Beethovenhalle

Ein sehr merkwürdiges Liebespaar

BONN. "Er ist so ladylike und sie ein vollendeter Gentleman", schrieb ein Zeitgenosse etwas spitz über das merkwürdige Liebespaar: Die sozialkritische feministische Schriftstellerin mit dem männlichen Künstlernamen George Sand und der junge polnische Komponist und Klaviervirtuose Frédéric Chopin.

Sie war 34, er 28, als sie sich wegen seines labilen Gesundheitszustandes im November 1838 nach Mallorca begaben. George hatte ihren ebenfalls kränkelnden 15-jährigen Sohn Maurice und ihre 10-jährige Tochter Solange mitgebracht. Ziemlich kühl beobachteten die Mallorquiner die exzentrische Gesellschaft aus Paris.

In ihrem Buch "Ein Winter auf Mallorca" beschrieb George Sand die verregneten Monate auf der Baleareninsel. In der fast ausverkauften Beethovenhalle las die Bonner Diseuse Stefania Adomeit einige Passagen aus George Sands diskret scharfsinnigen Erinnerungen: zierlich elegant mit leiser Ironie und verhaltenem Pathos. Leider erst zum Schlussapplaus nach guten zwei Stunden im eleganten Herrenanzug der Dame, die ihren Chopin um mehr als zweieinhalb Jahrzehnte überlebte.

Für das gehörige romantische Pathos sorgte am Flügel Vladimir Mogilevsky mit Tasten-Löwen-Mähne und robuster Sentimentalität. Natürlich standen die 24 Préludes op.28 im Mittelpunkt, an denen Chopin auf Mallorca arbeitete. Mogilevsky spielte Chopin, ließ die berühmten Regentropfen glitzern, beschwor drohende Wolken, schillernde Schwermut, gespenstische Scherzi, Mazurken-Laune, Polonaisen-Fieber und üppigen südlichen Duft. Technisch brillant kokettierte er mit der Lebens- und Leidenssehnsucht des Komponisten.

Das Publikum genoss die raffinierten Etüden, auch wenn kein Programmzettel vorlag, der die Nummern dieser reizenden Revue benannte. Stefania Adomeit, die auch für die Dramaturgie des Abends verantwortlich war, hätte gern noch ein wenig mehr erzählen dürfen über die komplizierte Künstlerbeziehung, die erst 1847 endgültig zu Bruch ging.