Nachfolge von Generalmusikdirektor

Die heiße Phase hat begonnen

Stefan Blunier und der Pianist Rudolf Buchbinder 2012 in einem Konzert in der Beethovenhalle.

Stefan Blunier und der Pianist Rudolf Buchbinder 2012 in einem Konzert in der Beethovenhalle.

Bonn. Während Bonn noch fleißig auf der Suche nach dem Nachfolger für den 2016 aus dem Amt scheidenden Generalmusikdirektor (GMD) Stefan Blunier ist, sind in Düsseldorf die Würfel gefallen. Neuer Chef der Symphoniker wird der ungarische Dirigent Adam Fischer.

Damit betritt in der Tonhalle ein Mann aus der ersten internationalen Dirigentenliga das Pult, einer, der an der Wiener Staatsoper ebenso zu Hause ist wie an der New Yorker Met oder in Bayreuth.

In der Landeshauptstadt wollte man einen großen Namen. Dafür waren die Düsseldorfer bereit, ein paar Kompromisse einzugehen. Zum Beispiel die einer Doppelspitze. Weil der Maestro nur vier Programme in zwölf Konzerten dirigieren muss, wurde ihm der 29-jährige Kollege Alexandre Bloch aus Paris als Erster Gastdirigent an die Seite gestellt. Nimmt man Opern-GMD Axel Kober noch hinzu, werden die Düsseldorfer Symphoniker ab kommendem Spätsommer sogar von einer Dreierspitze gelenkt.

Auf Bonn lässt sich die Situation nicht übertragen. Die seit November letzten Jahres suchende Findungskommission hat vom Rat der Stadt klare Vorgaben mit auf den Weg bekommen. Dass dem neuen GMD die künstlerische Leitung des Beethoven Orchesters sowie der Oper untersteht, ist fest im Anforderungsprofil verankert. Dabei gibt es freilich einen gewissen Deutungsspielraum, den auch Stefan Blunier schon genutzt hat. Er hatte sich zuletzt mehr auf den Konzertbetrieb konzentriert und seine Präsenz an der Oper - einhergehend mit einem Verzicht auf einen Teil seines Gehalts - zurückgefahren. Wegen dieser Akzentverschiebung wurde die Position des Chefdirigenten an der Oper eingerichtet, die der estnische Dirigent Hendrik Vestmann bekleidet.

"Diese Lösung wird es mit Sicherheit nicht mehr geben", sagt Bonns Theater-Generalintendant Bernhard Helmich, obwohl, wie er einräumt, die Arbeitsteilung "bei Blunier funktioniert hat". Helmich hat bei der Berufung des Nachfolgers ein gewichtiges Wort mitzureden. Genauso wie Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner und der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke, mit denen Bonns Generalintendant seit November 2014 in der Findungskommission sitzt.

Die Interessen, die Wagner und Helmich leiten, müssen sich nicht zwangsläufig decken. Klar, dass der oder die Neue als Beethoven-Interpreten etwas zu sagen haben und sich in die Planung für die Feierlichkeiten zu Beethovens 250. Geburtstag im Jahr 2020 einbringen soll. Das kommt natürlich Wagner entgegen. Sie hat bereits mehrfach zu verstehen gegeben, das Orchester enger ans Beethovenfest zu binden. "Ich brauche das Beethoven Orchester, weil es flexibler in der Programmation ist als die großen internationalen Klangkörper. Ich brauche jemanden, der die Bereitschaft und die Offenheit dafür hat, der nach vorn gerichtet ist, ohne die Tradition zu vernachlässigen."

Für Helmich müssen hingegen bei aller Beethoven-Euphorie die Interessen der Oper gewahrt bleiben. Für ihn ist dies kein Widerspruch, und er unterstreicht, dass er mit Wagner an einem Strang ziehe. "Das Angenehme ist, dass wir beide das Ganze sehen."

Kandidaten gibt es natürlich auch schon. Man habe schon gute Gespräche geführt, sagt Wagner. Namen nennen wollen aber weder sie noch ihre Kollegen in der Findungskommission. Auch nicht Bonns Kulturdezernent Martin Schumacher, der die Findungskommission ohne Stimmrecht moderiert. Er hat für Bonn das ehrgeizige Ziel im Visier, dass der Rat in seiner Sitzung am 7. Mai entscheiden soll. Bis dahin muss die Liste der potenziellen Blunier-Nachfolger so weit ausgedünnt werden, dass man den Dirigenten, soweit sie dem Orchester noch nicht bekannt sind, ein Probedirigat anbieten kann. Im Orchestergraben der Oper oder auf dem Konzertpodium.

Das Bewerberfeld bezeichnen sowohl Wagner als auch Helmich als sehr gut. Die mit 160 000 Euro dotierte Stelle ist attraktiv. Unter Blunier hat sich das Orchester in den letzten Jahren enorm entwickelt.

Allerdings muss Bluniers Nachfolger mit einem um sechs auf hundert Musiker reduzierten Orchester arbeiten und mit einem um zehn Prozent geschrumpften künstlerischen Budget rechnen. Statt bislang 890 000 Euro stehen ihm noch 800 000 Euro für Honorare von Ensembles, Solisten oder Chören zur Verfügung.