Fünf Jahre Arp-Museum

Großes Kino mit Richard Meier

Haus mit Rheinblick: Oliver Kornhoff auf der "Brücke" des Arp-Museums.

Remagen. Fünf Jahre Arp-Museum: Direktor Oliver Kornhoff blickt zurück, zieht Bilanz und verneigt sich vor dem Architekten Richard Meier.

Das Arp-Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen, wurde im September vor fünf Jahren im umfassend renovierten Bahnhof und dem Bau des Architekten Richard Meier eröffnet, hat anfängliche Krisen - Kritik an der Güte der Arp-Sammlung und den sogenannten posthumen Güssen von Arp-Plastiken - überstanden und sich in der Museumslandschaft der Region etabliert. Über seine Bilanz und die Pläne im Jubiläumsmonat sprach der Direktor des Hauses, Oliver Kornhoff.

Vor fast vier Jahren haben Sie das Direktorenamt im Arp-Museum angetreten. Die Rückkehr an den Rhein sei für Sie als gebürtiger Kölner auch ein starker emotionaler Moment gewesen, haben Sie einmal erzählt. Wie arbeiten Sie als pragmatischer Museumsmann mit der Architektur von Richard Meier?
Oliver Kornhoff: Es fühlte sich wirklich prächtig an, das erste Mal mit der Fähre zum Arp-Museum überzusetzen. Was dem Meier-Bau angeht: Man muss als Museumsmann souverän damit umgehen, darf sich nicht einschüchtern lassen. Das ist kein Haus, bei dem die Architektur dienend ist. Es ist eine sehr selbstbewusste, starke, gute Architektur. Man kann nicht gegen sie arbeiten. Also brauchen wir auch souveräne Künstler, die sich darauf einlassen. Raumgröße, Wandhöhe, strahlende Helligkeit, das sind Herausforderungen. Der Bau macht uns große Freude, stellt aber auch hohe Ansprüche.

Das Arp-Museum blickt in diesem September auf seine Eröffnung vor fünf Jahren zurück. Anlass für eine Bilanz. Irritiert es Sie, dass aus Mainz wiederholt Forderungen nach einem Besucherplus kommen?
Kornhoff: Hinter dem Mehr, Mehr, Mehr steht - positiv gesehen - ein großer Stolz der Landesregierung auf das hier Erreichte. Das ist auch die Rückmeldung, die wir immer aus Mainz bekommen. Dieses Haus steht aber auch in einem politischen Kontext, seitdem etliche Ministerpräsidenten das Projekt Arp-Museum als Schaufenster gegenüber der Bundeshauptstadt sahen. Das Haus steht unter Beobachtung der rheinlan-pfälzischen Landespolitik, das gehört zu unserer Biografie. Und dann gab es in der Anfangsphase sicherlich überzogene Vorstellungen über die Besucherzahlen. Fünf Nullen hörten sich großartig an, aber das war nicht realistisch. Da sage ich: Das ist ein junges Museum. Es muss wachsen. Das erfordert auch Geduld.

Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Kornhoff: Wir mussten bei null anfangen und haben unglaublich viel erreicht. In fünf Jahren: 42 Ausstellungen, meistens vier gleichzeitig, mehr als 330 000 Besucher, 4600 museumspädagogische Workshops, 3500 Führungen seit der Eröffnung, 50 Konzerte, fünf Festivals, mehr als 40 Lesungen. Das sind drei Sparten unter Volldampf. Und das in einer Region - siehe Bonn, Köln oder Düsseldorf -, von der seinerzeit manche dachten, sie brauche eigentlich kein weiteres Kunstmuseum. Hier gibt es keine Ausstellung, die irgendwo anders sein könnte.

Das müssen Sie mir erklären.
Kornhoff: Wir haben den Hauspatron Arp, den wir aber als lebendigen Künstler zeigen, im Dialog mit anderen Künstlern. Und viele Künstler wie Meese oder Spoerri, die sich direkt auf Arp beziehen. Wir wollen ein Museum, kein Mausoleum sein. Neben Arp haben wir den Architekten Richard Meier mit seinem Museumsbau am Rhein, auch das ein Alleinstellungsmerkmal. Sogar die temporäre Ausstellungsarchitektur für Arp ist aus einem Werk Arps herausentwickelt und geht eine Symbiose mit dem Meier-Bau ein. Einzigartig ist auch diese Lage am Rhein - die landschaftliche Einbindung war 2011 das Jahresthema.

