Heribert Beissel

Glanzvolles Geburtstagskonzert zum 80. mit Haydn und Bruckner in der Beethovenhalle

BONN. Künstlerische Meisterschaft ist immer gut. Aber auch gegen leidenschaftliches Engagement ist nichts einzuwenden. Ein Glücksgriff aber ist es, wenn beides zusammentrifft. Und ein solcher ist Heribert Beissel für Bonn.

Am vergangenen Mittwoch konnte er seinen 80. Geburtstag feiern - mit einem beeindruckenden Konzert in der voll besetzten Beethovenhalle. "Heribert Beissel dirigiert sein Wunschprogramm" lautete der Untertitel des Konzerts mit seiner klassischen Philharmonie und seinem Chur Cölnischen Chor Bonn. Man kann sich vorstellen, dass Beissel mit seinem großen Repertoire die Qual der Wahl hatte. Aber diese Wahl wurde schlüssig getroffen: Haydns "Harmoniemesse" und Bruckners 7. Sinfonie.

Mit Haydns letzter Messe von 1802 bewegten sich Musiker und Sänger auf ureigenstem Gebiet. Mit einer fast tänzerischen Leichtigkeit des Orchestertons und einem nuancenreich singenden Chor hauchte Beissel dem Spätwerk klassische Heiterkeit und Tiefe ein. Beispielhaft dafür mag das abschließende "Dona nobis pacem" sein, das bei Haydn buchstäblich mit Pauken und Trompeten daherkommt.

Hineingeheimnist wird da gerne die militärische Bedrohung durch Napoleon. Hier aber wurde es zum freudigen Triumph des gläubigen Komponisten. Die Solisten Justyna Samborska (Sopran), Claudia Darius (Mezzosopran), Michael Mogl (Tenor) und Sejong Chang (Bass) fügten sich bestens ein.

Nach der Pause hat mancher sicherlich erstaunt die Ohren aufgesperrt. Denn noch der Haydn-Messe in Erinnerung wurde schlagartig klar, wie leicht doch der oft mysteriöse Bruckner verstanden werden kann, wenn man ihn von der Wiener Klassik her begreift. So verblüffte Beissel mit der fast kammermusikalischen Durchhörbarkeit manch delikater Passage, die sich dennoch nahtlos in den Orchesterklang der 7. Sinfonie mit ihrem Riesenaufgebot an Blechbläsern einfügte.

So wurden etwa im Adagio die anlaufenden Steigerungswellen zu Hörerlebnissen jenseits von falschem Klangpathos. Beissel und die Klassische Philharmonie boten eine klare Interpretation in einem unverwechselbaren Sound - um einmal ein unbrucknersches Wort zu benutzen. Der gewaltige Applaus und die stehenden Ovationen bezeugten es: Der beliebte und sympathische Beissel hatte Geburtstag, die Beschenkten aber waren sein Publikum.