Beethovenpreis geht an den Pianisten und Flüchtling Aiham Ahmed

In den Ruinen von Jarmuk

In den Trümmern des Palästinenserlagers Jarmuk in Damaskus spielte Aiham Ahmed Klavier, Bach, Beethoven, Mozart - und sehr, sehr viele selbst geschriebene Kinderlieder.

Er spielte und sang, als sei die Musik ein Mantra, um die Menschen zu bewegen, nicht wegzulaufen. Ende der fünfziger Jahre wurde das Lager Jarmuk aufgebaut, das jedoch eher ein echter Stadtteil mit Häusern und einer funktionierenden Infrastruktur gewesen ist.

Viele Palästinenser haben sich in diesem zwei Quadratkilometer großen Viertel eine Existenz aufbauen können. Doch dort, wo früher die Menschen ihren täglichen Geschäften nachgingen, wo so etwas wie Heimat war, herrschen heute nur noch Hunger, Leid und Tod.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach vor einigen Monaten bereits von einem "Todeslager", die verbliebenen rund 16.000 von einst 150.000 Flüchtlingen lebten "im schwärzesten Loch der Hölle". Die Menschen werden zerrieben zwischen Assads Truppen und dem IS.

Aiham Ahmed haben die IS-Dschihadisten, für die klassische Musik Sünde ist, das Klavier vor seinen Augen angezündet. Als er mit seinem Klavierspiel und seinen Liedern die Menschen nicht mehr zum Bleiben bewegen konnte, ist er gegangen. Dieselbe Route, die die meisten Flüchtlinge aus Syrien nehmen. Im September ist der 28-Jährige in Deutschland angekommen, lebt mittlerweile in einem Lager in Gießen.

Jetzt soll er, dessen Geschichte schon viele Menschen bewegte, in Bonn den Beethovenpreis erhalten. Eigentlich hätte der neu geschaffene Preis erst erst im nächsten Jahr erstmals verliehen werden sollen, doch die spezielle Situation ließ eine Verleihung noch in diesem Jahr sinnvoll erscheinen.

Der künstlerische Leiter der Wasmuth-Gesellschaft Torsten Schreiber, der den "Internatioanlen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion" initiiert hat und mittlerweile eine große Schar von Musikern und Kulturfreunden hinter sich weiß, hat bereits Kontakt zu Ahmed aufgenommen, wie er berichtet.

Am vergangenen Wochenende war er mit dem palästinensischen Pianisten unterwegs, besuchte ein Konzert in der Kölner Philharmonie mit dem syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh, den Ahmed gut kennt, kaufte Noten ein, verschaffte ihm die Möglichkeit, ein paar Stunden auf einem Steinway-Flügel zu üben, bevor er wieder nach Gießen zurückkehrte. Ahmeds Frau und seine beiden Söhne leben noch in Damaskus, immerhin in einem sichereren Teil der Stadt, als Jarmuk es ist. Sie will der Pianist so bald wie möglich nachholen.

Die Verleihung des Beethovenpreises soll demnächst in Bonn im Rahmen eines Benefizkonzertes des Vereins AsA (Ausbildung statt Abschiebung) zugunsten der in Bonn lebenden Flüchtlinge stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest. Kooperationspartner ist der Deutschlandfunk. Unter den Musikern und Persönlichkeiten, die den Preis unterstützen, finden sich der Solocellist des Beethoven Orchesters, Christian Brunnert, der Bratschist Nils Mönkemeyer, die Pianistinnen Elena Bashkirova und Luisa Imorde, sowie der Präsident der IHK Bonn-Rhein-Sieg, Wolfgang Grießl, und der Präsident des Festivals Junger Künstler Bayreuth, Andreas Loesch.