Kultur in Bonn

Drei hochkarätige Klassik- und Jazz-Konzerte

Das Jugend Jazz Orchester Bonn unter Leitung von Thomas Kimmerle und Sängerin Annikó Kanthak im Telekom-Forum.

BONN. "Musiknotruf 443" beim Beethoven Orchester Bonn: Das dritte Kinderkonzert dieser Saison hatte das Eingreifen von Musikkommissarin Flunke dringend erforderlich gemacht.

Beethovenhalle

"Im Namen der Musik 'Hände hoch!'", hieß es da zunächst in voll besetzter Beethovenhalle, in der die Kommissarin auf folgendes Szenario gestoßen war: Ein Haufen mit Instrumenten bewaffneter Schurken hatte sich auf dem Podium versammelt, um Dvoráks Slawischen Tanz Nr. 8, Brahms' Ungarischen Tanz Nr. 5, Sibelius' "Valse triste" und die Josef-Strauss-Polka "Ohne Sorgen" zu exekutieren.

Weil ihnen aber ihr Anführer abhanden gekommen war, geriet die Orchesterprobe zu einem kakophonischen Chaos. Mit Trillerpfeife und militärischem Befehlston lehrte Flunke unter drakonischer Strafandrohung die undisziplinierten Ganoven musikalische Mores.

Inhaltlich ging es darum, die Musikalität zu "retten" und die Gefühle "hinter" der Musik aufzuspüren. Überwacht und tatkräftig unterstützt wurde dieser Überraschungseinsatz der Musikkommissarin von den vielen der kleinen und großen "Ohrenzeugen" im Saal, die bei der österreichischen Produktion offenkundig eine Mordsgaudi hatten.

Federführend bei diesem musikalischen Abenteuer war Lilian Genn in der Rolle der Musikkommissarin Flunke, die, unterstützt von Trompeter Stefan Dünser, die Musikerinnen und Musiker des Beethoven Orchesters erfolgreich darin bestärken konnte, ihrem komödiantischen Affen - bisweilen auch erfreulich selbstkritisch - kräftig Zucker zu geben. Dass vom Orchester selbst das gestenreich gestaltete anfängliche "Chaos" exzellent probiert war, verstand sich für diesen Morgen von selbst. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum. Fritz Herzog

Beethoven-Haus

Platz für Assoziationen bieten die Pastoral-Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Ein dankbares Stück also, gerade für ein Kinderkonzert. Im Kammermusiksaal machte sich jetzt der Schauspieler Jörg Schade an das Unterfangen, Beethovens musikalische Schilderungen kindgerecht aufzubereiten. Dazu hatte er eine kurzweilige Rahmenhandlung mit einem dem Archiv entsteigenden Beethoven - Schade höchstselbst - sowie einem nörgelnden Teenager samt pädagogisch ambitioniertem Vater.

Wissenswerte Details wurden quasi en passant eingestreut, Humor und Situationskomik kamen auch nicht zu kurz. So ergab sich am Ende ein abwechslungsreiches Stück für die ganze Familie.

Auch musikalisch war der Nachmittag ergiebig. Das um Gäste erweiterte Chapelle-Quartett spielte die Pastorale in einer Fassung für Streichsextett, die in etwa wie ein musikalisches Exzerpt des Originals anmutete. Ein gelungenes freilich: Das Wesentliche kam rüber. Die monochrome Streicherfärbung kompensierte man durch farbenreiches Spiel und die Hinzunahme dreier Instrumente bei zur Imitation von Vogelstimmen. Jonas Oppermann (Flöte, der auch den Teenager spielte), Paul Hesse, Oboe, und Luisa Gehlen, Klarinette, lösten diese Aufgabe mit Bravour. Guido Krawinkel

Telekom-Forum

Thomas Heck und Thomas Kimmerle haben ganze Arbeit geleistet. Innerhalb kürzester Zeit haben die beiden Bandleiter des über 30-köpfigen Jugend Jazz Orchesters Bonn (JJOB) einen jazzigen Klangkörper auf die Beine gestellt, der sich hören lassen kann. Darüber gab der Auftritt des Orchesters anlässlich der Uraufführung des speziell für Kinder ausgerichteten Konzerts "Miss Minnie und der Jazz" nach Corinna Mund in beeindruckender Weise Auskunft.

Das nachmittägliche Erzählkonzert im Telekom Forum war gut besucht, als Moderator und Erzähler Wolfgang Pohl das Publikum mitnahm auf die fantasievolle Erlebnisreise mit der kleinen Miss Minnie, dem knarzigen Saxofonlehrer Didi und der Blindschleiche Sepp in Paris, wobei kindergerechte Illustrationen (Grafik: Svea Jahnk) auf der riesigen LED-Wand bei den Kindern Aufmerksamkeit erzeugten.

Absolutes Highlight waren jedoch die gelungenen Einsätze des Jugend-Orchesters, das zur fortschreitenden Geschichte beginnend mit "April in Paris" jeweils die passenden Stücke dazu spielte. Beeindruckend, mit welcher Bravour die jungen Nachwuchsmusiker selbst kompliziertere Stücke wie "Night in Tunesia" meisterten oder welches Feingefühl bei stimmungsvollen Balladen wie "Cry Me a River" zu Tage trat.

Die Gesangspartien übernahm Annikó Kanthak, die mit sicherer Intonation in Stücke wie "It Don't Mean A Thing" oder "Skyfall" dem Konzert zusätzlichen Glanz verlieh. Begeisterter Applaus für den Jazz-Nachwuchs. Wolfgang Schneider