"In der Kunst mag ich nichts Nettes oder nett Gemeintes!"

<b>Annelie Pohlen</b>

<b>Annelie Pohlen</b>

Annelie Pohlen tritt nach 17 Jahren vom Amt der Direktorin des Bonner Kunstvereins zurück

Bonn. In die Feierlaune anlässlich des 40. Gründungstages des Bonner Kunstvereins an diesem Wochenende mischt sich Abschiedsstimmung. Annelie Pohlen hat am Freitag in der Mitgliederversammlung ihren Rücktritt zum 1. Februar kommenden Jahres angekündigt.

1980 war sie in den Vorstand des Vereins gewählt worden, seit 1986 ist sie die erste hauptamtliche Direktorin des Kunstvereins und maßgebliche Kuratorin des Ausstellungsprogramms.

Für ihren Rücktritt nannte Annelie Pohlen ausschließlich persönliche Gründe, die gleichwohl eng verknüpft sind mit der chronischen Unterfinanzierung des Kunstvereins: "Jahrelange Überbelastung durch organisatorischen Stress und die schwachen Finanzen haben ihren persönlichen Tribut gefordert", erklärte sie.

Mit der langjährigen Kunstkritikerin - die auch für den General-Anzeiger Rezensionen verfasste -, Kuratorin und Direktorin, ist der allmähliche Aufstieg des Bonner Kunstvereins eng verknüpft. Der Umzug des Vereins in die großzügigen Räume am Hochstadenring lag am Anfang ihres Direktorenamtes.

In den vergangenen 17 Jahren arbeitete Annelie Pohlen zielstrebig am Profil der Institution und führte sie ins Spitzenfeld bundesdeutscher Kunstvereine. Mochte das Ausstellungsprogramm bisweilen auch spröde und sperrig anmuten, so zeigte sich doch nach geraumer Zeit, dass hier in Bonn frühzeitig Künstler und Positionen präsentiert wurden, die später erst bei Biennalen, documentas oder sonstigen Großausstellungen einem breiteren Publikum bekannt wurden. "Einmal habe ich mich völlig vertan", räumt die Direktorin jedoch ein, "den Künstler will ich nicht nennen."

Doch sonst gab es Erfolge und Entdeckungen: Die 1992 präsentierte Schau von Alighiero Boetti, Mitbegründer der Arte Povera, etwa zählte zu den Höhepunkten. "Es war bis heute eine der schwierigsten und relevantesten Ausstellungen", erinnert sich Pohlen.

Themenausstellungen wie "Die Berechenbarkeit der Welt" oder "Über-Leben", monografische Präsentationen und Gruppenausstellungen von Kiki Smith, Annette Messager, Thomas Ruff, Charlotte Salomon, Lois Weinberger, Hannah Villiger oder Mark Dion gehören zum breiten Sepektrum des Kunstvereins, der sich immer als Netzwerk verstand, in dem gesellschaftlich relevante Themen, aktuelle ästhetische Diskussionen ihren Niederschlag fanden.

"Ausschließlich mediale Fragen interessieren mich nicht", befindet Annelie Pohlen, und sie lässt damit durchblicken, dass ihr Programm frei ist und die Auswahl subjektiv: "Ich werde so schlecht bezahlt, dass ich wenigstens machen will, was mir Spaß macht."

Der reine Spaß hat in der letzten Zeit wohl nachgelassen. Annelie Pohlen sehnt sich nach einer Kunstpause, jedenfalls, was das Kuratieren von Ausstellungen angeht. Dafür will sie in Zukunft mehr schreiben. Und sie wird die Bewerbungen ihrer potenziellen Nachfolger sichten. Die Stelle wird in Kürze ausgeschrieben. Hans Hansen, Erster Vorsitzender des Kunstvereins, rechnet damit, dass bis Ende Oktober die Entscheidung fällt.

Die noch amtierende Direktorin wünscht sich eine Persönlichkeit, die "mit ähnlicher Radikalität wie ich ihrer inneren Überzeugung folgt" und sich nicht von der oft geforderten spektakelhaften Event-Kunst irritieren lasse. "Nichts Nettes oder nett Gemeintes", lautet nach wie vor Annelie Pohlens Motto.

Weniger emotional ist das Anforderungsprofil, das Hansen demnächst auf die Homepage des Kunstvereins stellen will. Von kunsthistorischer Qualifikation und Organisationsgeschick wird da die Rede sein, ein ausgeprägtes Kommunikationstalent wird gesucht. Was der Kunstverein zu bieten hat? "Leider kein üppiges Budget, aber schöne Räume."

Auf 40 Jahre Kunstverein blickt ein Beitrag im Journal zurück. Weitere Informationen im Internet: www.bonner-kunstverein.de