Pantheon Casino

Identitäten und Vexierspiele mit Christine Prayon

BONN. Christine Prayon ist nicht zu fassen. Erst recht nicht mit herkömmlichen Parametern oder Standards der Kabarettkritik. Nachfolgend ein Versuch, ihrem überwältigenden Gastspiel im ausverkauften Pantheon Casino gerecht zu werden.

Christine Prayon zeigte ihr erstes Soloprogramm "Die Diplom-Animatöse" in ihrer Geburtsstadt Bonn erstmals in voller Länge. Im laufenden Jahr gab es für dieses einzigartige Solodebüt etwa den Deutschen Kleinkunstpreis (Förderpreis), den Prix Pantheon (Jurypreis) und den Deutschen Kabarettpreis (Programmpreis).

Christine Prayon wirbelt und donnert durch den Tunnel der Metamorphosen. Sie bricht selbst aufgestellte Fallen und Finten wieder auf ("Ich sehe nicht ein, dass ich Sie für dumm verkaufe"), um sogleich neue Chiffren einzurichten: "Woher wollen Sie wissen, dass ich wirklich Christine Prayon bin? Nur, weil das auf den Plakaten steht?"

Sie stellt Konventionen des Kabaretts, Strukturen von Comedy und Entertainment auf den Kopf. Nicht nur das, sie stellt sie auch noch schräg, stellt sie zur Disposition, dreht die Muster der Unterhaltungsindustrie, aber auch Geschlechterrollen auf links. Aber das ist es nicht allein. Es gibt unsagbar viel zu entdecken.

"Es geht in meinem Programm nur vordergründig um Identitäten, Rollenspiele, um Schein und Sein", blitzt unter ironischem Anstrich eine der Wahrheiten durch. Ach ja, Wahrheit. Was soll das eigentlich sein?

Christine Prayons Vexierspiele sind ebenso komisch wie irritierend. Nicht wenigen Zuschauern bleibt das Lachen im Halse stecken, und genau das dürfte für die Schauspielerin, Kabarettistin und geniale Gestaltwandlerin wohl die wichtigste Auszeichnung sein.

Christine Prayon gastiert am 29. Mai 2013 im Pantheon. Karten bei GA und bonnticket.de