Rote Zahlen

Finanzielle Schieflage beim Beethovenfest

Künstlerischer Erfolg, finanzieller Rückschlag: Konzert des Beethovenfests mit dem MDR-Synphonieorchester im WCCB.

Künstlerischer Erfolg, finanzieller Rückschlag: Konzert des Beethovenfests mit dem MDR-Synphonieorchester im WCCB.

Bonn. Das Beethovenfest steckt tief in den roten Zahlen. Noch ist unklar, welche Konsequenzen das Fest aus dem Minus von 650.000 Euro ziehen wird.

Es war abzusehen, dass zwischen künstlerischer und finanzieller Bilanz nach dem diesjährigen Beethovenfest eine deutliche Lücke klaffen würde. Das Bild leerer Stuhlreihen blieb im Großen Saal des World Conference Centers im September niemandem verborgen. Dass Intendanz und Geschäftsführung des Festivals nun ein Defizit von 650.000 Euro einräumen müssen, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Freitag berichtete, ist eine Nachricht, die die Beethovenstadt kurz vor dem großen Jubiläumsjahr 2020 hart trifft. Denn es könnte sein, dass Intendantin Nike Wagner beim ohnehin schon kleiner geplanten Beethovenfest 2019 noch ein paar Veranstaltungen wird streichen müssen.

Der WDR berichtet von internen Unterlagen, die den Verlust in der genannten Höhe beziffern. „Alle Rücklagen und auch das Stammkapital der GmbH reichen nicht für einen Ausgleich“, heißt es in der Meldung des WDR. Ursachen für das Minus seien demnach steigende Kosten und sinkende Ticketeinnahmen.

Wichtigste Geldgeberin ist nach wie vor die Stadt Bonn, die das Festival jährlich mit 1,6 Millionen Euro unterstützt. Neben der ortsansässigen Deutschen Welle ist die Stadt auch  Gesellschafterin des Beethovenfests. Dort hält man sich derzeit mit Reaktionen noch bedeckt. Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, teilte am Freitag auf Anfrage mit: „Intendanz und Geschäftsführung haben bereits Maßnahmen eingeleitet, die jetzt Wirkung zeigen müssen. Dem wird die Stadt nicht vorgreifen.“ Dabei genießen Wagner und ihr kaufmännischer Geschäftsführer Dettloff Schwerdt-feger weiterhin das Vertrauen Sridharans.

Persönlich wollten sich am Freitag weder Wagner noch Schwerdtfeger äußern, schickten aber eine Mitteilung. Darin berichten sie von der eilig einberufenen Sondersitzung des Aufsichtsrats am Freitag: „Gegenstand der Beratung war die aktuelle Planungsperspektive für das Festival im Kontext eines drohenden Defizits für 2018. Dieses kann zu einem hohen Anteil aus Ergebnisvorträgen der Gesellschaft finanziert werden.“

Werner Hümmrich, Vorsitzender des Finanzausschusses des Rates, befürchtet, dass die Stadt für den Ausgleich des Defizits aufkommen muss. Er zeigte sich am Freitag irritiert über die schlechten Nachrichten vom Beethovenfest. „Ich hätte schon erwartet, dass die Ratsfraktionen frühzeitig informiert werden und so etwas nicht erst aus den Medien erfahren“, erklärte der FDP-Politiker. Er geht nach einem Gespräch mit Kämmerin Margarete Heidler davon aus, dass die Finanzlücke beim Beethovenfest mit einer sechsstelligen Nachtragszahlung aus dem Stadthaushalt ausgeglichen werden muss. Hümmrich will Schwerdtfeger deshalb in der nächsten Sitzung des Finanzausschusses um einen Bericht bitten.

Zu Fragen, ob Sponsorengelder rückläufig sind, und wie die Entwicklung bei den Ticketverkäufen aussieht, halten sich die Verantwortlichen noch bedeckt. Interessant dürfte auch die Frage sein, ob man sich angesichts eines möglichen Imageverlusts so kurz vor dem Jubiläumsjahr 2020 überhaupt einen Sparkurs leisten kann.

Der Bund will das Bonner Festival 2019 mit 400.000 Euro fördern

Zwar hat der Bund, wie berichtet, gerade erst für 2019 Fördermittel über 400.000 Euro freigegeben. Doch mit seiner Förderung auch über 2019 hinaus will der Bund vor allem dazu beitragen, das Festival zu internationalisieren, nicht aber finanzielle Löcher zu stopfen.

In den Fraktionen löste die Nachricht am Freitag eher zurückhaltende Reaktionen aus. „Es ist sehr bedauerlich, dass ein künstlerisch erfolgreiches und bis zur Stilllegung der Beethovenhalle vom Publikum sehr gut angenommenes Beethovenfest finanziell in eine derartige finanzielle Schieflage geraten ist“, kommentierte die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Fenja Wittneven-Welter, die finanzielle Situation. „Wir erwarten, dass der zuständige Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Ashok Sridharan, dafür sorgt, dass die Ursachen aufgeklärt werden. Danach müssen, gemeinsam mit der Intendantin und der kaufmännischen Geschäftsführung, Lösungsvorschläge zum Ausgleich und zur Vermeidung weiterer Defizite gemacht werden.“

Die CDU-Fraktion war am Freitag nicht zu erreichen. Für ihren Koalitionspartner im Rat, die Grünen, sagte Tim Achtermeyer, dass jetzt die wichtigen Ursachen transparent auf den Tisch müssten, um die weiteren Planungen für 2019/2020 auf eine realistische Grundlage zu stellen und möglichen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Achtermeyer: „Ziel muss es aber sein, dass das Beethovenfest mit der Unterstützung von Bund und Land gestärkt und nicht geschwächt in das Beethovenjahr 2020 geht.“

Als Erklärung für die schwache Auslastung hatte Wagner selbst nach dem Festival im September in einem GA-Interview unter anderem die Terminierung des Festivals angegeben. Wagner: „Eine Erklärung dafür ist, dass wir wegen der Belegung des WCCB sehr früh anfangen mussten. Die Bonner waren eben erst aus den Ferien zurück.“

Zudem bestätigte sie, dass das WCCB als Ersatz für die wegen der sich hinziehenden Sanierung geschlossenen Beethovenhalle beim Publikum auf wenig Gegenliebe stoße. „Viele warten jetzt offenbar auf die Wiedereröffnung der Beethovenhalle. Aber bis dahin ist das WCCB ,alternativlos'“, sagte die Intendantin im September.