Dichterwettbewerb 8. POETRYpolis

Humor und Ironie

Bonn. Zwölf Teilnehmer, zehn Sprachen: Einen Dichterwettstreit wie die 8. PoetryPolis im Migrapolis Haus der Vielfalt in der Brüdergasse in Bonn findet man wahrlich nicht alle Tage. Texte auf Arabisch, Georgisch, Russisch und Ukrainisch stehen unter anderem auf dem Programm, Prosa, Lyrik, Liedgut.

Die meisten Beiträge haben die Teilnehmer selbst geschrieben, einige sind sogar schon einmal veröffentlicht worden.

Das Niveau ist dementsprechend unterschiedlich, reicht von mühsam zusammengedrechselten Ergüssen Ergüssen mit dem vor allem unter deutschen Lyrikern viel zu weit verbreiteten Reimzwang bis hin zu melodischen, lautmalerischen und vor allem intelligenten Werken, die auch in einer dem Zuhörer unbekannten Sprache eine ganz besondere Ästhetik aufweisen. Wie gut, dass sich dank des Programmhefts auch die jeweilige Aussage erschließt: Alle Beiträge sind darin samt einer Übersetzung enthalten.

"Humor und Ironie" lautet das Motto dieser PoetryPolis, festgelegt von der Siegerin des vergangenen Wettbewerbs, Yuliana Nikolova. Immer sind es Gefühle, die einen Abend bestimmen, da diese unabhängig von Sprache, Kultur und Herkunft gleich empfunden würden, wie Moderator Casjen Ohnesorge zu Beginn der Veranstaltung betont. Man geht nur unterschiedlich mit ihnen um.

So offenbart die junge Medizinstudentin Amani Ahmed mit einem bemerkenswert tiefgründigen Freiheits-Gedicht ihre Seele, reflektiert ihre eigenen Erfahrungen in diesem Land, in dem sie sich nach drei Jahren nun endlich akzeptiert fühlt und geschickt eine vorurteilsfreie Gesellschaft fordert. Hat zwar nur bedingt mit dem Motto des Abends zu tun, ist aber trotzdem einer der stärksten Vorträge. Letztlich ist es aber Slavica Vlahovic mit ihrem bosnisch-kroatisch-serbischen Beitrag über die Eigenarten ihres deutschen Mannes, die das als Jury fungierende Publikum am ehesten überzeugt. Das Thema für die nächste PoetryPolis hat sie auch schon festgelegt: Angst. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.