Bonner Liedermacherduo "Positano"

Immer auf Deutsch

Bonn. Am kommenden Donnerstag treten sie gemeinsam mit den Prix-Pantheon-Gewinnern Simon & Jan auf: die zwei Bonner Liedermacher "Positano". Das sind Daniel Schult (37), ein studierter Ethnologe, der im Integrationsbereich arbeitete, und John Carlo Brandi (38), ein Literaturwissenschaftler, der ebenso wie Schult bald in die Musik wechselte.

Sie lieben Hip-Hop, "Elektro-Gefrickel", aber auch Zigeunermusik und Tom Waits. Vor ihrem Gastspiel beim "9. Liedermacher-Sommer" im Pantheon, bei dem auch PanneBierhorst, Reis Against The Spülmachine und Andi Rüttger mitwirken, sprachen die "Positanos" mit Ebba Hagenberg-Miliu.

Was charakterisiert den Daniel und was den John?

Daniel Schult: Ich haue immer gerne einen raus. Ich mag das sehr, was passiert, wenn wir spielen: mit den Leuten, mit unseren Songs und mit uns auf der Bühne. Zum Glück wirkt John so erdend auf mich.

John Carlo Brandi: Ich bin eher der Typ, der etwas im Hintergrund steht, die zweiten Stimmen singt und mehr Gitarre spielt. Was mich aber zwischen den Songs nicht zum Schweigen verurteilt.

Und wer von Ihnen hat das Sagen?

Schult: Wir reden uns dauernd gegenseitig rein.

Brandi: Wir sind ein streng basisdemokratisches Duo.

Sie sind echte Bönnsche?

Schult: Nee, ich komme aus Much, das ist zweimal Endstation von hier aus, am untersten Ende vom Rhein-Sieg-Kreis. Ich bin 1999 zum Studium nach Bonn gekommen. Und inzwischen bin ich echt ein bisschen lokalpatriotisch: Bonn ist eine Liedermaching-Metropole! Das kriegt nur keiner mit.

Brandi: Ich bin Ostwestfale, 2000 zum Studieren nach Bonn gekommen und mit Freuden hier hängengeblieben.

Und wie kam es zum Duo?

Brandi: Ich bin im legendär heißen Sommer 2003 in Daniels damalige WG gezogen. Da hat es richtig Klick gemacht. Wir haben unsere ersten Songs geschrieben, sind auf Partys aufgetreten.

Schult: Ich habe vorher alleine als "Danji" ähnliche Musik gemacht und war heilfroh, jemanden zu finden, der verrückt genug war, so was auch zu machen.

Und wie kam es zum Namen Positano?

Schult: Der war schon immer ein Eigentor.

Brandi: Das hat mit Altkanzler Schröder zu tun. Der hat damals seinen Urlaub im italienischen Positano storniert, weil es im Europaparlament einen Eklat gegeben hatte: Silvio Berlusconi hatte Martin Schulz nahegelegt, er sei in einem Nazi-Film für die Rolle des "Kapo" bestens geeignet. Dadurch war Positano in der Presse, und uns gefiel der Klang.

Wie entstehen Ihre Songs?

Schult: Wir quatschen oft über Ideen und plötzlich fallen sie als Songs vom Baum.

Brandi: Manches ist direkt reif, und man muss es wirklich nur pflücken, manchmal ist es harte Arbeit. Es gibt auch Songs, die müssen eine Weile liegen, bis wir den richtigen Dreh finden.

Wie ist er, Ihr besonderer Stil?

Schult: Wir sind nicht nur auf Schenkelklopfer aus oder machen politisches Kabarett. Wir haben unsere Sprache gefunden und unseren Groove. Es ist dieses Zwei-Gitarren-Ding auf Deutsch, mit viel zweistimmigem Gesang, voller Anspielungen und sehr verspielt.

Brandi: Wir sind mal lustig, mal nachdenklich, mal ernst, mal ironisch. Wir stehen auf Rollenwechsel - viele unserer Songs erzählen Geschichten.

Sind deutschsprachige Lieder denn im Trend?

Brandi: Ja und nein. Heute trauen sich viel mehr junge Musiker, auf Deutsch zu singen. Allerdings hat man als Künstler in diesem Land einen sehr schweren Stand.

Schult: Es ist total spannend gerade: Es gibt so viel interessante Musik auf Deutsch, in allen Musikrichtungen. Ich habe das Gefühl, dass alle gerade unterwegs sind und die Sprache ganz neu erforschen und erfinden.

Letzte Frage: Ist es diesen Sommer zu heiß zum Liebemachen?

Schult (lacht): Sie spielen auf dieses Lied an? Das war sehr spontan aufgenommen und ist total ironisch. Man kann nicht oft genug Liebe machen, und das soll ja heiß sein.

Brandi: Je heißer, desto besser.

Karten für den "9. Liedermacher-Sommer" am Donnerstag, 13. August, ab 20 Uhr im Pantheon, Bundeskanzlerplatz, gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen für 19,70, ermäßigt 15,30 Euro.