"kunstgaleriebonn"

Geklebte Welt: Faszination Collage mit Arbeiten von zwölf Künstlern

Collage von Matthew Northridge.

BONN. Von der hehren Collage kubistischer Prägung - das Aufkleben etwa von bedruckten Papieren - oder der in den späten 50er und den 60ern praktizierten Décollage - das Abreißen beispielsweise von Plakaten - haben sich die Collagisten der Gegenwart verabschiedet.

Wenngleich noch immer leidenschaftlich geklebt und gerissen wird, wie eine Ausstellung in der "kunstgaleriebonn" zeigt. In der Reihe der "Papier"-Ausstellungen widmet sich die Folge vier dem Thema "Collage".

Den vielleicht größten Unterschied zur klassischen, in der Regel klein- oder mittelformatigen Collage markieren die Arbeiten von Kirstin Arndt und Albert Weis: Sie geht mit einem rustikal an die Wand geklebten, rohen Karton von Europaletten-Ausmaß in die dritte Dimension, er "versteckt" das kunstvoll gefaltete Papier unter einer wandfüllenden, eher nachlässig verklebten Silberfolie.

Brachiale Materialästhetik bei ihr, ein Akt der Entmaterialisierung und Entziehung bei ihm. Zwei sehr starke Arbeiten sind das, die die Bandbreite der Möglichkeiten vor Augen führen. Die Galeristen Gisela Clement und Michael Schneider bringen in der Papier-Reihe traditionell "eigene" Künstler und Gäste zusammen.

Zu den Künstlern der Galerie zählen Max Cole, die mit glänzendem Isolierband auf filigraner Zeichnung optisch Kontakt mit Albert Weis aufnimmt, Schirin Kretschmann mit ihrer minimalistischen Tapetenarbeit, schließlich Raumkünstler Martin Pfeifle, der mit einem Kontinuum diagonaler gerissener Farbstreifen aufwartet.

Galeriekünstler sind ferner Karim Noureldin, der mit Folie auf Papier die Auflösung geometrischer Systeme versucht, Altmeister Erwin Bechtold mit seinen wunderbar hintergründigen Rückgriffen auf Anekdotisches und Biografisches sowie Frank Badur, der aus seinem Fundus farblich und formal sehr reduzierte Collagen aus dem Jahr 1989 zutage gefördert hat.

Von den Gästen fasziniert neben Kirstin Arndt und Albert Weis in erster Linie Matthew Northridge aus Brooklyn. Der unglaublich vielseitige 39-Jährige zeigt in der Galerie einen Fries von Collagen, die historische Landschaftsfotos aus den USA mit ebenfalls gefundenen geometrischen Formen und Schnittmusterbögen verknüpfen.

"The World We Live in", die Welt, in der wir leben, ist sein 200 Blätter umfassender Zyklus genannt, aus dem Northridge 30 exzellente Werke zeigt. Der Künstler klebt sich seine Welt. Weitere Gäste der "kunstgaleriebonn" sind der gebürtige Hamburger Günter Tuzina mit expressiven Farbkreidearbeiten und die für vergängliche Installationen bekannte Berlinerin Bettina Khano, die Bonn kleine, verwirrende Momentaufnahmen aus ihrem spacigen Zyklus "Furnishing my Galaxy" zeigt.

Der 84-jährige ungarische Architekt Tibor Gáyor schlägt mit seiner zarten "Faltstruktur" einen sinnfälligen Bogen zur letzten Ausstellung der Galerie: Da stellte Gáyors Frau Dóra Maurer Arbeiten aus, die Parallelen zum Gatten aufwiesen.

Info

Kunstgaleriebonn, Villa Faupel, Lotharstraße 106; bis 22. März. Di-Fr 14-18, Sa 11-15 Uhr