Déjà-vu der besonderen Art

Freundeskreis auf dem Bonner KunstRasen

BONN. Die Hip-Hop-Band Freundeskreis macht mit der Reunion-Tour auf dem KunstRasen Station. Rund 2500 Zuschauer sahen sich das Konzert am Sonntagabend an.

Es ist, als wäre es gestern gewesen. So, als hätte es nie eine Pause gegeben, eine Abwesenheit, eine Auszeit. Dennoch ist es bereits drei Jahre her, dass Max Herre zuletzt auf dem KunstRasen zu Gast war; elf Jahre seit der letzten Jubiläumstour des einstigen Hip-Hop-Vorzeige-Kollektivs Freundeskreis; und 21 Jahre seit dem Erfolgsalbum „Die Quadratur des Kreises“.

Nun machen Sänger Herre, Produzent Don Philippe und DJ Friction genau da weiter, wo sie einst aufgehört haben und sorgen so für ein Déjà-vu der besonderen Art. Denn auch wenn Max Herre wie eh und je im Rampenlicht steht, machen seine FK-Kollegen doch den Unterschied zwischen der soullastigen Radio-KAHEDI-Show und der Rap-Retrospektive mit den wuchtigen Bässen, die an diesem Abend aus den Boxen schallt und das Publikum ohne Umwege zurück in die 90-er katapultiert.

Grundsätzlich folgt das Konzert mehr oder weniger demselben Rezept wie 2015. Erneut sind Joy Denalane mit ihren Soul-Soli sowie die Rapper Afrob und Megaloh mit von der Partie. Doch statt dem Orchester der Radio-KAHEDI-Tour sorgen zwei Drumsets sowie eben Don Philippe und DJ Friction für den entsprechend druckvollen Sound und erlauben so den Rückgriff auf Klassiker wie das weiterhin überragende „Esperanto“, das überaus massiv wirkt, auch wenn Joy Denalane mit ihrer fantastischen Stimme einen schönen Kontrast bildet und wunderbar mit dem Sprechgesang ihres Gatten harmoniert.

Die beiden sind eben auch auf der Bühne ein tolles Paar, was sich nicht zuletzt bei „1ste Liebe“ zeigt. Doch auch Afrob und Megaloh erweisen sich als ideale Ergänzungen und werfen sich die Verse mühelos zu, egal ob es sich nun um Freundeskreis-Hymnen a la „FK 10“ oder „A-N-N-A“ handelt oder um Herres eigene Stücke wie etwa „Rap ist“.

Frenetischer Applaus

Zugegeben, irgendwie kennt man das ja schon. Allzu enttäuschend ist dies allerdings nicht, dafür sind die Künstler auf der Bühne einfach zu gut und die Zeilen, die mit ihrem lyrischen Tiefgang und ihrer poetischen Eleganz einen bewussten Gegenentwurf zum Aggro-Rap der Berliner Szene bilden, schlichtweg zu eindrucksvoll.

Kombiniert mit der Herre eigenen musikalischen Offenheit und Experimentierfreudigkeit sowie der Hip-Hop-Prominenz im Rampenlicht und im Hintergrund entsteht ein groovendes Gesamtkunstwerk, dem sich auf dem KunstRasen niemand entziehen kann. „Alle Hände gehen hoch“ ist das Motto des Abends, und rhythmisch wippen die Arme in der Abendsonne.

Die rund 2500 Zuschauer sind am Ende eines gut zweieinhalbstündigen Parforce-Ritts durch die Untiefen der Stuttgarter Hip-Hop-Geschichte und die Höhen des deutschen Soul schlichtweg begeistert und feiern Herre und seinen erweiterten Freundeskreis mit frenetischem Applaus.