In der Bonner Schlosskirche

Fulbert Steffensky mit Predigtpreis fürs Lebenswerk ausgezeichnet

Preis fürs Lebenswerk: Der evangelische Theologe und frühere Benediktinermönch Fulbert Steffensky.

BONN. Mit "einem starken Stück" hat am Mittwoch die 32-jährige evangelische Pfarrerin Andrea Schmolke in der Schlosskirche einen der vier ökumenischen Predigtpreise des Verlags der Deutschen Wirtschaft erobert und dem Wettbewerb damit einen erfrischenden und zukunftsweisenden Akzent verliehen.

"Ich hätte mich nie getraut, so zu predigen", bekannte offen ihr Laudator, der katholische Professor Jürgen Werbick. Schmolke hatte sich mit aller Konsequenz in werdende Eltern hineingedacht, die sich trauen, das behinderte Kind als Berufung anzunehmen. "Dank dafür, dass Sie auch den Ärger und Widerspruch riskiert haben, ohne selbst zu provozieren", meinte der Laudator.

Sie sehe sich als Meinungsmacherin Tag für Tag in der Verantwortung, antwortete die junge Pfarrerin. "Es fehlt bei uns an Mut. Ich will mit meiner Arbeit Sprachrohr für die Schwachen werden." Dafür sei ihr der Predigtpreis nun Bestätigung und Ansporn.

Ausgezeichnet wurden auch der frühere Klinikpfarrer Helmut Herberg für eine in der Justizvollzugsanstalt Ulm gehaltene Predigt sowie der Freiberger Domprediger Jörg Coburger, weil er die Geschichte des biblischen Zöllners Zachäus sensibel in die Gegenwart Ostdeutschlands übersetzte.

Und dann war da noch die Vergabe des Preises für ein Lebenswerk, der an den 80-jährigen evangelischen Theologen und früheren Benediktinermönch Fulbert Steffensky ging, ein weiterer Höhepunkt in der bis auf den letzten Platz besetzten Schlosskirche.

"Selten sind sich Christentum und Wissen, Kirchen und Universitäten so nah wie beim Predigtpreis", hatte zu Beginn der Bonner evangelische Theologe Professor Reinhard Schmidt-Rost die Festgemeinde beschworen. "Legen Sie Ihren Krimi und das Smartphone beiseite und lauschen Sie", hatte Verlagschef Helmut Graf aufgefordert.

Und für keinen sonst musste das so treffend gelten, wie für den "großartigen Predigt-Lehrer" Fulbert Steffensky, sagte seine Laudatorin Pfarrerin Dorothee Löhr. Immer habe er "unaufgeregt und beständig, warmherzig und weise, subversiv, nachdenklich, gebildet, plausibel und deshalb applausfähig" gesprochen.

Steffensky zeichne sein "Charisma der Kargheit", seine "Schwarzbrot-Spiritualität", aber auch seine wunderbar sinnliche Sprache aus, lobte Löhr. Der ökumenische Brückenbauer habe die Predigt immer als Bildungsaufgabe begriffen. Die von der Jury um Wolfgang Thielmann prämierte Steffensky-Predigt ist denn auch ein Kabinettstück an Ritt durch die aktuellen kirchlichen Befindlichkeiten.

Von der "alten Dame Kirche" redet der Maestro da, einer zweifellos schönen Frau, von der "die draußen" aber auch ab und zu denken, "die Alte ist schon wieder besoffen. Amen". Erfreulich aus Bonner Sicht: Unter den "herausragenden Predigten" ist auch eine, die der Bonner Ex-Superintendent Burkhard Müller zum Thema Burnout auf die Trinitatiskirchenkanzel brachte.