Schumannfest

Erinnerung an Clara Wieck

BONN. Ein ganz besonderer "Zauber des Anfangs" - so das Motto des diesjährigen Schumannfestes - wohnt sicherlich den Erstlingswerken des zehnjährigen Mädchens Clara Wieck inne, erläuterte Ingrid Bodsch vom Stadtmuseum Bonn beim vorletzten Konzert des Endenicher Festivals im Schumannhaus.

Bis auf eine Klavierparaphrase von Franz Liszt über Schumanns "Widmung" präsentierten Irmelin Sloman (Sopran) und Thomas Palm (Klavier) ein reines Schumann/Wieck-Programm am 118. Todestag von Clara Schumann. Es sei nicht leicht gewesen, gestand Thomas Palm, sich bei der Vorbereitung in die Gefühlswelt der jungen Clara zurückzuversetzen, deren vier Polonaisen Opus 1,1-4 Selbstbewusstsein belegen, eine kindliche Naivität aber natürlich zu spüren ist.

Er kontrastierte die Polonaisen mit den zwei bis drei Jahre später entstandenen "Caprices en forme de Valse", die er mit Elan vortrug. Eröffnet hatte Palm den Abend mit zwei Liedern von Schumann, die Clara für Klavier solo übertragen hatte. Der Einstieg zu "Sehnsucht" (op. 51,1) geriet noch etwas steif, steigerte sich aber rasch zu romantischem Überschwang in "Rose, Meer und Sonne" (op. 37,9).

In den tieftraurigen Variationen über ein verschollenes Andantino von Clara Wieck war Palm ganz in seinem Element. Spannend nach Slomans Vortrag von Clara Schumanns "Volkslied" und der Ballade "Lorelei" wurde der unmittelbare Vergleich von Schumanns "Widmung" und Claras und Liszts Transkription: Schafft Clara ein intimes Klangbild des Originals, geht Liszt in die Vollen, was Palm virtuos auskostete. In einer Rarität war der "Liederkreis" nach Joseph Freiherr von Eichendorff (op. 39) zu hören.

Sechs Lieder spielte Palm sehr einfühlsam und sechs Lieder interpretierte Sloman mit schöner Intensität. "Ich stand in dunklen Träumen" von Clara Schumann erklang als Zugabe.