Eugénie Musayidire aus Heisterbacherrott bekommt einen Grimme-Preis

Jury würdigt Dokumentarfilm über einen Mord in Ruanda in der Kategorie "Spezial"

Heisterbacherrott. Seit Anfang der vergangenen Woche stehen die neuen Grimme-Preisträger fest. Unter ihnen ist Martin Buchholz. Er hat die Jury mit seinen Dokumentarfilmen "Der Mörder meiner Mutter" (ARTE/SWR) und "Gott segne unsern Überfall" (SWR) überzeugt. Am kommenden Freitag nimmt er die begehrte Auszeichnung in Marl entgegen.

An seiner Seite wird an dem Tag Eugénie Musayidire stehen. Die 50-Jährige, die in Heisterbacherrott wohnt, ist die Protagonistin des Films "Der Mörder meiner Mutter".

Buchholz und sein Team begleiteten Eugénie Musayidire nach Ruanda. Die Tutsi-Frau ist dort geboren und aufgewachsen, in den 70er Jahren flüchtete sie als politisch Verfolgte nach Deutschland.

Im April 1994 erfuhr sie vom Tod ihrer Mutter und ihres Bruders. Beide sind Opfer des Völkermordes, der in der Nacht zum 7. April 1994 begann und eine Millionen Menschenleben forderte. Gestorben sind sie durch die Hand eines früheren Spielkameraden Eugénies - einem Hutu. Die heute 50-Jährige verstand nicht, was in ihrer alten Heimat geschehen war, haderte mit ihrem Schicksal.

Erst sieben Jahre später, 2001 traute sie sich zurück nach Ruanda. Sie machte sich auf, zu verstehen, sah dem Mörder ihrer Mutter in die Augen, sprach mit ihm und verfolgte seinen Prozess. Stets dabei Martin Buchholz und sein Team.

"Sie haben mir Mut zugesprochen, mit mir geweint und mich stark gemacht", sagt Eugénie Musayidire. Die Dokumentation lebt vom vertrauten Verhältnis zwischen Eugénie und ihren Begleitern. Das überzeugte letztlich auch die Grimme-Jury. Sie attestiert Buchholz großes Einfühlungsvermögen.

"Er kommt seinen Protagonisten sehr nah und respektiert doch stets die Grenzen der Intimität." Er begleite Menschen und übersetze das Miterlebte und Erzählte in eine filmische Form. Dabei nähere er sich dem Grauen an, ohne mit dem Schrecken zu spielen. "Er macht greifbar, was geschehen ist", heißt es in der Begründung.

Eugénie Musayidires Freude über den Grimme-Preis ist groß. Schon die Nominierung des Films habe sie sehr glücklich gemacht, an einen Preis habe sie gar nicht zu hoffen gewagt. "Die Auszeichnung ist eine Anerkennung dessen, was in Ruanda geschehen ist." Der Film lasse Ruanda zu Wort kommen und halte die Erinnerung an die Schrecken des Völkermordes wach.

"Die vielen Opfer dürfen nicht vergessen werden", sagt Eugénie und setzt sich intensiv ein. In Siegburg arbeitete sie beim Referat- und Ausländerbeirat des Evangelischen Kirchenkreises, jetzt ist sie beim Evangelischen Entwicklungsdienst in Bonn tätig.

"Mir liegen besonders die traumatisierten Kinder am Herzen." Daher habe sie den Verein "Hoffnung in Ruanda" ins Leben. Der hat sich ein Ziel gesetzt: ein Begegnungszentrum für Jugendliche in Ruanda. Einen Platz haben die Engagierten schon: das Grundstück von Eugénies Eltern.

Informationen unter (0  22  44)  87 27 34 und im Internet unter www.Hoffnung-in-Ruanda.de