Europäische Musikakademie Bonn

Einrichtung löst sich nach 25 Jahren auf

Der Komponist Krzysztof Meyer war der letzte Vorsitzende der Europäischen Musikakademie.

Bonn. An der Spitze der Gratulanten zum 25-jährigen Bestehen der Europäischen Musikakademie Bonn in diesem Frühjahr stand NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Ich wünsche der Europäischen Musikakademie und allen Absolventen weiterhin viel Erfolg", schrieb sie in ihrem Grußwort für die Festschrift, die zu diesem Anlass herausgegeben worden war. Was die Ministerpräsidentin nicht wusste: Die Jubiläumssaison würde die letzte dieser verdienstvollen Einrichtung sein.

Nach dem jüngsten Interpretationskurs, zu dem wie schon vor 25 Jahren junge Musiker aus ganz Europa nach Bonn gereist waren, fiel endgültig der Vorhang.

Die Hintergründe für das Aus sind finanzieller Natur, wie die Justiziarin des Vereins, Hella Fischer, jetzt erläuterte. Seit die Stadt Bonn sich 2010 aus der Förderung zurückgezogen hatte, habe der Verein keine Möglichkeit mehr gesehen, die Musikakademie fortzuführen.

Im Jahr 2011 habe man den Interpretationskurs schon ausfallen lassen müssen, für das Jubiläumsjahr habe man noch einmal viele Kräfte mobilisieren können und den Interpretationskurs mit einmaliger finanzieller Unterstützung durch die Rheinische Stiftung für Bildung, Wissenschaft und berufliche Integration auf die Beine stellen können.

Fischer und auch Krzysztof Meyer, Vorsitzender des Vereins, betonen, dass sie den Beschluss der Stadt akzeptieren. "Wir möchten hier keine Vorwürfe erheben", sagt Fischer, die ihre Sache von Lokalpolitikern wie der Bad Godesberger Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann (CDU) durchaus unterstützt sah. Pro Kurs habe die Stadt 18.000 Euro gegeben, hinzu kam weitere indirekte materielle Hilfe. Unter anderem war Musikakademie-Gründer Michael Krause über viele Jahre als Musiklehrer der städtischen Musikschule für die Organisation der Musikakademie freigestellt und konnte zudem die Büros der Musikschule nutzen.

Doch auch wenn die Akademie die Streichung der Mittel akzeptiert, ist das Bedauern über das Ende nicht geringer. "Das ist eine wunderbare Perle gewesen", sagt Fischer. Angefangen hatte alles zu Bonns Bundeshauptstadtzeiten, noch vor dem Fall der Mauer. "Ziel war es, jungen Musikern eine Chance zu geben, mit namhaften Künstlern zusammenzuarbeiten. In der ersten Zeit war es natürlich vor allem für die jungen Musiker aus dem Osten Europas sehr attraktiv, nach Bonn zu kommen", erläutert Krzyszof Meyer, der zu den bedeutendsten polnischen Komponisten seiner Generation zählt und in Köln als Hochschullehrer tätig ist.

Der Musikakademie sei es immer wichtig gewesen, die Kurse gebührenfrei anbieten zu können. Was schon insofern eine erhebliche Leistung darstellte, als man ausschließlich sehr namhafte Dozenten nach Bonn einlud, darunter Maria Kliegel (Violoncello), Ana Chumachenko (Violine) oder in jüngerer Zeit Paul und Gustav Rivinius (Klavier und Violoncello) und der Klarinettist Eduard Brunner, der den 2012er Kurs leitete. "Die Leidenschaft bei den jungen Musikern war da immer außerordentlich groß", sagt Meyer. Und Fischer ergänzt: "Wenn wir könnten, hätten wir weitergemacht."