Bonn, Köln und Ratingen erinnern an den Maler Hann Trier

Ein Tänzchen vor der Kunst

Im vergangenen Jahr ist der Informel-Pionier K. O. Götz in den Club der hundertjährigen Malerhelden aufgerückt und wurde mit großen Ausstellungen gewürdigt. In diesem Jahr erinnert die Kunstwelt an den vor hundert Jahren geborenen Bernard Schultze - er starb 2005 in Köln, wird dort gegenwärtig im Museum Ludwig und im Arp Museum Rolandseck gefeiert - und an den in Köln aufgewachsenen Maler Hann Trier, der am 1. August 1915 geboren wurde und 1999 in der Toskana gestorben ist.

An den für seine wunderbaren, schwerelosen - im Fall von Köln allerdings höchst umstrittenen - Deckenbilder berühmten Maler Hann Trier erinnern drei sehr unterschiedliche Ausstellungen. Vor zwei Tagen wurde in Ratingen eine Schau mit Arbeiten des jungen Trier eröffnet. Gestern startete im LVR-Landesmuseum in Bonn die eindrucksvolle Präsentation "Der unbekannte Trier", und Mitte September beginnt eine Schau mit Trier-Aquarellen im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum.

Das imaginäre Zentrum dieser Ausstellungs-Trias liegt in Bonn, denn dort begegnen wir dem Maler quasi im Atelier. Als die Kunststiftung Hann Trier das Wohnatelier des Künstlers in Vollem bei Mechernich in der Eifel aufgeben musste, wurden etwa das Atelier und das von Trier herrlich ausgemalte Arbeitszimmer seiner Frau, der Soziologin Renate Mayntz, fotografiert und quasi 1:1 ins Landesmuseum transferiert. Außerdem fanden sich im Nachlass Werke, die bislang noch nicht ausgestellt waren.

Man wird die schillernde Biografie Triers danach nicht neu schreiben müssen, aber insbesondere seine Vielseitigkeit wird durch die Funde erneut belegt: Er hat ein Kleid für seine Frau bemalt und für sich selbst eine Krawatte, hat witzige Akte als Reliefs gestaltet. Aufregend die auf drei Bildern ablesbare Genese eines Deckenbildes für eine unbekannte Bibliothek.

Die Abfolge belegt, dass der vermeintlich spontan und informell malende Künstler minuziös geplant und überlegt komponiert hat. Wie in einer Partitur nennt er Kompositionsdetails, schreibt Farben und Helligkeitswerte auf. Der Entwurf auf Transparentpapier ermöglicht Experimente, die Komposition auch spiegelverkehrt zu sehen. Die dicht und kräftig ausgeführte Schwarz-Grau-Weiß-Zeichnung als dritter Schritt schließlich spielt die Licht-und-Schatten-Situationen an der Decke durch.

Dass Trier sich von den duftigen, pastelltonigen Deckenmalereien der Rokoko-Zeit inspirieren ließ, verraten seine Entwürfe für das Deckengemälde in Schloss Charlottenburg (1972-74). Der Betrachter sieht einen gleichsam entvölkerten Heiligen- oder Mythenhimmel, nimmt Wolkenformationen und pflanzenartige Farbschlieren wahr. Auch der freihängende, beidseitig bemalte Baldachin "Die Wolke" in der Piazzetta des Kölner Rathauses (1980), von dem in Bonn ein Modell zu sehen ist, atmet den Geist des Barock - vom Volksmund weitgehend unverstanden als "Reibekuchen" tituliert.

Wo genau der beidhändig malende Künstler seine vielfältigen Eindrücke herbekam, woher die Eindrücke zu seinen Farblandschaften und himmlischen Sphären kamen, lässt sich kaum ermessen. Er war wie sein jüngerer Bruder, der Bonner Kunsthistoriker Eduard Trier, sehr belesen, hatte sich in der Kunstakademie Düsseldorf mit der Kunst seiner Zeit vertraut gemacht. Nach dem Krieg bezog er ein Atelier auf der Burg Bornheim bei Bonn. Er gründete die Donnerstag-Gesellschaft in Alfter. 1952 zog es ihn nach Medellin in Kolumbien, er bereiste Amerika, kam aber nach drei Jahren zurück. In der jungen Bundesrepublik gehörte er zu den Malern der ersten Stunde, er war bei den Documentas eins bis drei in Kassel vertreten, hatte unter anderem eine Professur an der Berliner Hochschule für bildende Künste - war Lehrer von Georg Baselitz.

Nach seiner Lehrtätigkeit zog sich Trier zurück. In seinen Ateliers, entweder in der Eifel oder im toskanischen Castiglione della Pescaia, entstanden mitunter großformatige Arbeiten von der Art, wie sie nach Triers Tod noch aufgerollt an seinen Arbeitsplätzen gefunden wurden und nun in Bonn wieder das Licht der Welt erblicken.

Sie erinnern in ihrer freien, vitalen und ausufernden Machart an einen Maler, der gerne vor seinen Bildern sang und tanzte. "Ein Maler ist einer, der immer malt", sagte der 82-Jährige, "zwischendurch sitzt er, horcht, geht ins Kino, isst und trinkt, lenkt den Wagen. Er ist Zuschauer, Liebhaber, Mitreisender, Steuerzahler, Zeitungsleser und Witzeerzähler." Und doch etwas Besonderes.

Hann Trier zum 100. Geburtstag

Unter dem Titel "Ich tanze mit den Pinseln" zeigt das Käthe-Kollwitz-Museum vom 18. September bis 29. November Aquarelle und Zeichnungen aus den 1950er und 60er Jahren. Das LVR-Landesmuseum Bonn (30. Juli bis 3. Oktober) und das Stadtmuseum Ratingen (31. Juli bis 1. November) widmen Hann Trier die Doppelausstellung "Der Junge und der Unbekannte Trier". In Bonn ist "Der unbekannte Trier" mit Werken aus dem Nachlass des Künstlers zu sehen. Colmantstraße 14-16, Di-Fr, So 11-18 Uhr, Sa 13-18 Uhr.