Licht- und Luftgestalten

Elektro-Pionier Jean Michel Jarre mit großer Show auf dem KunstRasen

Bonn. Seit über 40 Jahren begeistert Jean Michel Jarre seine Fans mit Musik und ausgefeilten Shows. Jetzt hat er sein Können am Bonner KunstRasen erneut unter Beweis gestellt.

Laser zucken über die Bühne, formen Muster und Bilder, illuminieren die leise atmenden Bäume und das atemlose, aufmerksame und begeisterte Publikum. Luft und Licht, mehr braucht es nicht für Jean Michel Jarre, um Menschenmassen in seinen Bann zu schlagen. Das und natürlich seine legendäre elektronische Musik. Seit mehr als 40 Jahren fasziniert der Franzose mit seinen sphärischen Klangkonstellationen und ausgefeilten Shows, die in der Regel perfekt an den jeweiligen Ort angepasst sind.

So wie jetzt auf dem KunstRasen, auf dem Jarre seine Magie wirken lässt und dafür sogar den Post-Tower mit einbezieht: Auf der Fassade laufen mit Einbruch der Dunkelheit sichtbare Licht-Animationen, die an das Cover des Albums "Équinoxe" erinnern und die an diesem Abend als weithin sichtbares Signal für Jarres Wirken dienen.

Jarre fährt ganzes Repertoire auf

Eigentlich ist Jarre dennoch Größeres gewohnt. Viel Größeres. 3,5 Millionen Menschen haben sein Konzert anlässlich der 850-Jahr-Feier Moskaus miterlebt, zwei Millionen waren es einmal in Paris. Er hat die Pyramiden von Gizeh in seine Show mit einbezogen, das Tote Meer, die Verbotene Stadt und die Akropolis. Der KunstRasen wirkt dagegen winzig, zumal die Besucherzahl von rund 2000 noch nicht einmal annähernd der Bedeutung Jarres gerecht wird. Nichtsdestotrotz scheint der 68-Jährige sich wohlzufühlen, verbeugt sich auch ausdrücklich vor Beethoven und fährt alles auf, was er in seinem Repertoire hat: all die alten und neuen Stücke mit ihren zu den Sternen strebenden Melodien, die unter anderem Massive Attack, Tangerine Dream und Pete Townshend maßgeblich beeinflusst haben.

Hier Kompositionen aus den beiden Alben „The Time Machine“ und „The Heart of Noise“ inklusive des mit einem Manifest Edward Snowdens versehenen Stücks „Exit“, mit denen Jarre 2015 nach dreijähriger Abstinenz seine Rückkehr auf die Bühnen gefeiert hat, da Auszüge aus Klassikern wie „Équinoxe“ – und natürlich aus „Oxygène“, aus dem Ende 2016 erschienenen Abschluss der Trilogie ebenso wie aus jenem, mit dem vor 40 Jahren der Siegeszug des Franzosen begann.

 

War der erste Teil noch dramatisch aufgeladen und der zweite erstaunlich poppig, ist der dritte eine Melange und logische Konsequenz der Vorgänger, mal am Rande von melancholischem Darkwave-Futurepop, dann wieder inmitten strahlender Ausgelassenheit. Die eleganten Melodien schweben über schimmernden, pulsierenden Synthi-Feldern, die eine hypnotische Wirkung ausüben, und auch wenn das Publikum nur vereinzelt dazu tanzt, springt doch der Funke über. Es hilft, dass der Himmel bewölkt ist, wenn auch zum Glück nicht mehr so regenschwanger noch kurz zuvor – so kann das Lichtspektakel bis in die späten Abendstunden seine volle Wirkung entfalten. Weniger hätte ein Weltstar wie Jean Michel Jarre auch nicht verdient.