"Wesendoncks in Bonn"

Eine spannende Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Karl Ferdinand Sohns Porträt zeigt Mathilde Wesendonck 1850. Es befindet sich im Besitz des LVR-Landesmuseums.

BONN. Wie sich die Herzen wogend erheben! Wie alle Sinne wonnig erbeben!" Zu diesen Worten aus dem Munde Tristan und Isoldes muss man sich noch die rauschhafte Musik Richard Wagners vorstellen und man bekommt eine Ahnung davon, welch inspirierende Kraft Mathilde Wesendonck (1828-1902), die junge Gattin des unglaublich reichen Kunstsammlers und Wagner-Förderers Otto Wesendonck, als Muse auf den Komponisten ausgeübt haben muss.

Der Ort des durchaus amourösen Geschehens, das schließlich in einem großen Eifersuchtsdrama gipfeln sollte, war Zürich, wo der in Deutschland polizeilich gesuchte Komponist 1852 die Wesendoncks kennengelernt hatte und mit seiner Frau Minna Asyl bei ihnen fand.

Wenn Kuratorin Ingrid Bodsch nun für das Bonner Stadtmuseum im Ernst-Moritz-Arndt-Haus eine überaus spannende und informative Ausstellung über die Familie Wesendonck aus eigenen städtischen Beständen zusammenstellen konnte, hat das freilich mit einem späteren Kapitel der Familienbiografie zu tun. Auf dem hiesigen Alten Friedhof befindet sich das repräsentative, vom rührigen Wagner-Verband Bonn/Rhein-Sieg gepflegte Familiengrab der Wesendoncks, deren Nachlass inklusive großer Teile der Kunstsammlung Ottos später nach Bonn ins städtische Archiv beziehungsweise in die Bestände des Rheinischen Landesmuseums gelangte.

Eine besonders enge emotionale Beziehung pflegte die ursprünglich aus Elberfeld stammende Familie zu Bonn eigentlich nicht. Sie ergab sich eher zufällig durch Bonns Status als gefragte Universitätsstadt. Zu Lebzeiten hielt sich Mathilde Wesendonck möglicherweise nur einmal in Bonn auf, als sie 1876 ihren ältesten Sohn Karl von Dresden aus an den Rhein begleitete. Es gibt zwar Vermutungen, dass sie auch 1881 ihren jüngeren Sohn Hans zum Studienbeginn nach Bonn begleitet und bei dieser Gelegenheit ihre Tochter Myrrha besucht haben könnte, deren Ehemann Moritz von Bissing hier für ein Jahr als Rittmeister bei den Husaren stationiert war. Gesichert ist das jedoch nicht.

Nur kurz, nachdem Hans nach Bonn gekommen war, erkrankte der junge Student schwer und starb. Da die Eltern zu der Zeit sich auf einer Reise durch Oberägypten befanden, organisierte Moritz von Bissing das Begräbnis. Zwei Jahre später bestimmten die Wesendoncks die letzte Ruhestätte des geliebten Sohnes, der immer der Sonnenschein der Familie gewesen war, zum Familiengrab.

Die Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus erzählt die Geschichte anhand vieler originaler Dokumente und Familienporträts. Man lässt sich gern ein auf diese Zeitreise ins 19. Jahrhundert, taucht ein in die Welt der opulenten Stadtvillen, die sich die Wesendoncks in ihren Wohnorten Zürich, Dresden und Berlin errichten ließen. Und man erfährt zahlreiche spannende Details. Etwa, dass Mathilde Wesendonck vor ihrer Heirat Agnes Luckemeyer hieß und den späteren Vornamen erst auf Bitten Ottos annahm, dessen Schwester ebenso Mathilde hieß wie seine erste, früh verstorbene Frau.

Mathildes Geist wirkt bis heute nach. Er schwebte auch über der Bonner Inszenierung von "Tristan und Isolde", die zum Wagnerjubiläum im April Premiere hatte. Große Teile der Handlung ließ Regisseurin Vera Nemirova in einem Treibhaus spielen. Und "Im Treibhaus" heißt auch eines jener Gedichte Mathildes, die Wagner in seinen "Wesendonck-Liedern" vertonte. Danach hat er nie wieder einen Vers eines fremden Dichters in Musik gesetzt.