Dialogstück

"Die schönen Tage von Aranjuez" in der Pathologie

Maren Pfeiffer und Martin Maria Vogel spielen Handke.

BONN. Ein milder südlicher Spätsommertag. Zwei nicht mehr ganz junge, schöne, gebildete Menschen auf weißen Gartenstühlen mit ein wenig gutem Wein und vielen Erinnerungen. Möglicherweise einst oder immer noch ein Paar.

Aber sich selbst und gegenseitig merkwürdig nah und fremd zugleich. "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende. Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer", sagt der Beichtvater Domingo zu Beginn von Schillers Drama "Don Carlos".

Peter Handke lässt in seinem 2012 bei den Wiener Festwochen uraufgeführten Stück "Die schönen Tage von Aranjuez" einen namenlosen Mann und eine ebenso anonyme Frau reden über Männer und Frauen.

Im Theater die Pathologie hat Christoph Pfeiffer Handkes "Sommerdialog" mit Maren Pfeiffer und Martin Maria Vogel inszeniert. Es ist ein Sprach-Spiel ohne große Aktionen. "Zum Glück ist das hier zwischen uns beiden kein Drama", sagt der Mann einmal. Er trägt zum eleganten schwarzen Anzug einen lässig um den Hals geschlungenem Schal und ein weißes Käppchen, das ihm einen, wie auch immer zu verortenden, orthodoxen Anschein verleiht.

Er befragt die Frau - sie trägt eine schlichte Perlenkette zum schlanken schwarzen Kleid - nach ihren erotischen Erfahrungen und Empfindungen. Sie antwortet anfangs einsilbig. Er will Ausführlichkeit. Sie reagiert nachdenklich, als müsste sie die verblassten Erinnerungsbilder für sich selbst hervorholen. In seine Gelassenheit mischt sich inquisitorische Aggression. Grob verlangt er Auskunft über ihre "Vögeljahre". Sie nutzt die leise Macht ihrer Worte, beginnt selbst das Verhör zu lenken, ohne vordergründig Intimitäten preiszugeben.

Am Schluss tanzt der Mann, während die Frau sachte verführerisch einen Träger ihres Kleides verrutschen lässt und ihr Atem den des Mannes kreuzt. In der Pathologie huscht in einer guten Stunde ein unverschämt ironisches Lächeln über Handkes mit kostbarer Tristesse getränkten Text.