Kunstausstellung in Königswinter

Ein Krankenhaus voller Kunst

Raum-Erfahrungen der besonderen Art: Der Beitrag von Hatice Caska-Oehm.

Königswinter. Nichts Geringeres als die magische Verwandlung eines Ortes stand am Wochenende auf dem Programm der regionalen Kulturszene. Achtzig Künstler hatten auf die "Endstation" im Königswinterer Krankenhaus St. Josef eingeladen und Hunderte Besucher waren gekommen.

Von einer kleinen Künstlertruppe rund um den Initiator Helmut Reinelt war in den letzten Wochen mit großem Enthusiasmus und der üblichen Selbstausbeutung ein leer stehendes Krankenhaus, das im Spätsommer abgerissen werden wird, zu einem Kunstort umgedeutet worden.

Abseits der festen Strukturen von Galerien und Museen hat hier, endlich mal wieder, das kreative Potenzial der Freien Kulturszene einen Austragungsort gefunden. Nicht alles in den rund hundert Räumen auf 3 000 Quadratmetern auf vier Etagen ist künstlerisch gelungen, aber dem stimmigen Gesamtbild der Ausstellung tut das keinen Abbruch.

Es lohnt sich, mit Entdeckerlust durch die Flure zu streifen und sich auf die künstlerische Inbesitznahme des Ortes einzulassen. Zimperlich sollte man beim Rundgang jedoch nicht sein, denn etliche Künstler gehen mit ihren Arbeiten genau dorthin, wo es weh tut. Man findet sich schnell in der Pathologie wieder, die korrekt "Prosektur" heißt und von Regine Kleiner und Andrea Goost mit Verweisen auf die chemische Zusammensetzung des Menschen versehen wurde.

Für die Seele steht ein Kahn aus Wachs bereit. Dieter Wessinger zeigt in der Röntgenabteilung verstörende Videos, darunter die "Operation", in der eine Banane fachmännisch chirurgisch behandelt wird. Beklemmend wirkt der von Wolf Rabe mit einer surrealen Mischung aus gefundenen Materialien umgestaltete Raum des Chefarztes.

Und auch die Vertreter der "Letzten Visite", die als Kittel im vollständig weiß gehaltenen Krankenzimmer von Kurt Girnstein über dem Bett schweben, lösen Assoziationen aus. Bis in persönliche Grenzerfahrungen gehen Künstler wie Gabriele Pütz, die "Die Gespenster meiner Mutter" heraufbeschwört oder Irene Eigenbrodt mit einer wundervollen Rauminstallation aus schwarzen Kunststoffknäueln und Zeichnungen, in der sie ihre Krankenhaus-Alpträume thematisiert.

 Im Zimmer von Günter Karl, der den Tod seiner Frau Anne mit einem Überschwang und alle Sinne ansprechend betrauert, verstummen sämtliche Gespräche. Nur gut, dass nicht jede Arbeit zum Nachdenken über Krankheit, Sterben und Vergänglichkeit zwingt.

Christopher Wickenden etwa bringt in einer den Raum überwuchernden Einstrichzeichnung den Untergang der Titanic mit der Dekadenz der Finanzwirtschaft zusammen. Erfrischende kubische Formen in schwarz, weiß und rot bevölkern den Raum von Gerd Lind und Jette Gummersbach hat aus den abgezogenen Tapeten einen Raum im Raum abgehängt.

Mit seiner spröden Ausstattung der gekachelten Küche aus verdorrten Ästen, geschickt platzierten Spiegeln und verknautschten Collagen verweigert sich Martin Knauf jeglicher Krankenhausatmosphäre. "Ich war nie hier" behauptet die Inschrift auf einem Spiegel.

"Endstation" Kunst im Krankenhaus, Bismarckstraße 2, Königswinter, bis 26. August 2012, Do-Sa 14-20 Uhr, So 11-18 Uhr. Im Foyer finden samstags ab 17 Uhr Konzerte und Performances statt.