Nach Natur und Landschaft im vergangenen Jahr steht 2012 nun im Zeichen der Architektur, der Auseinandersetzung mit dem Bau von Richard Meier.
Kornhoff: Wir hier im Museum setzen uns täglich mit dieser Architektur auseinander und auch die Besucher schätzen diesen Bau und natürlich den Blick von hier oben zum Rhein. Die Möglichkeit, eine Meier-Ausstellung in einer Meier-Architektur zu machen, ist etwas Einzigartiges. Dieser Bau macht etwas mit einem.

Was wird zu sehen sein?
Kornhoff: Wir versuchen Meier in seinem künstlerischen Tun darzustellen, es wird keine Showroom-Ausstellung für reiche Bauherren. Die Schau heißt "Building as Art", weil wir das Komponieren seiner Gebäude, seiner Kunst zeigen wollen. Das additive und kompositorische Verfahren kann man auch unmittelbar hier im Meier-Bau erleben. Wir starten mit den Villenbauten der 60er Jahre und gehen bis zu heutigen Projekten. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Museumsbauten. Der Amerikaner Meier ist durch seine Bauten in Deutschland - Frankfurt, Ulm, Baden-Baden - berühmt geworden. Dann erst kam der Erfolg in den USA. Für ein besseres Verständnis seiner Kunst zeigen wir auch einige prominente Zeitgenossen und Weggefährten, etwa die "New York Five". Eine Fortsetzung gibt es in der Winterausstellung der Sammlung Rau. Warum? Weil Weiß auch die Farbe Richard Meiers ist - wie ein Schneegestöber, Lichtgestöber.

Im September wird in Rolandseck gefeiert. Den Auftakt gestaltet noch im August Bundespräsident Gauck. Der besucht am 22. August das Arp-Museum.
Kornhoff: Große Ehre. Und ein Ritterschlag zum Jubiläum.Wir werden ihm und seiner Lebensgefährtin Frau Schadt sowie Ministerpräsident Beck und seiner Frau das Haus zeigen. Später gibt es einen Bürger-Empfang mit geladenen Gästen in der Lobby des Meier-Baus und im historischen Bahnhof.

Was ist im September geplant?
Kornhoff: Wir haben fünf Wochenenden für fünf Sinne und fünf Jahre - riechen, fühlen, hören, schmecken und sehen. Am 16. September, Arps Geburtstag, haben wir einen Dada-Tag, mit einem Konzert von Blixa Bargeld. Höhepunkt wird am 30. September die Eröffnung der Meier-Ausstellung sein. Großes Kino: Meier kommt auch zur Ausstellung. Dieses Fest ist etwas Besonderes. Hier greift auch unser Dreispartenhaus mit Kunst, Musik und Literatur. Das kann man nur hier erleben.

Zur Person

Oliver Kornhoff wurde am 9. März 1969 in Köln geboren, studierte Kunstgeschichte, Geschichte, Klassischen Archäologie und Völkerkunde in Köln. Sein Studium setzte er in Florenz und Freiburg i. Breisgau fort. Kornhoff promovierte über ein Thema von Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner. Er hat an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden gearbeitet, war Stellvertretender Leiter der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen und ist seit 2009 Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck.

Jubiläumsmonat September

An fünf Wochenenden im September feiert das Arp-Museum sein Fünfjähriges. Hier die Höhepunkte.
2. September: Thema "Riechen" mit Aktionen von Sonja Alhäuser und dem Parfümeurs Georg Ortner.
9. September: Thema "Fühlen" mit Tasterlebnissen bei Skulpturen und der Abnahme der Wandmalerei "Blick auf zwei Monde".
16. September: Thema "Hören". Dada-Programm zu Ehren von Hans Arp, der an diesem Tag Geburtstag hat mit "Cadavre exquis", "automatischem Schreiben" und einem Konzert von Blixa Bargeld.
23. September: Thema "Schmecken" mit Stillleben und Aktionen von Winfried Baumann und Hans-Stefan Steinhauer.
29. September: Eröffnung der Ausstellung "Richard Meier. Building as Art" mit dem Architekten.

Info: www.arpmuseum.org