Weltraumausstellung in Bundeskunsthalle Bonn

Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung

Bonn. Das DLR ist Partner der "Outer Space"-Schau: Dass ein Weltraumfachmann beim Anblick eines alten Bügeleisens in Verzückung gerät, erlebt man nicht alle Tage. Nun: Es ist nicht irgendein Bügeleisen, durch das Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), zum Schwärmer wird. Es ist das Bügeleisen.

Das wohl prominenteste Requisit aus dem Science-Fiction-Klassiker "Raumpatrouille Orion" mit dem Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane und Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk Mitte der 60er Jahre den Weltraum in deutsche Wohnzimmer brachten. Eine TV-Serie mit großer Aktualität, meint Wörner, "aus der Vision des Films ist Realität geworden und - sehen Sie - die nächste Kapsel der Amerikaner heißt Orion". Das könne kein Zufall sein.

In dem Kölner High-Tech-Zentrum für Raumfahrtmedizin ":envihab", in dem gewöhnlich getestet wird, wie sich der Körper in der Schwerelosigkeit und auf langen Raum-Expeditionen verhält, stellten die Kuratoren der großen Weltraumausstellung der Bundeskunsthalle, Claudia Dichter und Stephan Andreae, gemeinsam mit dem Intendanten Rein Wolfs ihr neues Projekt vor.

"Outer Space - Faszination Weltraum" soll ab dem 3. Oktober in zwölf Kapiteln eine Brücke von der Wissenschaft zum Mythos, von der Kunst zum Trivialgenre schlagen. Rund 330 Exponate von 95 Leihgebern wird es in Bonn zu bestaunen geben: Höhepunkte sind bestimmt die restaurierte Kapsel "Liberty Bell" aus den USA und Rubens' "Erschaffung der Milchstraße" aus dem Prado in Madrid - auch das Bügeleisen aus dem Raumkreuzer Orion wird dabei sein.

Enger Partner der Bonner Schau ist die DLR. "Raumfahrt ist ein Teil der Kultur, sie ist der Beleg für die Kraft des Menschen, Dinge zu erreichen, jenseits der Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen", sagte Wörner, "die stärksten Triebfedern sind die Neugier und die Frage: Wie sieht es in anderen Welten aus?" In der Lobby des an eine Raumstation erinnernden ":envihab" läuft ein Film von 1902. "Voyage dans la Lune" erzählt in fantastischen, naiven und visionären Bildern von der Eroberung des Mondes.

Daneben erfährt man, was aus diesem Traum ein Jahrhundert später wurde. Zu sehen ist ein Modell der ISS, mit der der deutsche Astronaut Alexander Gerst im All unterwegs ist - gleich zweimal ist Gerst als Miniaturfigur in der Raumstation vertreten - und das Modell des Rosetta-Landers Philae. Beide Exponate werden in der Bonner Ausstellung präsentiert. Außerdem wird die bizarre Geschichte einer Wiedereintrittskapsel dokumentiert. Und der Spaceliner ist auch dabei.

Doch das ist nicht alles: Gerst soll zur Eröffnung der Ausstellung am 2. Oktober eine Videobotschaft absetzen und wird am 8. Dezember nach geglückter Landung zur Welcome-Home-Party in der Bundeskunsthalle erwartet. Am 11. November ist eine Live-Übertragung von der Landung von Philae auf dem fünf Millionen Kilometer entfernten Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko im Forum der Bundeskunsthalle geplant.

Wörner ordnet das Ereignis ein: Was im Science-Fiction-Film "Armageddon" (1998) - die Landung auf einem Asteroiden, um ihn von innen zu sprengen - Thema ist, lässt ihn kalt. "Es ist easy, was die gemacht haben, mit Rosetta machen wir etwas ganz anderes."

Informationen unter www.bundeskunsthalle.de