Bonner Frauenmuseum

Erotik, Sinnlichkeit und Intimität

Zielsicher: Die Künstlerin Annegret Soltau.

Bonn. "Das wird wohl unser Sommerschocker werden", wittert Kuratorin Marianne Pitzen. In der Tat gerät Annegret Soltau mit der knallharten Prosa ihres kompromisslosen und kontroversen Solos "Einheit und Trennung - Familienbilder" in die Randzonen von Erträglichkeit oder Verkraftbarkeit.

Andererseits gewinnt das dazugehörige Dachpanorama "Single Moms" durch die verstörende Werkrevue der 1946 geborenen Hamburger Hochschulabsolventin durchaus an Brennschärfe und aktueller Zugkraft.

Die von der in Darmstadt lebenden Künstlerin zielsicher geworfenen Steine des Anstoßes sind vornehmlich monumentale Aktaufnahmen, deren Eindringlichkeit die für Soltau typischen "Vernähungen" und "Übernähungen" und hiermit gekoppelte organische Sezierungsakte und wahrlicher Zerreißproben steigern.

Diese seit den siebziger Jahren rigoros entwickelte Methode steht im Zeichen einer existenziellen Daseinserforschung sowie einer soziologischen Spurenfahndung und nicht zuletzt unter dem Diktat einer systematischen, stichhaltigen Präzisionsarbeit, begleitet von meditativen Betrachtungen zum Kapitel Werden, Sein und Vergehen. Darüber hinaus gewinnt eine heiß operierende Nadel den Aspekten Erotik, Sinnlichkeit und Intimität eine markant fremdartige, gleichwohl intensive Präsenz ab.

Die innere Geschlossenheit des in vier Raumpartituren aufscheinenden, empirischen Auseinandersetzungsprozesses gewährleistet die konstant als Protagonistin fungierende Künstlerinnenpersönlichkeit und deren als Medium, Katalysator agierender Körper. Die eigensinnig konstruierten Fotocollagen folgen unmittelbar auf zurückliegende Auslotungen der Instrumentarien Grafik (Porträt), Fotografie und Performance.

"Ich nähe mich gleichsam durch meine eigene Biografie sowie durch die verschiedenen Schaffensphasen", schreibt Soltau zu Beginn mit blasser Bleistiftschrift auf die Wand der Raumsuite "selbst". Grafisch bearbeitete SchwarzWeiß-Aufnahmen fokussieren einen kokonartig verschnürten Körper, gefolgt von Liniensystemen durchkreuzten Selbstporträts. Erkundungen der persönlichen Identität, von privaten Emotionen wie Ängsten, Verwundungen, das Neuland "Schwangerschaft", die einschneidende Erfahrung von Geburt, das "transgenerative" Modell Familie und seine Rollenspiele.

Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, bis 7. September. Di- Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr.