Lesung am 22. Februar in Bad Godesberg

Gedichte von Alfonsina Storni in neuer Übersetzung

Die argentinische Dichterin Alfonsina Storni. FOTO: BOUVIER VERLAG

Die argentinische Dichterin Alfonsina Storni. FOTO: BOUVIER VERLAG

„Poemas de Amor“ von Alfonsina Storni sind in neuer Übersetzung im Bonner Bouvier Verlag erschienen. Am 22. Februar findet eine Lesung in Bad Godesberg statt.

Jeder, der die Liebe schon einmal hat kommen und wieder gehen sehen, wird sich in Alfonsina Stornis Zeilen wiederfinden: „Du wirst nicht wiederkehren./ Mein ganzes Sein ruft nach dir,/ aber du kehrst nicht zurück./ Kämest du jedoch zurück,/ mein ganzes Sein,/ das nach dir ruft,/ wiese dich ab.“ Der Auszug stammt aus einer neu übersetzten Fassung von Stornis „Poemas de Amor“, einem Zyklus, in dem die Dichterin eine unglückliche Liebesbeziehung verarbeitet – teils himmelhoch jauchzend, teils tieftraurig, aber nie mit unnötigem Pathos.

Alfonsina Storni – während dieser Name in unseren Breiten nahezu unbekannt ist, zählt er in Lateinamerika zu den ganz Großen. In ihrer Heimat Argentinien ist Storni eine Legende, sie gilt als Wegbereiterin der modernen lateinamerikanischen Frauenlyrik und als Vorreiterin des Feminismus. Nicht nur wurde ihr Andenken unter anderem an der Playa la Perla in Mar del Plata in Stein gemeißelt, auch wurde ihr mit „Alfonsina y el Mar“ eines der bekanntesten Lieder des Landes gewidmet.

Der Titel des Stücks birgt das Motiv des tragischen Endes der Poetin, die sich nach einem von Depressionen, einer Krebserkrankung und Schicksalsschlägen geplagten Leben 1938 im Alter von 46 Jahren im Meer ertränkte. Die in der italienischen Schweiz geborene und im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie nach Argentinien emigrierte Storni schuf sich eine, vor allem im Angesicht des herrschenden Zeitgeists, beeindruckende Biografie.

Persönliche Tragödien

Sie ist gespickt mit preisgekrönten Arbeiten und hoch dotierten Posten. So erhielt Storni beispielsweise Anfang der 1920 er Jahre den Argentinischen Staatspreis für Literatur und bekam eine Professur. Gleichzeitig war ihr Erfolg aber auch verbunden mit persönlichen Tragödien. Eine davon war das misslungene Liebesverhältnis zu einem einflussreichen verheirateten Mann, dessen Namen Storni zwar nie offiziell preisgab, bei dem es sich aber höchstwahrscheinlich um den Politiker Carlos Tercero Arguimbau gehandelt hat.

„Es war eine heimliche Liebe und ihre erste Beziehung, denn sie war damals erst etwa 19 Jahre alt“, erklärt Gerd Willée, einer der Übersetzer von „Poemas de Amor“. „Sie wurde schwanger von ihrem prominenten Liebhaber.“ Auf Druck der Öffentlichkeit und der immer stärkeren Belastung durch die Heimlichtuerei sei die Affäre zerbrochen. „Am Ende hat er sich sang- und klanglos vom Acker gemacht“, so Willée. Erst Jahre später verarbeitete die Dichterin das Verhältnis, aus dem ihr 1912 geborener Sohn mit dem klingenden Namen Alejandro hervorgegangen war.

Das Ergebnis ihrer Reflexion ist der insgesamt 67 Gedichte umfassende Zyklus, der in vier Abteilungen gegliedert ist, die jeweils eine Phase der Beziehung widerspiegeln: El Ensueño (Träumerei), Plenitud (Überfluss), Agonía (verzehrende Wünsche) und Noche (Nacht). „Sie hat die Gedichte innerhalb weniger Tage niedergeschrieben und 1926 veröffentlicht“, so Willée. „Die Texte halten sich nicht an die damals üblichen formalen Vorgaben, was Storni damals dazu veranlasste, in ihrem Vorwort zu behaupten, dass der Zyklus kein großes literarisches Werk sei.“ Dem widerspricht Willée jedoch gerne, gehen ihm die spanischen Texte doch sehr unter die Haut, wie er selbst sagt.

Ergreifendes Zeugnis gescheiterter Liebe

Aus diesem Grund entschieden sich der in Bonn lebende Willée und seine Frau Eje Winter dazu, „Poemas de amor“ neu zu übersetzen. Zwar gab es bereits deutsche Varianten, doch die fand das Paar ungenügend. „Ältere Übersetzungen waren zu steif, und es wurden Bilder sowie Symbole aus dem Spanischen übernommen, die so im Deutschen nicht funktionieren“, so Willée. Unterstützt wurde das Paar bei seiner Arbeit von Ines Hagemeyer, die in Uruguay aufgewachsen ist und neben dem Kastillianischen auch regionale sprachliche Varianten dieses Landstrichs beherrscht.

Das Ergebnis ist ein inhaltlich ergreifendes Zeugnis einer gescheiterten Liebe. Dabei kommen die Texte zwar expressiv, meist aber eher nüchtern daher und halten einen gesunden Abstand zu überzogener Schmonzette, weshalb viele Stellen hohes Identifikationspotenzial bieten. Erschienen ist das 150 Seiten starke und 16,90 Euro teure Taschenbuch mit den deutschen Übersetzungen und dem spanischen Originaltext im vergangenen Jahr im Bonner Bouvier Verlag.

Am Donnerstag, 22. Februar, findet in der Bezirksbibliothek Bad Godesberg, Moltkestraße 2-8, eine Lesung von Eje Winter und Gerd Willée statt, bei der das Duo „Poemas de Amor – Liebesgedichte“ live präsentiert. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, der Eintritt kostet drei Euro.