Mächtiges Mittelalter

Heribert Beissels Neujahrskonzert in der Beethovenhalle

Gelungener Auftakt für 2014: Heribert Beissel.

BONN. Rituale braucht der Mensch, das ist nicht nur eine Lebensweisheit, sondern längst wissenschaftlich erwiesen. Und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, bräuchte es nur einem Besuch am Neujahrstag in der Beethovenhalle.

Dann kann man nämlich sicher ein, ein volles Haus vorzufinden - und Heribert Beissel. Der Leiter der Klassischen Philharmonie Bonn gastiert mit seinem Orchester und dem Chur Cölnischen Chor immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie oder - wie in diesem Jahr - Carl Orffs Carmina Burana.

Nun gäbe es viel über die Sinnhaftigkeit oder -entleerung von Ritualen zu sagen, doch eine volle Beethovenhalle spricht auch für sich, zumal Beissel die Musik nicht nach der Devise "Dieselbe Prozedur wie jedes Jahr" abhandelt, sondern wie immer konsequent auch bis zum letzten Achtel durchexerziert.

Dabei verlor Beissel beim Neujahrskonzert das monumentale Moment dieser Musik nie aus den Augen, ließ Chor und Orchester, die im Übrigen bestens vorbereitet waren, mächtig auffahren und das archaische Element von Orffs Vertonung mittelalterlicher Gesänge betonen. Auch bei der dritten Wiederholung wurde die oft in strophischen Formen aufgebaute Musik jedoch nicht redundant, sondern schillerte stets in neuen Facetten. Der Schedrick-Chor des Gymnasiums am Oelberg zeigte sich ebenso von seiner besten Seite wie das mit Stella An, Daniel Kim und Sungkon Kim bestens besetzte Solistentrio.

In der ersten Konzerthälfte gab es statt heroischer Dichtung die leichte, mit viel Raffinement zelebrierte Muse. Mit der Ouvertüre zu der Fledermaus und dem Walzer "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauss Sohn sowie der Szene "Ombre légère" aus der Oper "Le pardon le Ploërmel" von Giacomo Meyerbeer als echte Rarität. Ein gelungener Auftakt für das neue Jahr.