Euro Theater Central feiert 40-jähriges Bestehen

Am 6. Dezember 1969 nahm die Bühne mit dem Stück "Love-Play" von Alexander Gross ihren Betrieb auf

Bonn. Auch Theater kommen in die Jahre. Das Bonner Stadttheater hat gerade seinen 150. in der Oper gefeiert, jetzt meldet das Euro Theater Central den 40. Geburtstag.

Am 6. Dezember 1969 nahm die Bühne zuerst als Theater Central mit dem Stück "Love-Play" von Alexander Gross seinen Betrieb auf - in der Nachtbar "Igel", dem heutigen Café Göttlich in der Bonner City.

1972 zogen die Theaterleute ein paar Meter weiter in den Mauspfad, wo das Haus seither im ersten Stock nahezu allabendlich seine Türen öffnet. Der europäischen Grundidee des Theatergründers Claus Marteau ist seine Frau Gisela Pflugradt, seit Marteaus Tod 1995 amtiert sie als Intendantin, immer treu geblieben.

Was macht den einzigartigen Charme der kleinen Bühne aus? Der abwechslungsreiche Spielplan, das direkte, intensive Theatererlebnis und gelebtes, nicht nur rhetorisch beschworenes Europa. Am 13. Dezember feiern die Euro-Theaterleute im Akademischen Kunstmuseum Geburtstag.

Ursprünglich wollte Claus Marteau Priester werden. Er besuchte in Hildesheim das katholische Josefinum und entdeckte die prägende Kraft des Glaubens. Der Katholizismus blieb seine geistige Heimat, auch wenn ihn der Weg dann doch zur Schauspielerei führte. Diese Entscheidung war ein Glücksfall für das Bonner Theaterleben.

Mit Leidenschaft führte Marteau gemeinsam mit Gisela Pflugradt das Euro Theater Central am Mauspfad, ermöglichte Bühnenereignisse in einem kleinen Rahmen, "in dem man sehr wohl Großes schaffen kann", wie er zu Recht bemerkte. Marteau, dessen Vater Franzose war, wurde am 8. Oktober 1927 als Claus Wernert in Osterode (Harz) geboren und wuchs im Niedersächsischen auf.

Die Nähe zur Religion verband sich bei ihm mit der Liebe zur Geschichte. Er sammelte Antiquitäten und historische Raritäten, entzückt war er immer, wenn seine Funde Verwendung in Theaterproduktionen fanden. Die faszinierende Wirkung des Theaters erfuhr er bereits in der Jugend. Marteau hatte Spaß an Kostümierung. Er erlebte eine der letzten privaten Wanderbühnen "eine richtige, herrliche Schmiere" und wollte bereits in der Quarta Schiller inszenieren.

Bereits 1942 sprach er in Weimar mit Rollen wie dem Wagner aus "Faust" und Don Carlos vor, besuchte die Schauspielschule in Celle und bestand die Aufnahmeprüfung am Staatstheater Oldenburg. In Göttingen, wo er an das Staatstheater und das Theater der Jugend verpflichtet wurde, spielte er mit 20 Jahren den Mortimer, mit 22 Jahren den Don Carlos. Nach dem Krieg gründete er in Osterode die "Hausbühne", ein Theater, das durch die Häuser zog und in privatem Kreis spielte.

1963 lernte er die Tänzerin und jetzige Intendantin und Regisseurin Gisela Pflugradt kennen. Ihr gemeinsames Projekt, das 1969 gegründete Theater Central, das später in Euro Theater Central umbenannt wurde, ist die Verwirklichung einer konsequent verfolgten Idee. Das Einraumtheater sah Marteau als idealen Raum für theatralische Konflikte und szenische Experimente.

Das Wort "Euro" im Theaternamen war im Fall des künstlerischen Leiters Marteau alles andere als eine modische Vorsilbe. Lange bevor der Begriff Europa zur Lieblingsvokabel der Politiker wurde und schnell zu einer Leerformel verkam, widmete Marteau sich ernsthaft einem kulturellen Dialog im europäischen Maßstab.

Sein vielfältiger, ehrgeiziger Spielplan unter dem programmatischen Titel "Weltbilder, Zeitbilder, Zukunftsbilder" spiegelte dieses Anliegen. Er war mit Recht stolz auf das gemeinsam mit Gisela Pflugradt Erreichte. Für ihn war das Euro Theater Central "nicht unvergleichlich, aber ohne Vergleich".