Premiere in der Bonner Oper

Geisterritter: eine Oper für die ganze Familie

Happy End: Jon (David Fischer) und Ella (Marie Heeschen) machen Party.

Happy End: Jon (David Fischer) und Ella (Marie Heeschen) machen Party.

Bonn. Die Uraufführung von James Reynolds' Oper „Geisterritter“ ist in Bonn gefeiert worden. Es ist die erste Oper nach einem Buch von Cornelia Funke.

Für Kinder nicht tragbar sei die Oper „Geisterritter“, befand im Jahre 2011 das Oldenburger Staatstheater und kippte die geplante Uraufführung kurzfristig vom Spielplan. So mussten der amerikanische Komponist James Reynolds, sein Librettist Christoph Klimke und die prominente Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke sechs lange Jahre warten, bis das Werk nun endlich zum ersten Mal aufgeführt werden konnte. Das geschah am Sonntagabend im Bonner Opernhaus, und das junge Publikum war von dieser späten Uraufführung der ersten Oper nach einem Buch von Cornelia Funke hörbar begeistert. Beifall und Standing Ovations widerlegten die schwerwiegendsten Kritikpunkte, wonach die Handlung nicht verständlich genug sei und die Darstellung von Angst und Gruseleffekten zu drastisch.

Natürlich: Ein bisschen schauerlich darf es schon zugehen. Schließlich erzählt Funke die nicht ganz alltäglich Geschichte des elfjährigen Jon Whitcroft, der im Internat im englischen Salisbury mitten im Geschichtsunterricht plötzlich mit dem Geist des Edelmannes Lord Stourton konfrontiert wird, der Jon unmissverständlich nach dem Leben trachtet. Der Lord sieht grau und hager aus (Bernhard Landauer verleiht ihm mit schön fahler Countertenorstimme zusätzlich etwas Unheimliches). Er ist ein Untoter und immer in Begleitung dreier Dämonen aus dem Gruselkabinett (Kostüme: Kristopher Kempf).

Dabei sollte das Internat eigentlich ein Zufluchtsort sein. Denn Jon ist Halbwaise und mag sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, in dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter – einem Zahnarzt mit Vollbart – einen neuen Vater im Haus vorzufinden. Doch mit seinen neuen Zimmergenossen versteht sich Jon genauso wenig wie mit seiner Familie. Und jetzt noch die Geister, die keiner außer ihm sehen kann! Einzig in Mitschülerin Ella findet er eine Vertraute, die seinen Erzählungen glaubt.

Zusammen und mit Hilfe von deren schrullig-schriller Großmutter Zelda decken sie die Hintergründe der Spukgeschichte auf. Da Lord Stourton im Jahre 1557 Jons Urahn William Hartgill ermordet hat und für die Tat mit einem seidenen Strick gehängt wurde, befindet sich sein Geist seither auf dem Rachefeldzug gegen die männlichen Nachfahren seines Opfers. Ihm ist nicht entgangen, dass Jons Mutter eine geborene Hartgill ist. Hilfe erhält Jon auch von dem Ritter William Longspee, dessen Seele nicht zur Ruhe kommt, solange sein Herz nicht im Grab seiner geliebten Frau Ela liegt.

Budenzauber bis zum Happy End

Genug Stoff also, um bis zum Happy End Budenzauber zu machen. Das gelingt ganz formidabel. Reynolds versteht es, ganz unterschiedliche musikalische Einflüsse atmosphärisch einzusetzen. Nicht nur dass sieben Schlagzeuger im Orchestergraben alles andere als unterbeschäftigt sind, er arbeitet auch mit hübschen Thrillereffekten etwa den der Geigen, die an Bernard Herrmanns Musik zu Alfred Hitchcocks „Psycho“ denken lassen.

Die katholische „Dies irae“-Sequenz dröhnt in der Kathedralen-Szene, während videogenerierte Orgelpfeifen an den Wänden wie Zähne einer gefräßigen Monsterapparatur ineinandergreifen. Das Beethoven Orchester leistet dabei unter Leitung von Daniel Johannes Mayr klangwuchtige Arbeit. Es kommen auch Musical-Anklänge zum Einsatz, und – man will ja auch ein bisschen cool sein – Hip-Hop-Sequenzen. Für Letztere sind der gelenkige Cedric Sprick und seine beiden Begleiter zuständig, die als „Kröten“ auf dem Besetzungszettel erscheinen.

Die vielleicht gruseligste Szene ist Jons Vision der Entführung Ellas, die von dem Theater-Videokünstlerduo „fettfilm“ (Momme Hinrichs und Torge Møller), die auch die fantasievolle Bühne kreiert haben, sehr „spooky“ in Szene gesetzt wird. Und immer gelingt es Regisseur Erik Petersen, dem Gewusel auf der Bühne übersichtlich Struktur zu verleihen. David Fischer gibt mit lyrischer Tenorstimme den Jon, Marie Heeschen mit schönem Sopran die Ella, Susanne Blattert ist eine großartige Zelda und singt dazu als Ela Longspee eine hübsch-kitschige, von Harfenklängen begleitete Arie. Giorgos Kanaris überzeugt als steinerner Ritter Longspee, Martin Tzonev als Lehrer Rifkin.

In den kleineren Rollen hinterlassen Fabio Lesuisse, Julian Kokott, Anjara I. Bartz, Gintaras Tamutis, Barbara Schröder und Christian Specht beste Eindrücke. Ebenso die von Marco Medved beziehungsweise Ekaterina Klewitz einstudierten Opern- und Jugendchor des Theaters. Nach der Bonner Premiere wandert die Produktion des Kooperationsbundes „Junge Opern Rhein Ruhr“ noch nach Düsseldorf/Duisburg und Dortmund.

Weitere Termine in Bonn: 7., 30. Dezember 2017, 6., 12. und 25. Januar, 25. Februar und 4. März 2018. Ergänzend bietet das Theater Bonn noch diverse Schulvorstellungen an. Karten gibt es bei Bonnticket.