noch voraussichtlich bis Ende Juni "Herr im Haus". Danach soll der DMR "wie ein Unternehmen" arbeiten, so Westrick. Künftig geraten also die Projekte des DMR stärker unter Rentabilitätsdruck, erhalten aber auch größeren finanziellen Spielraum.

Mit den Zuwendungsgebern unter Federführung der Bundeskulturministerin Christina Weiss wurde eine sogenannte "Festbetragsfinanzierung" verhandelt, die es ermöglicht, Reserven aus eingeworbenen Drittmitteln zu bilden. Die Abhängigkeit von der öffentlichen Hand bleibt allerdings bestehen; sie steuert rund 80 Prozent des Etats des DMR bei, in diesem Jahr 6,2 Mio Euro.

An der Spitze des DMR steht künftig ein geschäftsführendes Präsidium, dem als Präsident Martin Maria Krüger, Leiter des Richard-Strauss-Konservatoriums, vorsteht. Dem Gremium steht ein erweitertes Präsidium mit 14 Mitgliedern zur Seite. Gewichtigste Strukturveränderung bildet die Etablierung einer "Deutscher Musikrat Projekt-GmbH", die die kostenträchtigen Förderungsprojekte und Wettbewerbsprogramme wie "Jugend musiziert" oder das "Bundesjazzorchester" betreuen wird.

Alleiniger Gesellschafter der GmbH ist der DMR. Neben dieser GmbH entsteht ein "Verein Deutscher Musikrat e.V", der sich vor allem musikpolitischen Fragen widmen soll. Dessen Geschäftsstelle, geleitet von einem Hauptgeschäftsführer, wird in Berlin angesiedelt, die GmbH verbleibt ebenso in Bonn wie auch der formale Sitz des DMR. Außerdem wird unter dem Dach des DMR ein "Musikexport-Büro" entstehen, das die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Auftritte deutscher Musiker im Ausland verbessern soll.

In Zukunft, so Jens Michow, einer der vier Vizepräsidenten, wird im DMR dem Bereich der Rock- und Popmusik der gleiche Stellenwert zugebilligt wie der Klassik, zeitgenössischer Musik und dem Jazz.