Ein Experiment zu viel beim Beethovenfest-Finale mit Bamberger Symphonikern

Orchester ließ die Zuhörer mit "Prometheus" und einem neuen Werk von Wolfgang Rihm aufhorchen

Bonn. Das Finale des Beethovenfestes war so etwas wie eine Gleichung mit zwei Unbekannten: Im ersten Teil ihres Gastspiels spielten die Bamberger Symphoniker eine Uraufführung von Wolfgang Rihm.

Im zweiten Teil wandten sie sich dann Ludwig van Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus oder: Die Macht der Musik und des Tanzes" zu. Deren Ouvertüre ist zwar ein beliebter Sinfoniekonzert-Einstieg - die restlichen Nummern kommen jedoch kaum je zu Gehör.

Insofern war das Konzert in der Beethovenhalle sicher eine von den Veranstaltern gewollte dramaturgische Ergänzung zum Abend zuvor, als die Hamburger Symphoniker Beethovens ebenfalls kaum bekannte Schauspielmusik zu Goethes "Egmont" vorstellten. Zumal beide Werke sich ganz wunderbar in den Themenkomplex "Macht.Musik." fügen.

Allerdings muss man sagen, dass zwei solcher Experimente eigentlich eines zu viel sind. Denn wie die Egmont-Musik ist auch die zu Salvatore Viganòs Prometheus-Ballett bisweilen kaum mehr als instrumentale Konfektionsware.

Das Orchester spielte unter Leitung seines Chefs Jonathan Nott die Ouvertüre und die folgenden zwölf Nummern zwar durchaus mit Herzblut, aber ein wirklicher Spannungsbogen baute sich da nicht auf. Zumal die von Hanns Zischler eigens für die Aufführung verfassten Zwischentexte von dem Schauspieler Christoph Waltz auch nicht so lebendig und mitreißend vorgetragen wurden, dass sie die visuelle Ebene einer Choreographie, wie Bernd Schindowsky sie noch vor einem Jahr in Gelsenkirchen realisierte, hätten ersetzen können.

Es sind eher die Details, die aufhorchen lassen. Etwa das von einer Harfe eingeleitete Adagio, das ein von fein getupften Pizzicato-Farben begleitetes Flötensolo vorbereitet und schließlich weitere Bläser miteinbezieht, bis Apoll seine Stimme in Gestalt eines Cello-Solos erhebt.

Das mit schöner Leichtigkeit gespielte Finale (dem noch eine instrumentale Mozart-Arie als Zugabe folgte) machte freilich deutlich, dass Beethoven das Prometheus-Thema in seiner Ballettmusik noch nicht ausgereizt hatte. In den Eroica-Variationen für Klavier und der dritten Sinfonie gewinnt er dem schlichten Material ganz andere Dimension ab.

Neben den vielen Preisen, die das Programmheft in der Vita Wolfgang Rihms aufzählt, erhielt der 1953 geborene Komponist im Jahre 1980 für seine Oper "Jakob Lenz" den "Beethoven-Preis" der Stadt Bonn. Man könnte also den aktuellen Kompositionsauftrag, den das Festival gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern erteilte, als Auffrischung einer alten Beziehung werten. Rihms "Verwandlung 4" knüpft denn auch zumindest assoziativ an Beethoven an: Die erste motivische Keimzelle des Werks erinnert nicht von ungefähr an den Anfang der Neunten.

Rihm liebt solche gestischen Formeln, die er in diesem Falle gleich mit großer Vehemenz weitertreibt. Auf diese Weise gewinnt die durchaus komplex gearbeitete Partitur eine große Unmittelbarkeit. Es gibt Rhythmusfiguren, die glauben lassen, dass Strawinskys "Frühlingsopfer" wiederauferstanden sei, beschleunigte Streicherfiguren prallen plötzlich auf scharfe Blechakzente, um ebenso unmittelbar wieder in eine ruhige Phase überzugehen.

Am Ende, wenn das Eingangsmotiv nochmals einen machtvollen Auftritt hat, erstirbt die Musik beinahe, löst sich auf in Stille. Von den Bambergern wurde dies wirkungsvoll in Szene gesetzt: mit blendend disponiertem Blech und einem kompakten Tutti-Klang sowie rhythmischer Präzision. Der Komponist freute sich über den Applaus, schenkte seine Blumen der Bratschistin am ersten Pult - und kniff Jonathan Nott schelmisch in die Wange.

Das Beethovenfest in Zahlen

Das vierwöchige Beethovenfest, das mit dem Konzert der Bamberger Symphoniker zu Ende ging, war nach Angaben der Veranstalter äußerst erfolgreich: Die Platzauslastung der Konzerte lag bei mehr als 92 Prozent. 45 Konzerte von insgesamt 60 Veranstaltungen im Hauptprogramm waren ausverkauft. Im nächsten Jahr findet das Beethovenfest vom 4. September bis zum 4. Oktober statt. Das Programm wird im März 2009 bekannt gegeben.