Bonner Oper

Hilsdorfs Inszenierung von Verdis "Aida" überzeugt nur sporadisch

Es geht drunter und drüber: Szene aus der Bonner "Aida"-Inszenierung von Dietrich Hilsdorf.

BONN. Endlich hat es Jürgen Nimptsch geschafft, auch mal in einer richtigen Oper mitzuwirken, wenn auch nur mit einem aufs Großformat gezogenen Porträtfoto. Bonns Oberbürgermeister, Alleingänger in Sachen Opernfusion mit Köln, taucht bildmäßig in der Triumph-Szene von Verdis "Aida" auf.

Dem durchaus ansehnlichen OB-Foto hat man einen ironischen Text zugeordnet: "Ein großer Förderer der Kultur übermittelt seine Grußworte". Diesen Spaß wollten sie sich offensichtlich machen bei der Premiere in der Bonner Oper. Die besseren Argumente gegen die Fusionspläne hätte sicherlich eine stringente Inszenierung gebracht, doch davon war Regisseur Dietrich Hilsdorf ein gutes Stück weit entfernt.

Der Reiz von Verdis Oper, einer Dreiecksgeschichte in Zeiten des Krieges, liegt in einer unvergleichlich spannenden Mischung von Massenspektakel und Kammerspiel. Im Mittelpunkt steht dabei die durch den einschlägigen Marsch hinreichend bekannte und arenataugliche Triumph-Szene, in der die Oper so alles aufbieten kann, was sie hat: eine Haupt-und Staatsaktion, wie im Programmheft zu Recht angemerkt wird.

Niemand möchte da heute dringend ägyptische Folklore sehen. Hilsdorf hat sich für das entschieden, was er vor knapp 25 Jahren schon in sehr ähnlicher Form bei seiner in Essen inszenierten "Aida" bevorzugte: eine üppige, grelle Feier, die die Absurdität des Krieges und die Machtlüsternheit von Politik und Kirche vor Augen führen soll.

In Bonn nennt man dieses Teil-Recycling einen "Festakt". Es geht drunter und drüber, die Musiker spielen auf der Bühne, in der Loge sitzt der König, im Zuschauerraum drängen sich die Chöre, vom Rang schallen die Trompeten. Überall gibt es Übles zu besichtigen: Die Veteranen der Kriege kommen als kichernde Irre, Witwen präsentieren ihre Säuglinge als Kanonenfutter für die nächste Gewaltaktion, Jungfrauen schwenken Armstümpfe des Gegners als Trophäen, dazwischen tanzen sich die irgendwie aus dem Nachtclub entliehenen "Memphis Twins" durch die Szene, ein Krokodil und mehrere Affen sind auch dabei. Zuvor schon hat eine mit dem Schlachtermesser operierende Tempelpriesterin auf offener Bühne ein Kind geopfert.

Krieg ist pervers - da mag man dem Regisseur aus ganzem Herzen zustimmen. Nur kommt die Anklage in einer Form daher, die in ihrer banalen, grotesken Überspitzung eher an einen total entgleisten Karneval denken lässt. Vor allem freilich: Die Inszenierung, die in ihrem stetigen Bemühen, auch das Publikum zu Mitspielern zu machen, geradezu rührend altmodisch wirkt, behindert die Musik unnötig. Es bedurfte erheblicher gymnastischer Anstrengungen des Dirigenten Will Humburg, den Raumklang einigermaßen unter Kontrolle zu halten.

Zu allem Überfluss spielt auch Bonn noch eine Rolle in dieser "Aida", wobei sich das als Bühnen-Hintergrund gewählte Rhein-Panorama zu den exotischen Nil-Klängen von Verdi schon sehr merkwürdig ausnimmt. Einen Reim auf diesen Bonn-Abstecher - der Zuschauerraum der Oper setzt sich im Bühnenbild von Dieter Richter fort - macht sich das Programmheft. Dort ist von der provisorischen Hauptstadt die Rede, die ein Opernhaus haben wollte, "mit dem der Staat Staat machen konnte". Na ja.

Glücklicherweise findet Regisseur Hilsdorf nach Erledigung seiner Staatsaktion zu einem streckenweise sehr intensiven Kammerspiel, das sich ganz auf das schwierige Liebes-Dreieck beschränkt. Hier wirkt die Inszenierung dicht und berührend.

Die Musik hat keinen leichten Stand an diesem Abend. Will Humburg setzt mit dem Beethoven Orchester, das das Vorspiel durchaus zarter angehen könnte, vor allem auf Kraft und Leidenschaft, auf ein (manchmal zu) zügiges Tempo, später kommt schillernde Farblichkeit dazu. Im Verein mit dem schlagkräftigen Chor treibt man die Dynamik auf die Spitze. Chordirektor Volkmar Olbrich wurde beim Schluss-Applaus von Teilen des Publikums wohl mit dem Regisseur verwechselt - er nahm einige Buhs amüsiert hin.

Im Ensemble haben die Frauen das Sagen und Singen. Yannick-Muriel Noah gestaltet ihren Aida-Part bezwingend schön, versteht sich auf die Kunst der leisen Töne und hat deklamatorische Überzeugungskraft. Tuija Knihtilä bringt als Amneris einen voluminösen Mezzo ins Spiel, satt und dunkel, in der Tiefe mit dämonischem Anstrich - perfekt. George Oniani (Radames) verfügt wie immer über brillante, strahlende Spitzentöne, aber der Weg dahin wirkt manchmal unausgeglichen. Neben diesem Trio gibt es Zufriedenstellendes: Mark Morouse als energischer Amonasro, Priit Volmer (König) und speziell Rolf Broman, ein Hohepriester mit sanfter Bass-Gefährlichkeit.

Die nächsten Aufführungen: 22. Februar, 9., 15. und 23. März. Karten bei www.bonnticket.de und in den Bonnticket-Shops der GA-Geschäftsstellen