Neu im Theaterensemble

Ein Porträt der Schauspielerin Annika Schilling

Vielsagender Blick: Annika Schilling bei der Probe zu „Linie 16“.

Vielsagender Blick: Annika Schilling bei der Probe zu „Linie 16“.

Bonn. Annika Schilling gehört zum Ensemble des Liederabends „Linie 16“ im Schauspielhaus. Sie ist von Köln nach Bonn gewechselt.

Annika Schilling ist Schauspielerin – und Dozentin. Sie gehört nach Stationen in Dresden und Köln seit dieser Spielzeit zum Ensemble des Bonner Theaters. An der Alanus Hochschule in Alfter arbeitet sie nebenbei mit Schauspielstudenten. Sickert das in ihr Kommunikationsverhalten ein? Ja und nein. Schilling, 1984 in Freudenberg im Kreis Siegen geboren und ausgebildet an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, kann Themen erschöpfend behandeln: analytisch, detailreich und meinungsstark. Allerdings gehören Dozentenduktus und Dozentenpose nicht zu ihrem Repertoire. Sie ist ein offener, neugieriger, temperamentvoller und lustiger Gesprächspartner.

In einem Café in Bad Godesberg erzählt sie von den Proben zu „Linie 16“, einem Liederabend im Schauspielhaus. Er wird als musikalische Achterbahnfahrt durch den rheinischen Untergrund angekündigt – mit Songs von Michael Jackson, Gerhard Gundermann, Alicia Keys, David Bowie, Johnny Cash und den Fugees. Regie führt Simon Solberg, Premiere ist am heutigen Freitagabend.

Der Rahmenhandlungsansatz: 4.38 Uhr, die Fahrt beginnt: von Köln-Niehl bis nach Bad Godesberg in 83 Minuten. Aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Typen entwickelt die Produktion Geschichten; die Musik besorgt den Rest. Schilling verspricht einen Abend „mit starken Pinselstrichen“. Sie betrachtet das Projekt, das sich mit jeder Vorstellung ein bisschen neu erfindet und weiterentwickelt, als „verrückten Versuch“, in dem fünf Schauspieler 15 Figuren verkörpern. Die Frage muss erlaubt sein: Kann Annika Schilling singen? „Ja.“ Pause. „Was soll man sagen?“ Den perfekten Sopran könne man von ihr nicht erwarten, aber der sei auch nicht gefragt.

Nach Bonn gezogen

Die Schauspielerin, die Hausregisseur Simon Solberg und Theaterdirektor Jens Groß gut kennt, ist nach Bonn gezogen. Sie will in der Stadt leben, in der auf der Bühne steht, ein Gefühl fürs Publikum entwickeln. Das Theater begreift sie – wie alle Protagonisten der Ära Groß, mit denen ich gesprochen habe – als Ort des Diskurses und der Begegnung, an dem sich Künstler und Publikum unmittelbarer und authentischer austauschen können als über soziale Medien. Theater verstehen Schilling und Kollegen als Kunst mit gesellschaftspolitischem Anspruch.

In Bonn hat sie in Solbergs „Candide“-Inszenierung debütiert. Darin vollzieht sie als Kunigunde die Wandlung vom koketten Mädchen zur vom Schicksal gewaltig gebeutelten Frau. Mit dem Bonner Hausregisseur hat sie eine gemeinsame Theatervergangenheit. In Köln spielte sie die Luise in Solbergs Schiller-Adaption „Kabale und Liebe“. Unser Kritiker Hartmut Wilmes schrieb nach der Premiere im Januar 2014: „Marek Harloff und Annika Schilling sind gewiss kein elegisches, sondern ein heftiges Paar von junger Unbedarftheit. Zwischen Ferdinand und Luise liegen die Nerven blank wie Starkstromkabel. Doch ein Tritt auf die Hysteriebremse genügt, und die Inszenierung stürzt beide aus Eifersuchtsexzessen in intime Verzweiflung.“

Premiere am 1. Dezember

Es folgten in Köln Schillings elegante, kühl-kokette Roxane in Solbergs „Cyrano de Bergerac“ (2016) und Schillings in raschen Kostümwechseln glänzende Haushälterin in Solbergs „Don Quijote“ (2018).

Nach „Candide“ wird sie in Bonn in Molières „Menschenfeind“ zu sehen sein. Premiere ist am 1. Dezember. Gespielt wird Hans Magnus Enzensbergers modernisierende Molière-Aneignung. Das kann lustig werden.

Premiere von „Linie 16“ an diesem Freitag, 19.30 Uhr. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.