Hans Delfosse zeigt seine Werke im Bilderbuchmuseum

<b>Linien, Formen und Strukturen:</b> Mit einfachen Mitteln erschafft Hans Delfosse in seinen Arbeiten eine neue Welt.

<b>Linien, Formen und Strukturen:</b> Mit einfachen Mitteln erschafft Hans Delfosse in seinen Arbeiten eine neue Welt.

Der Nümbrechter Grafiker zeigt sich in Troisdorf diszipliniert - Schraffierungen und Strukturen öffnen sich dem Blick

Troisdorf. Dicke schwarze Linien, die elliptische und quadratische Formen bilden, stechen zuerst ins Auge. Je näher der Betrachter aber an das Bild herantritt, desto mehr erkennt er von dem Hintergrund, vor dem sich die Linien abzeichnen.

Äußerst feine, mosaikartig aneinandergrenzende, schraffierte Strukturen und Muster erschließen sich dem Blick, und es wird deutlich, wie arbeitsintensiv die Ritzzeichnungen sind, die der Nümbrechter Zeichner und Grafiker Hans Delfosse ab Sonntag im Bilderbuchmuseum auf Burg Wissem präsentiert.

"Ich bin kein Typ, der auf die Muse wartet, bis sie ihn küsst, sondern ich habe eine Beamtenmentalität und zwinge mich über einen strikten Zeitplan dazu, weiter zu machen", sagt Hans Delfosse. Das bedeute, dass er jeden Tag von 8 bis 17 Uhr an seinen Werken arbeite. "Mit einfachen Mitteln - Linien, Formen, Strukturen - wird eine neue Welt geschaffen", beschreibt er diese Arbeit. "Und von dieser Welt ist man auch als Künstler überrascht".

An der Kölner Werkkunstschule hat der gebürtige Bonner studiert und war später selbst Dozent für grafische Techniken. Für seine Ritzzeichnungen nutzt er besonders glattes Papier. Darauf trägt er eine dünne Schicht Ölfarbe auf, die er dann mit einem sehr feinen Messer abkratzt, so dass sich die unterschiedlichen Strukturen und Muster bilden. Dabei greift er auch gerne mal auf Prospekte oder Einladungen aus Glanzpapier zurück. "Es hat mich fasziniert, dass man aus Dingen, die man sonst wegwerfen würde, noch etwas machen kann", sagt er.

So ist etwa eines seiner Werke aus mehreren Exemplaren der Einladungskarte einer Galerie zusammengefügt. 16 Din-A4-Seiten hat der Künstler hier zusammengesetzt, übermalt und beim Ritzen schwarze Stelle entstehen lassen. Dadurch ist auf dem großformatigen Gesamtbild eine interessante Linienführung entstanden.

"Die Vielfalt in dem, was auf den ersten Blick gleich erscheint, das hat mich an den Werken Delfosses fasziniert", sagte Museumsleiterin Maria Linsmann. Sie habe Delfosses Arbeiten ausgewählt, da das Museum nicht nur Künstlern, die mit Büchern oder Illustration arbeiteten, ein Ausstellungsforum bieten wolle, sondern auch Künstlern, die aus der Region stammten.

Nicht nur Ritzzeichnungen, auch Collagen und Aquarelle präsentiert Hans Delfosse in seiner Ausstellung. In Büttenpapier hat er bei den Collagen kleine Fenster wie bei einem Adventskalender eingelassen, und hinter diesen erscheinen wiederum geritzte Muster. Auch gedruckte Wörter wie "Sonne" oder "Erinnerung", ausgeschnitten aus Büchern, finden sich manchmal in den Collagen. "Die Wörter geben mir die Komposition vor, an der ich mich orientieren muss", erklärt Delfosse.

Die meisten seiner Werke sind in dunklen, schwarzen oder grauen Tönen gehalten. Farbe in sanften Tönen kommt vor allem dann ins Spiel, wenn Delfosse zum Aquarellpinsel greift. Die Anwendung der Ritztechnik setzt er hier eindrucksvoll "mit dem kleinsten Pinsel, den es gibt, der Nummer 0" um. Feine, schraffierte oder getupfte Strukturen bannt er auf das Papier. "Das ist ein Gebiet, auf dem ich mich noch entdecken kann", verrät er.

Das Bilderbuchmuseum eröffnet die Delfosse-Ausstellung am Samstag um 11 Uhr. Seine Arbeiten sind dort bis Sonntag, 29. April, zu sehen.